Trends auf dem Caravan Salon
Camper wählen Goliath statt David

Der Wohnwagen für die Anhängerkupplung hat seine Blütezeit hinter sich: Fuhren früher ganze Heerscharen über die Autobahnen gen Süden oder Norden, sind es nun die Reisemobile, die die Campingplätze anlaufen. Für den motorisierten Schlafplatz sind die Kunden bereit, viel Geld auf den Tisch zu legen. Denn so ein Reisemobil hat einige Vorteile.

HB DÜSSELDORF Zur Eröffnung der Düsseldorfer Camping-Messe „Caravan Salon“ hat der Hersteller Teschner mit den Muskeln gespielt: Auf der Düsseldorfer Königsallee ließ das Unternehmen ein 14 Meter langes Reisemobil vorfahren, ein schwarzes 500-PS Ungetüm für 1,7 Millionen Euro. Die Caravaning Industrie wirbt gerne mit Superlativen, bereits im letzten Jahr stellte sie zu dieser Messe ein Reisemobil für anderthalb Millionen Euro vor.

Noch dominieren die Wohnwagen auf deutschen Straßen – bundesweit gibt es etwa 612 000 von ihnen, aber nur 381 000 Reisemobile. Doch das Verhältnis ändert sich spürbar, auch in diesem Jahr: So stieg die Zahl der neu zugelassenen Reisemobile im ersten Halbjahr um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der neu zugelassen Wohnwagen hingegen sank um den gleichen Anteil.

Der „Caravaning Industrie Verband“ (CIV) führt diesen Trend auf die Bevölkerungsentwicklung zurück: Wohnwagen, so der Verbandssprecher Ralph Binder, seien vor allem für Familien mit Kindern interessant, eine schrumpfende Zielgruppe. „Die bleiben mit dem Wohnwagen auch mal zwei, drei Wochen an der selben Stelle“, sagt er.

Motorisierte Wohnhäuser

Reisemobile bieten das, was viele Wohnwagen nicht haben: Eine eigene Toilette, Stromversorgung, große Wassertanks – so sei man deutlich unabhängiger, sagt der Verbandssprecher und könne auch schnell seinen Standort wechseln. Es seien vor allem ältere, kinderlose Paare, die sich ein Reisemobil anschaffen, um spontan von Ort zu Ort reisen zu können, ohne von einer Campingplatz-Toilette abhängig zu sein.

Doch der Komfort hat seinen Preis: Reisemobile kosten im Schnitt 52 900 Euro, viermal soviel wie Wohnwagen mit 13 400 Euro. Dabei klafft die Preisschere immer weiter auseinander: Wohnwagen gibt es schon für 5 000 Euro, günstige Reisemobile sind für 30 000 Euro zu haben. Gleichzeitig steigt die Zahl der Luxusmobile jenseits von 70 000 Euro, „mit Schleiflack und Ledergarnitur“, wie CIV-Mann Binder ausführt. Insgesamt wächst der Markt der Camping-Wagen, der Umsatz mit Neufahrzeugen stieg um 6,5 Prozent auf 1,63 Milliarden Euro.

Der Preis ist nach oben unbegrenzt: Das hat das Luxus-Ungetüm auf der Königsallee unter Beweis gestellt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%