Übernahmen bergen ein schwer kalkulierbares Risiko in sich – Hohes Sparpotenzial mit Allianzen
Autohersteller kooperieren statt zu fusionieren

Die großen Fusionen sind out, Kooperationen sind die Strategie der Zukunft in der Automobilindustrie. Thomas Weber, Forschungsvorstand von Daimler-Chrysler, bezeichnete auf Projekte beschränkte Allianzen bei der Handelsblatt-Autotagung in Frankfurt als "beste Möglichkeit, die Skaleneffekte zu erschließen, die wir dringend brauchen, um teure Technologien für den Kunden erschwinglich zu machen". Jüngstes Beispiel: Fiat lotet die Chancen für eine Zusammenarbeit mit dem indischen Konkurrenten Tata aus.

HB FRANKFURT/M. Der Trend wird sich noch verstärken, sagt Ex-Mercedes-Chef Jürgen Hubbert. "Wir haben in der Vergangenheit vielleicht zu wenig in diese Richtung getan", gesteht der Automanager ein. Vor neuen Übernahmen schreckt die Branche zurück, die daraus resultierenden Unsicherheiten sind viel zu groß. Wenn die Branche nach Kooperationsmöglichkeiten sucht, drehen sich die Gespräche nicht nur um eine Zusammenarbeit bei neuen Techniken. Gerade bei Autos mit niedrigen Stückzahlen lohnt sich ein Zusammengehen. Kurz vor der Frankfurter Automesse IAA hatten Ford und Fiat angekündigt, ein gemeinsames Kleinwagen-Projekt zu starten.

"Wenn es sinnvoll ist, werden wir weitere Kooperationen dieser Art eingehen", erläutert Ford-Europa-Chef John Fleming. Der Automanager will zwar nicht sagen, wie viel Geld der Konzern durch die Zusammenarbeit mit Fiat spart. Da die Entwicklungskosten für ein neues Auto jedoch bei gut einer Milliarde Euro liegen, bleiben bei Ford mehrere Hundert Millionen in der Kasse.

Die Liste der Beispiele von Kooperationen lässt sich beliebig verlängern. Zwischen VW und Chrysler laufen Gespräche, für die USA einen gemeinsamen Van auf Chrysler-Basis anzubieten. BMW ist einer Allianz von Daimler-Chrysler und General Motors beigetreten, die einen Hybridantrieb (kombinierter Benzin- und Elektromotor) entwickeln soll. VW will sich mit der Konzern-Tochter Audi und Porsche um diese Technologie kümmern.

Nicht nur aus Kostengründen suchen die Autohersteller nach Kooperationen. "Große Allianzen bieten die Chance zu Standardisierungen", erläutert Carlos Ghosn, in Personalunion Chef von Renault und dem Allianzpartner Nissan. Zwischen beiden Unternehmen besteht eine sehr enge Verbindung. Sie haben nicht nur einen gemeinsamen Chef, Renault hält auch 44 Prozent der Nissan-Anteile. Dennoch zeigen sich beide Partner offen für Verbindungen zu anderen Unternehmen. So arbeitet Nissan im Bereich der Hybridtechnik mit einer Toyota-Lizenz.

Ungekrönter König der Kooperationen ist der französische Hersteller PSA. Peugeot und Citroën bauen Autos und Motoren gemeinsam mit Fiat, Ford, BMW und Toyota. Toyota-Vorstand Tokuichi Uranishi hält Kooperationen für ein "europäisches Phänomen". Autohersteller in den USA täten sich beispielsweise viel schwerer mit einer projektbezogenen Zusammenarbeit.

In Europa beschränken sich Kooperationen nicht nur auf PKWs. So baut Mercedes zusammen mit VW Transporter, VW wiederum liefert Dieselmotoren an Daimler und baut die Karosse für den Porsche-Geländewagen Cayenne auf Basis des VW Touareg. Die nächste Allianz wird nicht lange auf sich warten lassen, waren sich die Experten auf der Handelblatt-Tagung einig.

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