Tumminellis Design-Kritik
S-Klasse unter der Lupe

Vor 50 Jahren gab es den 300, die erste Mercedes-Limousine, die das Prädikat "S-Klasse" verdiente. Genannt wurde der 300 allerdings "Adenauer", nach dem neuen Kanzler, der sich gerne damit chauffieren ließ. Ein prächtiges Automobil, kombinierte der 300 doch die Modernität der Pontonform und eine herausragende Technik mit stilistischem Klassizismus. Die Geschichte ist wichtig, um das Designkonzept der neuen S-Klasse zu verstehen.

Ein Auto, das unvorhergesehen pünktlich zur Kanzlerwahl in die Öffentlichkeit rollt und das als "Merkel-Mercedes" in die Geschichte eingehen könnte. Eine wunderbare Chance für die neue S-Klasse, die ihre Verwandtschaft mit dem "Adenauer" auch stilistisch geltend machen kann.

Seine ausgeprägten Kotflügel sind in der Tat weniger das Resultat einer Body-Building-Kur als vielmehr ein nostalgisches Zitat klassischer 300-Formen. Diese spielen vorne mit der hochgezogenen, massiven Motorhaube und hinten mit dem kurzen und sanft abfallenden Heck. Bulliger, aber kaum sportlicher ist die neue S-Klasse: Sie ist länger, breiter und vor allem höher als ihr Vorgänger und mit diesen massiven Proportionen wieder einen Tick klassischer. Der 300 war ungefähr genau so lang, nur ein wenig schmaler und höher. Wie damals wächst nun der Frontgrill - wenngleich aus Kunststoff gegossen - in die Vertikale und trägt wieder beide MB-Wappen. Die Rückleuchten sind, wie schon in den Fünfzigern, markant dreigeteilt. Und wie im 300 thront in der Mitte des Cockpits aus Massivholz eine verchromte, viereckige Deko-Uhr. Ein konzeptioneller Unsinn in einem Auto, das mit Radar und weiterer revolutionärer Digitaltechnik ausgestattet ist.

Wo liegt das Problem? Mercedes blickt auf rund 100 Jahre Automobilgeschichte zurück und war stets der Maxime der Perfektion gefolgt. Heute hingegen scheint das Bedürfnis zu obsiegen, sich ständig neu zu definieren. Nur langweilig darf es nicht sein.

Nun ja, die neue S-Klasse ist weder unauffällig noch hässlich, sie bietet nützliche Neuerungen, und sie ist keineswegs ein langweiliges Auto. Ein Unikat ist sie jedoch nicht mehr, glauben manche doch zu Recht, hier und dort Spuren von Ford und BMW zu sehen. Und den Sternengrill tragen mittlerweile so viele Autos, das zwischen allen A-B-C-E-M-R Klassen und den verschiedenen Vitos, Vianos und Vaneos selbst die neue S-Klasse um ihre Rolle bangen muss - vom Imagekonflikt mit dem nicht unähnlichen Maybach einmal ganz zu schweigen.

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