Teure Reparaturen
Wie die Hersteller mit Ersatzteilen Kasse machen

Die chinesischen Kartellbehörden nehmen westliche Autokonzerne wegen überhöhter Preise für Kotflügel und Außenspiegel ins Visier. Doch auch für deutsche Käufer sind die Preise für Ersatzteile ein Ärgernis.
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DüsseldorfUmgerechnet rund 50.000 Euro kostet eine Mercedes C-Klasse mit guter Ausstattung im Reich der Mitte. Würde ein Chinese dasselbe Auto ausschließlich aus Ersatzteilen einer von Daimler autorisierten Werkstatt zusammenbauen, müsste er rund zwölf Mal so viel hinlegen – satte 600.000 Euro.

Mit solchen Rechenbeispielen, verbreitet von der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua, gehen derzeit die Kartellbehörden der Volksrepublik gegen Autohersteller aus aller Welt vor. Ersatzteile, die zwölfmal so teuer sind wie eingebaute Komponenten, wie kann das sein? Schließlich kommen die Teile vom gleichen Zulieferer und gleichen sich wie ein Ei dem anderen.

Ein kleiner, aber entscheidender Unterschied macht’s: Als Daimler-Originalersatzteil deklariert und verkauft, ist die Komponente um ein Vielfaches teurer als bei der Erstausstattung. Den Preis für das Originalersatzteil legt der Autohersteller fest – und streicht die teilweise gigantische Differenz selber ein.

Bisher kamen die Autohersteller damit durch, und das nicht nur in China. Doch zum 1. Oktober läuft dort ein Gesetz aus dem Jahr 2005 aus, nach dem Autoersatzteile nur von Händlern verkauft werden dürfen, die vom Hersteller autorisiert sind. Prompt tauchten Anfang August Beamte der Kartellbehörden bei Daimler in Shanghai auf, durchsuchten Büroräume und befragten Mitarbeiter. Kurze Zeit später traf es die VW-Tochter Audi, den amerikanischen Autokonzern Chrysler und den britischen Hersteller Jaguar sowie deren chinesische Joint-Venture-Partner. Der Vorwurf: Die Hersteller sollen jahrelang zu teure Ersatzteile an die Verbraucher verkauft haben und damit gegen das Anti-Monopol-Gesetz aus dem Jahr 2008 verstoßen haben.

Mit ihren Razzien bei den Westkonzernen zerren die Behörden in China Geschäftspraktiken ans Licht der Öffentlichkeit, die sich nicht auf den weltgrößten Automarkt beschränken, sondern über weite Strecken auch in Deutschland ebenso verbraucherfeindliche wie gängige Praxis sind. Denn auch hier haben die Fahrzeughersteller den Markt für Ersatzteile fest im Griff: Sie bestimmen die Preise, und sie legen fest, wer solche Teile herstellen darf.

Die Folge: Wer sich eine Beule ins Auto fährt und einen neuen Kotflügel braucht, wird bei Reparaturen unverhältnismäßig teurer zur Kasse gebeten, als wenn er das Blechteil außerhalb von Vertragswerkstätten kaufen würde. Vorstöße der EU-Kommission in Brüssel, den Autoersatzteilmarkt zu liberalisieren, scheiterten bisher an der Lobby der großen Autokonzerne.

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  • Der Opelhändler schlägt im Durchschnitt (Stand vor >2 Jahren!) 60% ohne MwSt. auf den Netto-EK von Ersatzteilen (z.B. Wasserpumpe). Auf diverse Zubehörteile werden auch schon mal >800% aufgeschlagen.
    Und dann kommt noch die Unhöflichkeit hinzu: Opel Corsa, 4 Jahre alt, ~90.000km gefahren, hinterer Radkasten rechts: Rost! Ok, also ab zur Fachwerkstatt schließlich darf eine Auto nicht schon nach 4 Jahren rosten. Immerhin wollte man mir 70% der Lackierkosten ersparen. Alles andere sollte ich übernehmen. Wer jetzt denkt das der Anruf in Rüsselsheim etwas gebracht hätte der irrt. Antwort: "Seien Sie froh das der Händler 70% übernimmt". Soviel zum Thema Kundenservice und soviel zum Thema Opel.
    Das nächste mal gibt's einen Japaner, Koreaner oder sonst was aus dem asiatischen Raum. Man sollte ja alles mal probieren ;-)

  • KNEBELVERTRAEGE z.B. bei AUDI:
    Die wollen selbst bei der Inspektion die Kunden abzocken:
    10 Euro fuer Schmierstoffe, aber noch nicht einmal auf dem Wartungsplan ist "Schmieren" vorgesehen, geschweige gemacht worden!
    Bei Inspection ohne Oelwechsel ( ~9 l Longlife Oel zu 40.00 Euro / L!!) wird die Motor-Service-Anzeige nicht zurueckgesetzt obwohl ein Service sprich Inspection gemacht wurde und das Oel in diesem Falle gerade 10000 km gelaufen ist!
    - Wir wechseln das Oel im Winter und bei vielemn Kurzfahrten eben nach 15000 km anstatt nach 30000 km wie Audi vorgibt, und dann auch zu weitaus guenstigeren Oelpreisen! -
    Bei Oelwechsel ohne Inspection, ja da hatte ich Pech beim Denken! Da wird die Service Anzeige auch nicht zurueckgestellt bei AUDI , gemaess Konzern-Order...!
    Ds sind doch Knebelvertraege, die den Kunden Zwingen sollen, bei einem Mittelklassewagen mindestens ~ 10000.00 Euro Umsatz bei einer Inspektion zu zahlen bei diesen Oelpreisen etc.
    Ausgeschlagene Koppelstangen, die werden nicht getauscht, wenn man nicht expliziert darauf hinweist...
    ..man wartet wohl lieber auf einen groesseren Schaden, damit der Werkstattbesuch teuer wird.

    Gleiches gilt beim Lufymassenmesser vom Turbo:
    hier wird nicht der Sensor getauscht, nein lieber gleich der ganze Turbolader..
    Vorsicht bei defekten Gluehkerzen, die werden gerne auch uebersehen, denn bei Direkteinspritzern kann ungezuendetes Dieseloel die Zylinderwandungen schnell durch Verschleiss schaedigen und den DPF schaedigen!

    ...es muss eben teuer werden, dann ist man ein gern gesehener Kunde, dem man stets hoeflichst auch noch einen Kaffee anbietet, den wir dann auf der Rechnung wiederfinden!
    Ich sage da nur MAX Moritz, bekannt fuer solchen Schabernack!

  • Kann ich mich anschliessen:
    Neue Windschutzscheibe Audi A6 Stand HEUTE
    Reine Scheibe ohne Einbau, freier Handel
    ca 200 Euro
    Scheibe mit Einbau CarGlass
    ca. 360 Euro
    Scheibe mit Einbau NICHT-Fachhändler
    ca. 650 Euro
    Scheibe mit Einbau FACHHÄNDLER
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