Tumminellis Designkritik
God save the Mini

Der neue Mini ist da. Das Auto wurde stark überarbeitet, das Design kaschiert aber mit Sorgfalt jede Veränderung. So hält man den Mythos am Leben.

Als der Retrotrend zu Beginn der 90er-Jahre Fuß fasste, fragte sich niemand, was daraus werden würde – auch nicht, ob und wie Retrodesign weiterentwickelt werden könnte. 15 Jahre später stellt man fest, dass Retro-Modelle, wie der New Beetle oder der New Mini, nicht nur gut überlebt haben, sondern dass dazu eine ganze Generation von Automobilen im pseudoinnovativen New-Classic-Design – ob Porsche oder Daihatsu – entstanden ist, die den Geschmack eines breiten Publikums anspricht.

So viel Romantik ist rührend, nur irgendwann stellt sich die Frage, wie man das beliebte Retro mit der notwendigen Innovation verbinden soll. Letztendlich strebt jeder Hersteller durch die Implementierung neuer Produktionsverfahren nach der Profitmaximierung. Andererseits müssen durch neue Vorschriften Technologien integriert werden, wie zum Beispiel für den Fußgängerschutz, die eine konstruktiv-formale Entwicklung des Autos erfordern.

Das trifft auch auf den BMW Mini zu. Für die überaus erfolgreiche Ikone war – lediglich fünf Jahre nach Markteinführung – unter beiden Aspekten eine übergreifende Überarbeitung fällig. Das war dem Vorgänger nicht viel anders ergangen – und irgendwie überlebte der alte Mini, von dem man gegen Ende der 80er plötzlich merkte, dass es ihn noch gab und dass man ihn immer noch mochte. In den 90ern wurde er plötzlich zum Kult, erst 2000 wurde dessen Produktion endgültig eingestellt. Das ursprüngliche Mini-Design hatte alle Höhen und Tiefen überlebt.

Angesichts dieser Historie war zu erwarten, dass BMW nie wagen würde, seinen Mini so zu verändern, dass dessen Identität verloren geht. Unklar war jedoch, wie man mit der Weiterentwicklung der wiederbelebten, verewigten Ikone umgehen würde.

So etwas hat es im Automobildesign noch nicht gegeben: Jedes Karosserieteil des 2007er Mini ist neu, jedes Designelement folgt zwar dem bekannten Konzept, wurde aber neu gestaltet. Das Ergebnis verblüfft – aber eigentlich merkt man gar keinen Unterschied!

War die ganze Mühe also umsonst? Ganz im Gegenteil, nur so kann BMW auf der Marke Mini weiter aufbauen, ohne die Kundschaft zu verunsichern. Der neue Mini beweist, dass eine Anpassung an die produktionstechnischen und gesetzlichen Forderungen ohne spürbare Veränderungen an der Form möglich ist, und steht damit für die Entschleunigung der stilistischen Innovationsrate.

Paolo Tumminelli (paolo.t@goodbrands.de) ist Designprofessor an der Fachhochschule Köln und Geschäftsführer von Goodbrands.

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