Transporter im Crashtest
Kinder haben keine Chance

Insgesamt 2,2 Millionen Transporter bis 3,5 Tonnen sind auf deutschen Straßen unterwegs, sie können mit dem normalen Pkw-Führerschein gefahren werden. Dass sie häufig von übermüdeten oder unerfahrenen Fahrern bewegt werden hat teils fatale Folgen.
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Transporter sind besonders häufig in Unfälle verwickelt. Ihre Dimensionen überfordern Gelegenheitsfahrer regelmäßig und auch Profis verhalten sich oft falsch. Welche Folgen das haben kann, hat die Axa-Versicherung nun bei mehreren Crashtests demonstriert.

Nachgestellt wurden auf einem Testgelände im schweizerischen Wildhaus drei typische Unfallszenarien. Besonders verheerend lief die Kollision mit einem auf die Straße laufenden Kind ab.

Die steile Front überträgt die Bewegungsenergie des Fahrzeugs kaum vermindert auf das Kind, wodurch es weit fortgeschleudert wird. Weil zusätzlich der Kopf Kontakt mit dem steilen Teil der Front hat, drohen schon bei normalen Geschwindigkeiten im Stadtverkehr tödliche Verletzungen.

Ein weiterer typischer Transporter-Unfall resultiert aus dem falschen Einschätzen der Fahrzeughöhe durch den Fahrer. Im Test wurde ein leichter Lkw mit Kofferaufbau gegen eine Art Brücke gefahren. Bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h bleibt der Fahrer unverletzt, Teile der Ladung können aber auf die Straße fallen und den nachfolgenden Verkehr gefährden.

Zuletzt ließen die Tester einen Transporter mit 70 km/h auf ein simuliertes Stauende prallen. Ein typisches Szenario bei übermüdeten Berufsfahrern oder Gelegenheitsnutzern, die die Länge des Bremswegs unterschätzen. Insgesamt wurden durch die Kollision der verursachende Lieferwagen, zwei Pkw sowie ein weiterer Lieferwagen beschädig.

Vor allem der Fahrer in dem zuerst getroffenen Wagen erleidet mit großer Wahrscheinlichkeit schwere Verletzungen. Zudem kann schlecht gesicherte Ladung in solchen Fällen zu weiteren Schäden führen.

Insgesamt 2,2 Millionen Transporter bis 3,5 Tonnen sind auf deutschen Straßen unterwegs. Bei Gewerbetreibenden und privaten Möbelhauskunden oder Gelegenheits-Spediteuren sind sie beliebt, weil sie mit dem normalen Pkw-Führerschein gefahren werden können und keinem Sonntagsfahrverbot unterliegen.

Weniger beliebt sind sie bei Verkehrssicherheitsexperten: Bei Unfällen mit Güterkraftfahrzeugen sind immer häufiger Kleintransporter beteiligt. Von 1995 bis 2013 stieg der Anteil bei Kleintransporter-Unfällen mit Personenschaden um mehr als zehn Prozent.

In über 63 Prozent der Fälle sind Lieferwagen-Fahrer nach Einschätzung der Polizei auch die Hauptunfallverursacher. Die Axa fordert vor dem Hintergrund der Tests daher eine Instruktionspflicht für Vermieter von Lieferwagen sowie eine Weiterbildungspflicht für gewerbliche Nutzer

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