Tokyo Motor Show
Winzlinge sollen Jugend anziehen

Auf der Tokyo Motor Show, Asiens größter Automesse, zeigen die Hersteller eine breite Palette von Klein- und Miniwagen, wie geschaffen für Großstädte und Entwicklungsländer. Dabei setzen die Hersteller vor allem auf Attraktivität für die Jugend – im Heimatland des Leichtautos punktet VW mit einer Weltpremiere.

TOKIO. Die Studie Space Up ist der größere Bruder des Kleinwagens Up, den VW auf der IAA in Frankfurt vorgestellt hatte. „Das Auto haben wir speziell für den asiatischen Markt entwickelt. Er ist kompakt, erschwinglich und umweltfreundlich“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn. Die Scharniere der Türen sitzen ganz vorne und hinten, so dass sich die gesamte Seite öffnen lässt. Die Sitze sind schmal gehalten und lassen sich flexibel falten, um den Platz frei einzuteilen. Der Käufer hätte die Wahl zwischen einem Elektro- und einem Benzinmotor.

Die überwältigende Mehrheit der Kleinstwagen auf Asiens größter Automesse mit 241 Ausstellern und über 500 gezeigten Fahrzeugen kommt jedoch von der japanischen Konkurrenz. Auch die großen Hersteller greifen im Kleinen an. Ihr oberstes Ziel: Junge Japaner wieder fürs Auto zu interessieren, um den negativen Verkaufstrend wieder zu drehen. Toyota ließ bei der Gestaltung seines Hi-CT angeblich Entwickler von Computerspielen mitreden – und dementsprechend sieht das Lenkrad aus. Es ähnelt einem aufgemotzten Joystick. Chefentwickler Chiharu Tamura weist darauf hin, dass das Elektroauto auch einfach praktisch ist: Hinter zwei Insassen passe noch etwas Gepäck.

Nissan übertrifft die Entwicklung von Toyota diesmal. Der Pivo 2 ist klar noch ein Auto und doch schon sehr weit von dem heute üblichen Grundmuster entfernt. Das Design ist hemmungslos niedlich und kommt damit einem Bedürfnis junger Japaner nach. Zudem ist die Neuerung mit Technik vollgestopft, während nur eine Person in die Kabine passt, die sich auf einer Art Teller auf Rädern frei drehen lässt. Als Beifahrer lugt ein Roboterkopf mit Augen und angedeuteten Ohren aus dem Armaturenbrett. Der Kopf kann sich drehen und beispielsweise das Gesicht des Fahrers im Blick behalten. Guckt der Mensch verbissen und ärgerlich, rät die Maschine „Lächle doch mal!“, um gefährliche Fahrweisen zu vermeiden. Wenn das Gefährt in zehn oder 15 Jahren einmal ausgereift ist, soll der Mensch am Lenkrad mit seinem elektrischen Begleiter Scherze austauschen können oder ihn nach dem nächsten Parkplatz fragen. Im Demonstrationsprogramm antwortet das Köpfchen dann beispielsweise: „Fünfhundert Meter weiter rechts findet sich ein passender Platz. Er kostet 350 Yen pro Stunde.“ Beim Einparken zeigt sich dann, wofür das Oberteil drehbar ist. Zum Rückwärtsfahren wendet sich das komplette Elektroauto einfach um.

Doch auch viele Leichtmodelle mit klassischem Benzinmotor sind zu sehen. Die Klasse unter 0,66 Litern Hubraum ist in Nippon bereits seit Jahrzehnten steuerlich begünstigt. Auf der Motor Show stellen fast alle Hersteller in diesem Segment sowohl zukunftsweisende Studien als auch neue Modelle vor. Besonders praxisnah profilieren sich die auf kleine Autos spezialisierten Nischenanbieter Suzuki und Daihatsu. Der Pixy von Suzuki lotet die Möglichkeiten für Einpersonen-Fahrzeuge aus. Mit dem SSC bietet Suzuki zudem ein Mutterschiff für das Gefährt an, in das zwei Pixys auf längeren Strecken hineinpassen. Speziell für Familien ist der bereits fertig entwickelte Palette gedacht, in den trotz Mini-Größe vier Personen bequem hineinpassen. 2008 soll in Europa der Splash herauskommen. Das in Ungarn produzierte Auto fällt jedoch bereits in die Kompaktklasse. Auf dem Stand von Daihatsu brachte der im Sommer bereits vorgestellte OFC-1 Leben in die tendenziell dröge Miniklasse. Obwohl nur schwach motorisiert, vermittelt er für zwei Personen das Flair eines Cabrios.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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