Tumminellis Designkritik
Irgendwie krank

Peugeot. Schon mit der Aussprache des französischen Familiennamens tun sich viele Verbraucher schwer. Geht es darum, die Seele der Marke zu beschreiben, wird es nicht einfacher. Ähnlich verhalt es sich mit dem Kleinkombi 207 SW, den es ab morgen bei den Peugeot-Händlern in Deutschland gibt. Der Wagen ist sehr gefällig. Und doch alles andere als perfekt.

Mehr Chamäleon als Löwe, hat sich die Identität der Produkte aus Sochaux im 21. Jahrhundert radikal verändert. Zwar hat sich Peugeot aufgrund des Drucks der deutschen Konkurrenz aus der Oberklasse verabschieden müssen. Doch das unfreiwillige Downgrading hat sich gelohnt: Bis 2006 glänzte der kleine 206 mehrmals als meistverkaufter PKW Europas – die Cabrio-Version CC und der Kombi SW belegten ebenfalls nahezu ununterbrochen Platz eins im respektiven Segment. Der Nachfolger knüpft seit 2006 an die Erfolge an und ist auch 2007 Europas Bestseller. Nun soll er als 207 SW noch mehr Kunden gewinnen.

Der Siegeszug erschwert die Designkritik. Wüsste man um die Zahlen nicht, so könnte man den Kleinkombi als ästhetisch-funktionale Spinnerei schnell abhaken. Leider muss man dahinter doch eine kluge Designstrategie feststellen, die kleine Geheimnisse verbirgt. So gibt es vorne eine sportliche Schnauze, die man schon irgendwo gesehen haben will. In deren Morphologie – flach gezogene Haube, markanter Frontgrill, gestreckte Scheinwerfer – erkennt man in der Tat das verformte Gesicht der großen Ferraris.

Ironisch dabei ist, dass Ferrari-Schöpfer Pininfarina seit 1951 für alle Peugeots verantwortlich zeichnete, bis er Mitte der 90er von einem internen Designbüro abgelöst wurde. Ausgerechnet Murat Günak legte als Designchef zwischen 1994 und 1998 Peugeots neue Designstrategie fest, was auch den weiteren Eindruck bestätigt, dass das Pfeilmotiv am Heck des 207, wie beim 407 auch, eins zu eins an die A-Klasse erinnert. Kleine biographische Anmerkung: Günak war vor und nach seiner Station bei Peugeot in Diensten von Mercedes-Benz.

Ein ähnlich dynamisiertes Großraumkonzept sowie die Idee des Panorama-Dachs, welches einen großzügigen, lichtdurchfluteten Innenraum ermöglicht, charakterisiert sowohl Peugeot als auch Mercedes-Benz. Ergebnis: Was man bewusst als Voll-Peugeot wahrnimmt, wird vom Gehirn unbewusst als halb Ferrari, halb Benz eingestuft. Informiert die Produktkommunikation dann bewusst über Motoren, die gemeinsam mit BMW für den Mini entwickelt wurden, sowie über ein optionales Tiptronic-Getriebe original von Porsche, so verbreitet sich unbewusst die Überzeugung, Peugeot stehe auf einem ähnlichen Niveau. Einfach genial – und doch so traurig.

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