Teure Raserei
Wenn Dein Auto plötzlich der Schweiz gehört

Festnahme, Auto beschlagnahmt, drohende Gefängnisstrafe: Ein deutscher Autobahn-Raser erlebte am Wochenende, was es kosten kann, wenn man schneller unterwegs ist, als die Schweiz erlaubt.
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AarauWeil er mit 215 Stundenkilometern über eine Schweizer Autobahn bretterte, ist ein Fahrer aus Deutschland jetzt sein teures Auto los. „Das Fahrzeug wurde gemäß Schweizer Verkehrsgesetz eingezogen“, sagte eine Sprecherin der Kantonspolizei Aargau am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. Zudem wurde der 59-Jährige festgenommen bis zur Einvernehmung durch einen Staatsanwalt.

Erlaubt sind auf Schweizer Autobahnen maximal 120 Stundenkilometer. Der Fahrer war mit seinem deutschem Luxusklasse-Wagen am frühen Sonntagmorgen auf der Autobahn A1 nahe der Ortschaft Spreitenbach (Kanton Aargau) gestoppt worden.

Die Radarmessung zeigte laut Polizei, dass der Mann nach Abzug der Toleranzschwelle (7 km/h) 88 Stundenkilometer zu schnell fuhr. Wer auf Schweizer Autobahnen mehr als 80 Stundenkilometer über dem Limit unterwegs ist, wird amtlich als „Raser“ eingestuft.

Hintergrund: Seit Anfang 2013 gibt es in der Schweiz den Straftatbestand "besonders krasse Missachtung der Geschwindigkeit". Weil Rasen jetzt als Straftat gilt, kann das Auto als Tatwaffe leichter beschlagnahmt werden. Daneben drohen hohe Geld- oder im Extremfall sogar Gefängnisstrafen.

Der Wagen wird nun entweder vom Schweizer Staat weiterverkauft, oder das Gericht bietet dem Fahrer an, das Fahrzeug selbst zurückzukaufen. In der Schweiz entscheidet der Richter, was mit dem Erlös eines verwerteten Fahrzeugs passiert. Früher bekam der Raser das Geld – abzüglich Verfahrenskosten, Geldstrafen und Bußgeldern – zurück und konnte sich ein neues Auto kaufen. Jetzt kann der Erlös auch in die Staatskasse fließen.

Die Schweiz, wo öffentliche Warnungen vor Blitzern und Radarkontrollen verboten sind, plant weitere Verschärfungen in den kommenden Jahren: Wer seinen Führerschein wegen Tempoverstößen für mindestens zwölf Monate entzogen bekam, muss anschließend seinen Wagen fünf Jahre lang mit einer Blackbox ausrüsten, die alle Daten aufzeichnet.

Und wer mit Alkohol am Steuer erwischt wurde und deshalb den Führerschein verlor, darf nach der Strafe fünf Jahre lang nur noch mit einer Atemalkohol-Wegfahrsperre den Wagen starten.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor

Kommentare zu " Teure Raserei: Wenn Dein Auto plötzlich der Schweiz gehört"

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  • Die Schweizer Autobahnen sind für Geschwindigkeiten über 150km/h nicht ausgelegt.

    Der Radius der Kurven ist viel zu klein, die Spuren sind zu schmal, Steigungswechsel zu abrupt. In dem vorliegenden Fall wird zu Recht das Strafrecht bemüht.

  • finde ich gut, das Modell sollte man auch in Deutschland einführen, wenn im Gegenzug dazu die Verbote und Gebote im Straßenverkehr deutlich reduziert werden. Wir sind überreguliert. Wenige Regeln und die knallhart durch setzen.

  • Strafe muss sein bei zu schnellem fahren.

    ABER: Was hier Dänemark und die Schweiz treiben geht zu weit und ist schlichtweg rechtswidrig! Das wird demnächst höchstricherlich vom EuGH kassiert. Die Fahrer sind weiterhin Eigentümer der Fahrzeuge und nicht die Staaten- trotz zu schnellem fahren. Das Eine hat mit dem anderen absolut nichts zutun...was soll also diese "hirnverbrannte Aktion"?

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