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Tumminellis Designkritik

Jahrelang galt Lexus, eine Mischung aus Mercedes-Design und japanischer Qualität, als einfallsloses Beispiel künstlichen Marketings. Das Rezept sorgte nur in den USA für Furore, nicht in Europa. Sogar in Japan schien der Mutterkonzern wenig von der Marke zu halten: Lexus-Fahrzeuge rollten dort jahrelang unauffällig unter dem Toyota-Symbol.

Doch vieles hat sich seit 1989, dem Einführungsjahr der Marke Lexus, im Premium-Geschäft geändert. Audi, einst Ruheständlermarke, steht nun als Vorbild für erfolgreichen Imagewandel. Dagegen hat Mercedes nicht nur seine Identität, sondern auch messbar an Qualität verloren. BMW hat ebenfalls sein Produktportfolio nach unten popularisiert und sich dem fragwürdigen amerikanischen Geschmack angepasst.

Toyota hat die Gunst der Stunde erkannt und startet eine neue Offensive, 2005 könnte zum Lexus-Jahr werden. Die Marke hat endlich auch Japan erobert, und der neue GS 300-430 trifft den europäischen Markt in einem Segment, das traditionell von deutschen Herstellern dominiert wird. Mit Technik und Ausstattung - alles liegt im sehr guten Klassendurchschnitt - profiliert sich Lexus inzwischen weniger, unverändert ist aber die extrem hohe Qualität. Zu Zeiten, in denen Taxifahrer nicht mehr von der Überlegenheit Stuttgarter Limousinen überzeugt sind, will niemand an der Perfektion von Lexus zweifeln.

Was das Design angeht, stellt die Limousine mit stark geneigter Front, coupé-artigem Dach und kurzem, hohem Heck eine Weiterentwicklung des Konzeptes dar, das 1993 von Giugiaro für den ersten GS definiert worden war. Der fein modellierte Körper des neuen GS hat vorbildliche Proportionen und eine Feinheit im Detail, die zwar nicht den Purismus von Audi erreicht, aber viel eleganter und harmonischer als BMW daherkommt. Dabei ist vor allem die Simplizität der Front zu begrüßen, die dem heutigen Trend zur übertriebenen Karikatur der Markensignale widerspricht. Das gilt auch für den aufgeräumten Innenraum: nicht mehr und nicht weniger "Design", als das, was man sich wünscht und erträgt.

Lexus ist auch heute noch eine sehr exklusive Marke und eindeutig im Premium-Bereich positioniert. Es gibt kein Gegenstück zur A-Klasse von Mercedes oder zum 1er-BMW. Für weitere Exklusivität wird nächstes Jahr der GS 450h mit Elektro-Benzin-Hybridantrieb sorgen. Damit profiliert sich Lexus ganz anders als die Diesel-lastigen deutschen Wettbewerber. Allein dieses Argument, das in Amerika selbst Toyota bei Prominenten salonfähig macht, könnte Lexus zum "New Kid on the Block" küren.

Thema Wiederverkaufswert? Es wird gewiss seine Zeit brauchen, aber der neue GS und seine Brüder LS und IS, deren Aktualisierung bald zu erwarten ist, könnten die Marke endgültig etablieren und auch für hohe Wiederverkaufswerte sorgen. Die Marke Lexus ist weniger vorbelastet als die meisten Konkurrenten. Sie gibt den gesunden Eindruck, sich ausschließlich mit einem Problem zu befassen: den Kunden das Leben zu vereinfachen. Viele Wettbewerber müssen sich hingegen mit ihren Qualitätsproblemen beschäftigen.

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