Teure Testwagen
Luxussportwagen als Labore

Allen Debatten um Umweltverträglichkeit und CO2-Werte zum Trotz entwerfen die Autohersteller weiterhin exklusive, handgefertigte Sportwagen. Die teuren Karossen gelten Testläufer für Spitzentechnologien.
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StuttgartDie Lüftung rauscht, ab und an sirrt ein Akkuschrauber. In der Manufaktur von Porsches neuem Sportwagen Spyder 918 geht es ruhiger zu als in manchem Großraumbüro. Gut 100 Mitarbeiter schrauben hier von September an die Luxuskarosse zusammen - exklusiv und in Handarbeit.

Zum zweiten Mal nach dem Carrera GT leistet sich Porsche eine handgefertigte Luxus-Baureihe. Nur 918 Stück sollen bis 2015 gefertigt werden. Der Preis für die einzeln zusammengeschraubten Flitzer: rund 770.000 Euro.

Ein teurer Spaß - auch für Porsche: "Wir bauen das Fahrzeug nicht, um besonders hohe Summen als Deckungsbeitrag zu generieren, sondern um zu zeigen, zu welchen Höchstleistungen Porsche fähig ist", räumt der Leiter der Produktion, Michael Drolshagen, ein.

Wirtschaftlich lohnen sich solche Projekte kaum. Die Entwicklungskosten sind zu hoch. "Wenn ein Hersteller nicht mehr als 5000 Stück herstellt, ist das Thema Marge vernachlässigbar", sagt Autoexperte Peter Fuß von der Wirtschaftsberatung Ernst & Young.

Trotzdem leisten sich auch andere Autohersteller solche Vorzeigemodelle. Daimler hat den Mercedes SLS, Audi den größtenteils handgefertigten R8 und BMW entwickelt den Elektrosportwagen i8, der 2014 auf den Markt kommen soll. Für die Hersteller sind die teils limitierten Spitzenmodelle eine Möglichkeit auszuprobieren, was massentauglich ist, sagt Fuß.

Zu den Technologien, die an Luxuskarossen getestet und später in der Massenproduktion verbaut wurden, gehören zum Beispiel Luftfederung, Assistenzsysteme, Airbags oder Carbon als Werkstoff. "Das sind in gewisser Weise kleine Labors für Spitzentechnologien", sagt Fuß.

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  • Ganz toll. Unausgereifte Hybrid-Technologie für Autos, die mehr stehen als fahren. Aber irgendwie müssen die Autohersteller ja die Subventionsmillionen für grüne Technologie verbraten.

    Der Porsche 918 Spyder trifft bei der Kundschaft anscheinend nur auf mildes Interesse. Selbst den Reichen ist er teilweise zu teuer, auch die Hybridtechnologie macht das Auto nicht interessanter, im Gegenteil. Wer Sportwagen dieses Kalibers liebt will kein Ding, das aussieht wie ein Rennwagen, aber beim Losfahren klingt wie ein AOK-Shopper. Leider machen Ferrari mit dem La Ferrari und McLaren mit dem P1 den selben Mist.

    Am schlimmsten ist jedoch die Werbung mit dem Verbrauch. Klar, mit vollgeladenen Batterien ist der auf den ersten Kilometern erstaunlich niedrig. Wenn ein kleiner Unternehmer sein Produkt derart irreführend anpreisen würde käme er von der Anklagebank gar nicht mehr weg.

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