Urteile zum Thema Fahrlässigkeit
Wenn der Autoschlüssel weg ist

Geht erst der Autoschlüssel und dann das Auto verloren, wittert die Versicherung schnell "grobe Fahrlässigkeit" und zahlt nicht. Manchmal hilft der Gang zum Gericht.

Gaststätte

Einen Badener packte während eines Kneipenbesuchs die Lust am Billardspiel. Sein Jackett ließ er über einem Stuhl hängen. Als er zurückkehrte, war die Joppe noch da - aber der Autoschlüssel weg. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte den aufkeimenden Verdacht: Jemand hatte das Auto geklaut. Geld von der Versicherung gab es nicht. Der Mann habe sein Jackett vom Billardtisch aus nicht sehen können, so die Richter. Wer derart unvorsichtig sei, müsse selbst für den Schaden aufkommen (Landgericht Offenburg, 2 O 75 03).

Werkstatt

Ein Porsche-Fahrer stellte sein Gefährt spätabends vor der Werkstatt ab und kam auf die Idee, den Schlüssel in den Briefkasten zu werfen. Am nächsten Tag wurde der Wagen ohne Navigationsgerät und andere Extras am Stadtrand gefunden. Die Kasko musste nicht zahlen: Der frei zugängliche Briefkasten könne mithilfe "flexibler Greifwerkzeuge, wie sie in jedem Baumarkt erhältlich sind" entleert werden, so die Richter. Es sei extrem leichtsinnig, einen Schlüssel dort zu deponieren (Oberlandesgericht Celle, 8 U 182/04).

Tankstelle

Ein Frankfurter ließ den Schlüssel stecken, während er an der Kasse seine Tankfüllung bezahlte. Obwohl vor und hinter seinem Auto andere Wagen standen und seine Mutter daneben wartete, sprang ein dreister Dieb hinters Steuer und brauste davon. Mit solcher Dreistigkeit könne niemand rechnen, so die Richter. Die Assekuranz müsse zahlen (Oberlandesgericht Frankfurt, 7 U 203/99).

Codierung

Ein Mann verlor seinen codierten Autoschlüssel und nahm den Zweitschlüssel. Nach zwei Wochen war der Wagen weg. Er hätte sofort die Codierung ändern müssen, argumentierte die Versicherung. Nein, sagten die Richter. Er habe nicht wissen können, dass der Finder den Schlüssel seinem Wagen zuordnen konnte. Grobe Fahrlässigkeit liege deshalb nicht vor (Oberlandesgericht Frankfurt, 7 U 123/01).

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