Umstrittener Biosprit: Autofahrer finden E10 gar nicht super

Umstrittener Biosprit
Autofahrer finden E10 gar nicht super

Mit der Einführung der Benzinsorte E10 sollten vor drei Jahren Biokraftstoffe in Deutschland vorangebracht werden. Inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Auch die Politik will Biokraftstoffe nicht länger forcieren.
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BerlinDer Bio-Kraftstoff E10 mit zehn Prozent Bioethanol kann sich an den Tankstellen immer noch nicht durchsetzen. Die Autofahrer tankten im vergangenen Jahr 2,76 Millionen Tonnen E10, nach 2,61 Millionen Tonnen im Jahr zuvor - ein Plus von 5,4 Prozent, wie der Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBE) am Freitag in Berlin mitteilte. Damit erreiche E10 einen Anteil von 15 Prozent am schrumpfenden deutschen Benzinmarkt.

Das liegt allerdings weit unter den Erwartungen bei der Einführung des Kraftstoffs vor drei Jahren. Damals war die Mineralölwirtschaft davon ausgegangen, dass E10 als preisgünstigster Kraftstoff auch die meistgetankte Sorte werden würde. Die Autofahrer ziehen jedoch das Superbenzin E5 mit fünf Prozent Anteil aus Pflanzenproduktion vor.

Zunächst schürten Medien und Autoclubs Zweifel an der technischen Leistungsfähigkeit von E10 und viele Autofahrer sorgten sich, dass E10 ihren Fahrzeugen schaden könnten. Diese Befürchtungen sind mittlerweile weitgehend ausgeräumt, doch gilt E10 in der öffentlichen Wahrnehmung weder als umweltfreundlich noch als hochwertig.

Das Image ist belastet durch eine mögliche Konkurrenz zwischen Nahrungsmittel- und Energieproduktion sowie Eingriffe in hochwertige Naturräume, um Energiepflanzen anzubauen.

Die Mineralölbranche hat ihre Erwartungen an E10 längst korrigiert. «Vor einem Jahr habe ich geglaubt, E10 setze sich wegen des Preisvorteils durch», sagte vor kurzem Aral-Chef Stefan Brok. «Das sieht nicht mehr so aus.» Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) äußerte sich zurückhaltend. «Wir bieten E10 bundesweit flächendeckend an», sagte Hauptgeschäftsführer Klaus Picard in Berlin. «Damit hat der Tankstellenkunde die uneingeschränkte Wahlmöglichkeit, und wir respektieren seine Entscheidung.»

Auch in der Politik ist die Begeisterung für den vermeintlich nachhaltigen und umweltfreundlichen Sprit aus Pflanzen längst geschwunden. Es gebe ernste Hinweise, dass Biokraftstoffe am Ende eine schlechtere Ökobilanz aufwiesen, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) vor wenigen Tagen. Von daher seien die Ausbauziele der EU für den Verbrauch von Biokraftstoffen auf den Prüfstand zu stellen.

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  • Der E10-Zwang ist in mehrfacher Hinsicht symptomatisch für den in Deutschland errichteten öko logistischen Obrigkeitsstaat: dieser betrifft zuerst die in der Bevölkerung durch jahrzehntelange Propaganda verankerten "Mega-Ängste", hier die vor angeblich alsbald "versiegenden Rohstoffen" und "Klima-Katastrophe". Darauf aufgebaut wird ein immer absurderes System von Zwangseingriffen - die Marktwirtschaft und die ihr unterliegenden Freiheitsrechte wurden praktisch abgeschafft. In unserem Grundsatzreport "Energiepolitik im Konzeptnebel" haben wir das systematisch untersucht.

  • Die überwiegend in der Wirtschaft gefahrenen Dienstfahrzeuge sind Diesel, daher betrifft die Frage E10 in erster Linie Fahrer mit Privatfahrzeugen. In der Wirtschaft ist das Thema E10 also nicht relevant, bis auf die wenigen Hersteller von Bioalkohol.
    Die Politik in Deutschland war mit der E10-Einführung vorschnell und hat gedacht, trotz vorheriger Warnungen und Bedenken, man könne Vorteile in der Reduzierung der des Verbrauchs und der Abgase erreichen.
    Man braucht nur in´s benachbarte Ausland schauen, wie es dort mit Biokraftstoffen aussieht. Dort war man cleverer.

  • Tatsächlich ist E 10 sogar teurer als E5! Der Mehrverbrauch liegt nämlich bei vielen Fahrzeugen im Bereich von 5 % (und nicht nur 2,5%), während der Preisvorteil nur bei ca. 2,5% liegt. Im Saldo also kein gutes Geschäft für den Autofahrer. Und wenn dann auch noch die Umweltbilanz nicht stimmt ...

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