Umfrage
Sicherheit geht auch bei Billig-Autos vor

Selten fiel die Kluft zwischen preiswert und teuer, zwischen PS-Orgie und Einfachauto, deutlicher ins Auge als auf der diesjährigen IAA.

HB FRANKFURT. Auf der einen Seite gibt es offenbar immer noch eine wachsende Zahl derer, die ohne Probleme 50 000 Euro und mehr für ein Fahrzeug auf den Tisch legen können. Auf der anderen Seite wächst die Zahl derer, die sich ihre automobile Grundversorgung vom Mund absparen müssen. Sie zieht es immer häufiger zu Autos mit kleinem Preis und geringem Durst. Doch was erwarten die Käufer von Billigautos, worauf würden sie verzichten?

Laut den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage von MP Markekting Partner ist für deutsche Autofahrer, die den Kauf eines Billigautos unter 10 000 Euro in Erwägung ziehen, die Fahrzeugsicherheit ein wichtiges Kriterium.

Gefragt nach der generellen Fahrzeugsicherheit, gaben 98 Prozent an, dass ihnen diese wichtig bzw. sehr wichtig sei. Auch sind die Kaufinteressenten von Billigautos nicht bereit, auf eine gute Sicherheits- und Komfortausstattung zu verzichten. Der überwiegenden Mehrheit sind Airbags (96 Prozent), ABS (94 Prozent), Servolenkung (90 Prozent) und Klimaanlage (70 Prozent) wichtig bzw. sehr wichtig.

Gleiches gilt für die Betriebskosten, auch sie sind von Bedeutung: Kraftstoffkosten (95 Prozent), Versicherung (88 Prozent), Wartungskosten (86 Prozent), Reparaturkosten (85 Prozent), Steuer (76 Prozent). Das bedeutet: Einsparungen, die zu Lasten oben genannter Sicherheits- und Komfortausstattungsmerkmale oder der Wirtschaftlichkeit gehen, entsprechen nicht den Bedürfnissen und Forderungen der potenziellen Käufer von Billigautos.

Was hingegen die Dienstleistungen rund um den Autokauf von Billigautos anbelangt, zeigen sich diese durchaus experimentierfreudig.

Die Probefahrt beispielsweise bei einer Autovermietung zu machen, ist für 80 Prozent der Befragten vorstellbar, 73 Prozent der Deutschen würden den Service (Inspektion und Garantie) auch bei einer freien Servicekette vornehmen lassen, 72 Prozent hätten keine Probleme damit, das Auto bei einer Tankstelle oder Autovermietung abzuholen.

Die Hälfte würde - vornehmlich nicht sicherheitsrelevante - Servicearbeiten am Fahrzeug gerne selbst durchführen (einfache Servicearbeiten wie Ölwechsel, Räder, Zündkerzen). Das Fahrzeug über Telefon oder Internet zu bestellen, können sich 45 Prozent vorstellen. Für einen preislichen Vorteil würden 31 Prozent auf eine Garantie verzichten und sich mit der gesetzlichen Gewährleistung begnügen.

Das bedeutet für den Handel: Im Bereich der Vermarktung von Markenautos steht seine Funktion auf dem Prüfstand. Was zunächst bei den niedrigpreisigen Fahrzeugen beginnt, könnte später auch auf andere Segmente übergreifen. Wie die Studie zeigt, ist den Kunden der Mehrwert des Handels im Neuwagenvertrieb kaum transparent oder "Geld wert". Auch wenn der Handel am Billigauto wenig bis kein Geld verdient, machen sich spätestens die Umsatzeinbußen im Servicebereich beim Gewinn negativ bemerkbar.

Um Billigautos günstig verkaufen zu können, sind der Handel und die Hersteller gefordert, gemeinsam Konzepte zu entwickeln, die es dem Hersteller zwar erlauben, an den Endkunden direkt zu vertreiben, diese Käufer aber dennoch in Sachen Kundendienst und Service dem Handel zuzuführen.

Potenziale ergeben sich für den Handel ferner durch die Übernahme von Vertriebsverträgen chinesischer Billigautos. Mit gutem Service und niedrigen Preisen könnte auch der Handel an den zukünftigen Marktpotenzialen partizipieren: 11 Prozent der über 1 000 Befragten in Deutschland würden den Kauf eines Billigautos innerhalb der nächsten 12 Monate in Erwägung ziehen. Binnen drei Jahren können sich sogar 47 Prozent der Verbraucher vorstellen, ein solches Fahrzeug zu erwerben. 33 Prozent zeigten sich unentschlossen, und für 20 Prozent kommt ein solches Auto auch innerhalb der nächsten drei Jahre nicht in Frage. Bei einem Preisvorteil von rund 17 Prozent gegenüber einem vergleichbar ausgestatteten Modell eines etablierten Herstellers, würden bereits heute 23 Prozent dieser potenziellen Käufer ein Automobil aus China präferieren (Ausgangswert: 8 500 Euro).

Für die Umfrage der Wiesbadener Beratungs- und Agenturgruppe Marketing Partner in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsinstitut Skopos wurden im Juli 2005 bundesweit 1 112 Personen im Alter von 18 bis 69 Jahren befragt.

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