Toyota Mirai Wunderauto mit Ausgangssperre

Hiroshi Matsushita ist stolz auf sein Traumauto, das viel Aufmerksamkeit bekommt. Doch sein mit Wasserstoff betriebener Toyota Mirai hat einen Haken: das Auto hat so eine Art integrierte Ausgangssperre.
Angetrieben wird der Mirai von einem 113 kW starken Elektromotor. Den Strom liefert eine Brennstoffzelle, indem sie über spezielle Membranen Wasserstoff und Sauerstoff zusammenbringt. Der Chemiker spricht von „kalter“ Verbrennung. Als „Abgas“ entsteht nichts außer Wasser, das als Dampf oder in Tröpfchen dem Auspuff entweicht. Quelle: AFP
Mirai heißt auf Japanisch Zukunft

Angetrieben wird der Mirai von einem 113 kW starken Elektromotor. Den Strom liefert eine Brennstoffzelle, indem sie über spezielle Membranen Wasserstoff und Sauerstoff zusammenbringt. Der Chemiker spricht von „kalter“ Verbrennung. Als „Abgas“ entsteht nichts außer Wasser, das als Dampf oder in Tröpfchen dem Auspuff entweicht.

(Foto: AFP)

TokioÜber die vielen neugierigen Blicke und Fingerzeige der Passanten freut sich Hiroshi Matsushita, wenn er mit seinem Toyota Mirai unterwegs ist. Doch es gibt ein massives Problem mit dem Tankstellennetz, denn er per Brennstoffzelle angetriebene Elektromotor tankt keinen Strom, sondern Wasserstoff. Und der Bau von Wasserstofftankstellen hinkt weltweit allen Plänen hinterher. Das behindert die Bemühungen der Autohersteller, die Verbraucher zum Wechsel von Benzinern auf solche Fahrzeuge zu überzeugen, die lediglich Wasserdampf ausstoßen. Das gilt auch für Japan, wo Toyota und Premierminister Abe eine "Wasserstoff-Gesellschaft" aufbauen wollen.
Der Mangel an Tankanlagen sei so massiv, sagt Matsushita, dass er seine Fahrten mit den Öffnungszeiten der Wasserstoff-Station in der Nähe seines Hauses in Tokio abgleichen muss. Damit ist Autofahren für ihn nur von neun bis 17 Uhr möglich. "Das ist die Herausforderung, die Erstkäufer überwinden müssen", sagt der 63jährige, der Motorjournalist und Mitglied der Jury ist, die in Japan das Auto des Jahres wählt. "Ich bin bei meiner Terminplanung wirklich sehr sorgfältig."

Matsushitas Erfahrungen bringen etwas Realität in die Lobesreden, die Japans größter Autohersteller bei der Tokyo Motor Show in dieser Woche halten dürften -- denn hier stehen Brennstoffzellenfahrzeuge im Mittelpunkt. Während Toyota ein FCV Plus genanntes Konzept zur Schau stellt, dessen aus Wasserstoff gewonnene Energie sowohl das Auto als auch das Haus mit Strom versorgen kann, präsentiert Honda ein Fahrzeugmodell mit Brennstoffzelle, das über eine höhere Reichweite verfügt und ab Anfang kommenden Jahres dem Mirai Käufer wegschnappen soll.

Abe unterstützt den Vorstoß in die Wasserstoff-Gesellschaft durch Deregulierung. So wird Toyota erlaubt, die Hochdruck- Wasserstofftanks selbst zu inspizieren und Selbstbedienungstankstellen zu entwickeln. Die Zentralregierung bietet Mirai-Käufern zudem Zuschüsse in Höhe von etwa einem Viertel der Anschaffungskosten für das Auto. Damit sind die Anreize zum Kauf von Brennstoffzellenfahrzeugen in Japan höher als in anderen Ländern. 

Dampfende Revolution, um 80.000 Euro
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Toyota bringt das erste serienmäßige Auto mit Brennstoffzelle früher als gedacht auf den Markt. Ursprünglich war der Verkaufsstart für 2015 geplant. Der Wagen namens "Mirai" soll schon im Dezember über Japans Straßen rollen. Das Wasserstoffauto wurde auch unter der Abkürzung FCV für "Fuel Cell Vehicle" bekannt.

Der Konzern forscht bereits seit mehr als 20 Jahren an der umweltfreundlichen Brennstoffzellentechnologie. Nun soll sie in Japan für umgerechnet etwa 48.000 Euro auf den Markt kommen ...

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Toyotas erstes in Serie produzierte Brennstoffzellenauto soll ab September 2015 soll als "Mirai", so das japanische Wort für „Zukunft“, auch in Deutschland zum Leasen angeboten werden. Toyota kalkuliert hierzulande aber mit einem Verkaufspreis von 78.540 Euro. Die Limousine verzichtet völlig auf CO2- und Schadstoffemissionen, aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf.

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Die viersitzige und 4,89 Meter lange Limousine hat eine Systemleistung von 113 kW / 154 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 335 Newtonmetern. Die Betankung mit Wasserstoff dauert rund drei Minuten. Toyota spricht beim Mirai vom Einsatz der weltweit effizientesten Brennstoffzelle.

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Blick auf den Antrieb: Zu sehen ist der Hochdruck-Wasserstofftank (gelb). Er speichert den Wasserstoff bei einem Druck von 700 bar - dafür ist er in drei Schichten mit Kohlefaser verstärkt. In einer chemischen Reaktion wird in den Brennstoffzellen aus Wasser- und Sauerstoff Elektrizität gewonnen, die wiederum den Elektromotor des Autos antreibt. Der Wagen soll laut Toyota in nur drei Minuten aufgetankt sein.

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Die neuen Brennstoffzellen-Stacks nutzen weltweit erstmals feinmaschige 3-D-Kanäle, die eine gleichmäßige Stromerzeugung auf den Zelloberflächen garantieren. So ist die Leistungsdichte 2,2 Mal höher als beim Versuchsträger Toyota FCHV-adv, außerdem ist nicht länger ein Befeuchter erforderlich. Der kompakte Konverter steigert die Spannung zudem auf bis zu 650 Volt, wodurch die Größe des Elektromotors und die Anzahl der Brennstoffzellen verringert werden konnten.

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Die aus drei Schichten kohlefaserverstärkten Kunststofftanks speichern den Wasserstoff bei einem Druck von 700 bar. Obwohl ihr Gewicht und ihre Größe im Vergleich zum Toyota FCHV-adv verringert wurden, stieg ihre Speicherkapazität um 20 Prozent.

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Die unterflurige Montage der Brennstoffzellen-Stacks und Wasserstoff-Tanks reduziert den Fahrzeugschwerpunkt des Mirai, die Unterbodenverkleidung und aerodynamisch geformte Leuchten den Luftwiderstand. Das Brennstoffzellenfahrzeug verfügt neben dem Kühlergrill über zwei weitere Lufteinlässe rechts und links. Sie versorgen die Brennstoffzelle mit Sauerstoff, der für die chemische Umwandlung des Wasserstoffs nötig ist, und kühlen zugleich das System.

Trotzdem verfehlte Japan sein Ziel, etwa 100 Wasserstoffstationen bis März zu eröffnen. Nur 81 sind es, was teils auch an den hohen Kosten für den Bau liegt. In Kalifornien, dem einzigen US-Bundesstaat, in dem Toyota den Mirau verkauft,- gab es bis Anfang dieses Monats lediglich zwei Wasserstofftankstellen für private Autofahrer. Auch Deutschland und Großbritannien liegen hinter Plan.
"Das Problem mit der Wasserstoff-Betankung ist wahrscheinlich die größte Hürde, vor der die Branche steht", sagte Claire Curry, Analystin von Bloomberg New Energy Finance in New York. "Die sehr geringe Anzahl an Brennstoffzellenfahrzeugen, deren Auslieferung bis 2020 erwartet wird, bedeutet, dass die Stationen keine Chance auf die Erwirtschaftung eines Gewinns haben."

Tankstelleninhaber nur schwer zu überzeugen
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