Tokyo Auto Salon 2015
So verrückt, und doch so bodenständig

Cool, crazy, kitschig - die Leitmesse der asiatischen Autotuner wird zwar immer kommerzieller, aber bleibt ihrem altem Lack-und-Latex-Appeal treu. Auch Deutsche nutzen die Messe, um auf Kundenfang zu gehen.
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TokioMotorenlärm und Reifenquietschen. Dazu hängt der Geruch von verbranntem Gummi hängt über dem Messegelände in Tokios Vorstadt Makuhari, weil einige Rennfahrer heiß getunte Autos über den Parkplatz driften lassen. Kenner hören und riechen es: Der Tokyo Auto Salon hat wieder begonnen, die schrägste Tuningmesse der Welt.

Hier wird tabulos verbunden, was in anderen Kulturen oft nicht zusammengeht oder sich mit Siegeszug der politischen Korrektheit nicht mehr schickt: Macho wird problemlos mit Kitsch kombiniert, Lack noch bedenkenlos mit Latex.

Neben einem Jeep mit Maschinengewehren auf dem Dach und dem Laderaum steht ein pinkes Modell, auf dem sich ein rosaroter Panther räckelt. Sportfelgen mit roten Herzchen werden zur rollenden Liebeserklärung. Andere Tuner haben Autos für Frauen hübsch pink geschminkt. Und an vielen Ständen sorgen leicht bekleidete Standdamen für Massenaufläufe männlicher Fotografen.

Das Rezept scheint weiter zu funktionieren. Schon am Händler- und Pressetag drängeln sich gefühlt mehr Besucher in den Hallen als bei der klassischen Tokyo Motor Show. Denn während das Schaulaufen der etablierten Hersteller auf der seriösen Messe immer weniger globale oder regionale Anziehungskraft erzeugt, hat sich das einst verschrobene Tunertreffen längst zum globalen Schraubermekka gemausert.

Deutsche Tuner suchen nach Absatz

Journalisten, Tuner und Händler aus der ganzen Welt strömen inzwischen nach Japan. Sie schauen sich nach Anregungen um, nach Produkten - oder nach Kunden wie Helmut Gießl. Der Deutsche ist Geschäftsführer von G-Tech Engineering in Stetten, Regierungsbezirk Schwaben, und seit 2011 bei der Messe als Aussteller dabei.

Sein Beitrag zur Vielfalt: Das Tuning von Modellen der Fiat-Gruppe. Den Fiat 500 zum Beispiel. Oder den Alfa Romeo 4C. Damit ist er in Europa bekannt geworden. Damit verdient er in Japan inzwischen gutes Geld. Er und sein japanischer Vertriebspartner hätten sich inzwischen gegenseitig mit Kapital an ihren Geschäften beteiligt, verrät Gießl. "Ich bin sogar in einem Manga-Komik gezeichnet worden", freut sich der Deutsche. Wer das geschafft hat, ist wirklich angekommen im Markt.

Doch er weiß, dass er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen kann. Mit seinem jährlichen Messeauftritt will er sein Händlernetz noch mehr erweitern. "Man muss vor Ort sein, wenn man in Japan verkaufen will", erklärt er. Und "vor Ort" heißt, wirklich landesweit Händler zu haben. Denn Japaner wollen nicht per Internet einkaufen oder weit entfernte Händler anfahren. "Sie wollen Bauteile, Autos anfassen", sagt Gießl, und das ortsnah.

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Asiens Tuner schauen nach Japan

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