Toyota MR2 vs. Honda CRX
Kultautos der Kinderlosen

Sie waren die ersten Nippon-Ferrari fürs Volk, bezahlbare kesse Kracher, die ins Herz trafen. Honda Civic CRX und Toyota MR2 vereinten motorradähnlichen Spaßfaktor mit der Robustheit japanischer Großserientechnik.
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Angefangen hat alles mit seriennahen Studien, die schon auf dem Premierenpodium die Wirkung von Pulsbeschleunigern entfachten. Seit Jahren gab es von den europäischen Sportwagenbauern nichts Neues zu vermelden – deshalb regnete es im Herbst 1983 sofort Blindbestellungen für die kompakten Coupés Honda CRX und Toyota SV-3, den späteren MR2. Dabei wollte Toyota mit dem rasierklingenscharf gezeichneten Concept eines Runabouts ursprünglich nur der Tokyo Motor Show zum 25. Geburtstag gratulieren.

Tatsächlich verbarg sich hinter dem Prototypen SV-3 aber bereits ein Gegenentwurf zum nur einen Monat zuvor präsentierten Honda CRX auf Civic-Basis. Dieser kleine Kurvenkünstler war im September zum Publikumsliebling der Frankfurter IAA gekürt worden und erfüllte damit den jüngsten Traum von Soichiro Honda.

Wie schon der im Jahr 1963 ebenfalls am Mainufer enthüllte Roadster S500 sollte der CRX das Unternehmen zu neuen Erfolgen beschleunigen – so der Wunsch des Unternehmenspatriarchen und leidenschaftlichen Motorsportlers Soichiro Honda.

Tatsächlich hieß es bereits zur Jahreswende 1983/84 Bahn frei für beide Volkssportler. Toyota wollte Honda das vielversprechende neue Feld nicht allein überlassen und schickte den SV-3 unter dem Namen MR2 ebenfalls in Großserie. Kamen die keilförmigen Kraftzwerge doch passgenau, um eine Lücke im internationalen Sportwagenangebot zu füllen.

Schließlich wurden die bezahlbaren englischen Roadster gerade zu Grabe getragen, die betagten italienischen Spider nur noch für wenige Enthusiasten gebaut und die einst so populären kleinen Sportcoupés waren ohnehin praktisch ausgestorben.

Höchste Zeit also, um mit frischen Flachmännern Sport in the City und Fun auf Freeways zu ermöglichen, wünschten sich die Sportwagenfans beiderseits des Atlantiks von den bis dahin mutigsten Massensportlern aus dem Land der aufgehenden Sonne. Immerhin waren sowohl Honda als auch Toyota trotz nominell bescheidener Motorleistungen Racer reinsten Kalibers.

Mit technischen Konzepten aus der Formel 1 bewirkten sie Adrenalin-Kicks und verloren trotzdem nicht an Alltagstauglichkeit. Sogar an die Fraktion der Frischluftfanatiker hatten die Entwickler gedacht und optionale Targa- bzw. übergroße Schiebedächer im Programm. CRX und MR2 hatten also alles an Bord, um auch als Gegenentwurf zur konventionellen GTI-Fraktion der Kompaktklasse zu punkten. Sogar an die damals global obligatorischen Speed-Insignien Spoiler, Schürzen und Flügel hatten die Japaner gedacht.

Was aber sorgte bei den knackig kurzen Coupés (der CRX misst 3,75 Meter, der MR2 3,92 Meter) für das von der Werbung versprochene Formel-1-Feeling auf Alltagsstraßen? Im Fall des „Mister Two“, wie die Fans den MR2 liebevoll nennen, war die Sache klar. Ein „Motorkonzept, das auch in der Formel 1 seine Anwendung findet: der Mittelmotor-Heckantrieb (oder: Midship-Reardrive)“, erläuterte der Prospekt zur fahrtechnischen Formel-Verwandtschaft und zugleich zur Entschlüsselung des Modelltypencodes.

Mit dem Motor vor der Hinterachse und fast idealer Gewichtsverteilung von 45 Prozent auf der Vorderachse und 55 Prozent auf der Hinterachse gab sich der MR2 bereits theoretisch ähnlich agil wie zuvor Lancia Montecarlo und Fiat X1/9 – von dessen Formen sich MR2-Chefdesigner Seiichi Yamauchi nach eigenem Bekenntnis hatte inspirieren lassen. In der Praxis konnte der Toyota allerdings alles sogar noch viel besser.

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