Untersuchung zum CO2-Ausstoß Rote Karten für bayerische Politiker-Dienstwagen

Jeder fünfte Spitzenpolitiker fährt mittlerweile klimafreundlich, hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) errechnet. Besonders erfreulich ist die Entwicklung der Dienstwagenflotte bei den Landesregierungen.
  • Klaus Lockschen
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Alle Jahre wieder vergibt die Deutsche Umwelthilfe an Politiker rote, gelbe und grüne Karten für ihre Dienstwagen. Der Trend zum Klimaschutz geht dieses Jahr leicht nach oben, aber immer noch sind zu viele umweltschädliche Autos unterwegs. Bayerns Staatsregierung liegt beim CO2-Ausstoß bundesweit vorn. Quelle: dpa

Alle Jahre wieder vergibt die Deutsche Umwelthilfe an Politiker rote, gelbe und grüne Karten für ihre Dienstwagen. Der Trend zum Klimaschutz geht dieses Jahr leicht nach oben, aber immer noch sind zu viele umweltschädliche Autos unterwegs. Bayerns Staatsregierung liegt beim CO2-Ausstoß bundesweit vorn.

(Foto: dpa)

Die deutschen Spitzenpolitiker in Bund und Ländern achten bei der Wahl ihrer Dienstwagen immer stärker auf Umweltfreundlichkeit. In der aktuellen, mittlerweile zum neunten Mal von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) durchgeführten Jahresuntersuchung zum CO2-Ausstoß der Dienstlimousinen zeigt sich weiter ein klarer Trend zu sparsameren Fahrzeugen mit weniger Klimagasemissionen. 227 Politiker gaben dem DUH zufolge dazu Auskunft über ihre Limousine. Das Ergebnis: 42 Spitzenpolitiker wurden mit der grünen Karte (für Abgaswerte bis zu 130 Gramm CO2/km) ausgezeichnet, weil sie den seit 2012 in der EU geltenden Grenzwert an Kohlendioxid einhalten.

Aber auch 14 rote Karten für die Überschreitung um mehr als 35 Prozent (175 g CO2/km) wurden verteilt, allerdings meist für sondergeschützte Fahrzeuge, die wegen des hohen Gewichts nicht mit dem kleinsten Motor ausgestattet werden können. Blickt man auf die Fahrzeuge, wählen die Spitzenpolitiker durch die Bank deutsche Modelle, in der Regel der Oberklasse oder der oberen Mittelklasse und meist mit dem sparsamsten Dieselmotor.

Bei den zehn Bundesministern finden sich wie bereits im vergangenen Jahr keine negativen Ausreißer, allerdings fehlten auch Vorbilder. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks führt, nomen est omen, die Positivliste mit 155 g CO2/km an, gleichauf mit Bundesentwicklungsminister Gerd Müller.

Auf dem letzten Platz landet Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mit 169 g CO2/km. Allen Bundesministerien zeigt die DUH damit die gelbe Karte (131 bis 174 g CO2/km). Die Dienstlimousinen liegen in einer Verbrauchsspanne von 5 bis 6,5 Litern.

Was Ihr Auto wirklich verbraucht
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Erschütterndes Testergebnis

Von den 91 geprüften Fahrzeugen lag der im Unterschied zu den Herstellerangaben festgestellte Mehrverbrauch bei 55 Wagen teils deutlich über der Marke von zehn Prozent. Diese Grenze muss laut herrschender Rechtsprechung überschritten werden, wenn der Autokaufvertrag erfolgreich angefochten werden soll. Voraussetzung dafür ist in aller Regel auch das Gutachten eines anerkannten Sachverständigen, der die besagte Verbrauchsdifferenz bestätigen muss.

Die Bildergalerie zeigt die Testergebnisse ausgewählter Fahrzeuge: Die erste Ziffer gibt immer den Spritverbrauch laut Hersteller an. Die zweite den tatsächlichen Verbrauch im Rahmen des ACE-Tests.

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VW Golf

Golf 1.4 TSI: Werksangaben: 6,2 Liter Super - ACE-Test: 6,2 Liter

Golf 1.6 TDI Trendline: Werksangaben: 4,5 Liter Diesel - ACE-Test: 5,5 Liter

Golf 2.0 TDI: Werksangaben: 4,8 Liter Diesel - ACE-Test: 4,9 Liter

Golf Plus 1.4 TSI Comfortline: Werksangaben: 6,5 Liter Super - ACE-Test: 7,2 Liter

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Ford Focus

Focus 1.6 Ti-VCT: Werksangabe: 6,6 Liter Super - ACE-Test: 7,9 Liter

Focus 1.6 TDCi TREND: Werksangabe: 5,1 Liter Diesel - ACE-Test: 5,2 Liter

Focus 2.0 TDCi: Werksangabe 4,9 Liter Diesel - ACE-Test 5,1 Liter

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Audi Q3

Q3 2.0 TDI Quattro S tronic: Werksverbrauch: 5,9 Liter Diesel - ACE-Test: 7,9 Liter

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Mercedes B-Klasse

B 200 CDI: Werksangaben: 4,4 Liter Diesel - ACE-Test: 5,2 Liter

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Kia

Rio 1.4 CRDi Spirit: Werksangaben: 4,3 Liter Diesel - ACE-Test: 4,4 Liter

Cee´d 1.6: Werksangaben: 6 Liter Super - ACE-Test: 8 Liter

Cee´d 1.6 CRDi Edition 7: Werksangaben: 3,7 Liter Diesel - ACE-Test: 4,9 Liter

Cee´d Sportswagon 1.4 CRDi: Werksangaben: 4,3 Liter Diesel - ACE-Test: 5,1 Liter

Soul 1.6 CRDi: Werksangaben: 5,2 Liter Diesel - ACE-Test: 5,8 Liter

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Skoda Octavia

Octavia 1.4 TSI: Werksangaben: 6,3 Liter Super - ACE-Test: 6,8 Liter

Octavia Combi 1.8 TSI: Werksangaben: 6,6 Liter Super - ACE-Test: 7,2 Liter

Betrachtet man nicht allein die Ministerfahrzeuge, sondern bezieht auch den Dienstwagenpark der Staatssekretäre der jeweiligen Ministerien mit ein, ist die Streuung etwas größer. Das Bundesumweltministerium hat im positiven Sinn die Nase vorn. Im Schnitt werden hier 131 g CO2/km in die Luft geblasen und damit die grüne Karte um nur ein Gramm verfehlt.

Auf Platz zwei rangiert das Justizministerium mit 132 Gramm, gefolgt vom Bundesfinanzministerium mit 141 Gramm, das noch im Vorjahr bei 187 lag. Das Listenende belegt nun das Bundesverkehrsministerium mit 167 g CO2/km.

Schlechter aus Sicht der DUH ist die Bilanz der Dienstwagenflotte bei den Regierungschefs der Länder. Das Ranking führt Jens Böhrnsen, Landesschef der Freien Hansestadt Bremen, mit 118 Gramm an - die einzige grüne Karte bei den Regierungschefs der Länder.

Auf Platz zwei landet der baden-württembergische Regierungspräsident Winfried Kretschmann von den Grünen, der allerdings durch Höhermotorisierung den Emissionswert von 115 Gramm im vergangenen Jahr nun auf 140 g CO2/km nach oben gefahren hat.

Dabei hatte Kretschmann die Plug-in-Hybridversion der S-Klasse als Dienstwagen gewählt, die theoretisch nur 2,8 Liter auf 100 Kilometern verbraucht. Die DUH hat in diesem Fall allerdings den Stromverbrauch mit einbezogen und kommt deshalb auf höhere Werte.

Wichtige Fragen und Antworten zur Pkw-Maut
Ist die PKW-Maut gut fürs deutsche Straßennetz?
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Deutsche sollen für das knapp 13.000 Kilometer lange Autobahnnetz und das 39.000 Kilometer lange Netz der Bundesstraßen Maut zahlen. PKW-Fahrer aus dem Ausland nur auf den Autobahnen. Ein Teil der Maut-Einnahmen soll im Steuertopf für Investitionen in Infrastrukturmaßnahmen reserviert werden. Doch ein Blick in die Vergangenheit ist ernüchternd. Seit dem Start der LKW-Maut im Januar 2005 hat Toll Collect bis Ende 2013 rund 35 Milliarden Euro Mauteinnahmen an den Bund überwiesen. Der Einnahmenzuwachs ging dennoch komplett am Verkehrsetat vorbei. 2005 lag er bei 10,2 Milliarden Euro, 2014 waren es 10,5 Milliarden Euro. Die Maut-Einnahmen haben der Verkehrsinfrastruktur also nichts gebracht.

Welche Mautpreise zahlen Deutsche in Deutschland?
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Alle inländischen Autobesitzer müssen eine Jahresmaut zahlen, die vom Konto abgebucht wird. Sie richtet sich nach Größe und Umweltfreundlichkeit des Autos. Im Schnitt kostet sie 74 Euro, maximal 130 Euro. Benziner sind günstiger als Diesel.

Und die Mautpreise für Ausländer?
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Für Ausländer gibt es neben der genauso berechneten Jahresmaut ergänzend eine Zehn-Tages-Maut (10 Euro) und eine Zwei-Monats-Maut (22 Euro). Im Schnitt wird die Gebühr für ein Jahr dem aktuellen Gesetzesentwurf zufolge bei 74 Euro liegen.

Gibt es einen Ausgleich für deutsche Autofahrer?
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Inländer sollen für Mautzahlungen durch eine geringere Kfz-Steuer wieder entlastet werden - auf den Cent genau. Bei besonders schadstoffarmen Autos (Euro 6) ist es möglich, für Maut und Steuer künftig etwas weniger zu zahlen als jetzt für die Steuer.

Und was ist mit Elektroautos?
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Motorräder, Elektroautos, Wagen von Behinderten und Krankenwagen sind mautfrei. Da aber Besitzer von Elektrofahrzeugen gar keine KFZ-Steuer zahlen, müsste für sie eine andere Mauterfassung erfolgen. Details sind bislang noch unklar, auch in puncto Erstattung der Maut oder Rabattierung für ausländische E-Autos auf deutschen Autobahnen.

Wer kontrolliert?
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Statt an Klebe-Vignetten sollen Mautzahler über das Nummernschild ihres Autos zu erkennen sein. Kontrolliert werden soll dies in Stichproben durch einen elektronischen Kennzeichen-Abgleich. Daten sollen nur hierfür erfasst und schnell wieder gelöscht werden.

Gibt es Strafen?
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Wer keine Maut zahlt und erwischt wird, muss eine Geldbuße zahlen. Eine genaue Höhe nennt der Gesetzentwurf vorerst nicht (Stand: 26.02.2015). Geldbußen sollen auch im Ausland eingetrieben werden.

Neben neun gelben Karten hagelt es aber auch reichlich rote. Sechs Landeschefs wurden damit bedacht: der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (197), gleichauf mit Stanislaw Tillich in Sachsen; die vier Regierungschefs Michael Müller (Berlin), Volker Bouffier (Hessen), Stephan Weil (Niedersachsen) und Hannelore Kraft (Nordrhein-Westfalen) lassen sich in sondergeschützten Fahrzeugen chauffieren, die schon ohne das Mehrgewicht in der Serienvariante 216 g CO2/km ausstoßen.

Mit Blick auf die Umweltminister hat die DUH acht grüne und neun gelbe Karten gezückt. Am saubersten fährt Stefan Wenzel mit 102 g CO2/km über das niedersächsische Flachland, die Amtskollegin Ulrike Scharf überbietet in der bayerischen Bergwelt mit 158 Gramm sogar leicht die Bundesumweltministerin.

Bezogen auf die Landesregierungen hat sich die Treibstoffeffizienz der Dienstwagen deutlich verbessert. Hamburg, Rheinland-Pfalz und Bremen haben fast ausnahmslos emissionsarme Limousinen im Fuhrpark. Gemittelt liegt der CO2-Ausstoß in Hamburg bei 114, Rheinland-Pfalz bei 124 und Bremen bei 126 Gramm. Schlusslicht ist Bayern mit 176 Gramm sowie vier roten Karten.

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