US-Kunden klagen erfolgreich
Kia und Hyundai büßen für Mehrverbrauch

Kia und Hyundai müssen an die 100 Millionen Dollar an geprellte Kunden zahlen. Angeblich sparsame Wagen schluckten bis zu 1,5 Liter mehr als angegeben. Mehrverbräuche sind auch in Deutschland kein Einzelfall.
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DüsseldorfKia und Hyundai müssen sich wegen eines zu hohen Verbrauchs zahlreicher Modelle vor Gericht verantworteten. In den vergangenen Tagen gingen mindestens zwei Klagen betroffener Käufer vor einem Bezirksgericht in Kalifornien ein. Die beteiligte Anwaltskanzlei Hagens Berman bezifferte den Schaden für die Kunden am Mittwoch auf etwa 775 Millionen Dollar (605 Millionen Euro).

Die beiden zusammenhängenden südkoreanischen Autobauer hatten in der vergangenen Woche eingeräumt, dass bei rund 900.000 in Amerika verkauften Wagen der angegebene Verbrauch nicht stimmt. Die US-Umweltbehörde EPA hatte bei Tests herausgefunden, dass einzelne Modelle im Extremfall bis zu 1,5 Liter auf 100 Kilometer mehr schlucken als versprochen.

Kia und Hyundai hatten sich bei den Kunden entschuldigt, die Verbrauchsangaben nachträglich korrigiert und den geprellten Käufern versprochen, für den Mehrverbrauch aufzukommen. Die Anwälte kritisierten das Verfahren für die Rückerstattung der Spritkosten jedoch als zu kompliziert. Zudem würden die Käufer nicht für den „mit Sicherheit auftretenden Wertverlust der Wagen“ entschädigt.

Schon die freiwillige Rückerstattung kostet die Hersteller nach Schätzungen der Ratingagentur Moody's pro Jahr etwa 100 Millionen Dollar - und das so lange, bis die Autos irgendwann verschrottet werden. Doch das kann dauern, sind doch die Modelljahre 2011 bis 2013 betroffen.

Als schlimmer schätzte Moody's jedoch den Imageschaden ein. Kia und Hyundai werben in den USA und Kanada mit dem geringen Verbrauch ihrer Autos - und das erfolgreich. Die beiden Hersteller kamen alleine von Januar bis Oktober auf knapp 1,1 Millionen verkaufte Autos in den USA. Damit spielen sie in einer Liga mit den in Nordamerika sehr erfolgreichen japanischen Herstellern. Grund für die fehlerhaften Verbrauchsangaben waren nach Angaben der Firmen falsche Abläufe in einem gemeinsam genutzten Testzentrum in Korea.

In Europa gilt der so genannte NEFZ, der Neue Europäische Fahrzyklus als maßgeblicher Test für den Spritverbrauch. Dabei wird das Auto nach einem vorgegebenen Ablauf auf dem Prüfstand beschleunigt. Die eingestellten Fahrwiderstände sollen realen Straßenverhältnissen so nahe wie möglich kommen.

Der ADAC hält diesen Test jedoch für zu wenig an der Praxis orientiert und vor allem zu ungenau. Deshalb hat der Automobilclub ein wesentlich strengeres Testverfahren entwickelt - den Eco-Test. Die Ergebnisse zeigten, dass auch hierzulande in vielen Fällen der Spritverbrauch deutlich höher ist als von den Herstellern angegeben.

Die Frage ist: Wie viel Abweichung muss ein Autokäufer tolerieren? Wer bei seinem Auto einen deutlichen höheren Spritverbrauch als vom Hersteller ausgewiesen feststellt, kann versuchen eine Kaufpreisminderung zu verhandeln. In besonders gravierenden Fällen darf er sogar vom Kauf zurücktreten. Dafür muss ein "nicht unerheblicher Mangel" vorliegen. Der liegt zum Beispiel vor, wenn der Mehrverbrauch über 10 Prozent liegt. Der Bundesgerichtshof entschied 1997 in einem wegweisenden Urteil, dass der Kunde bei einer Abweichung von unter 10 Prozent nicht vom Kauf zurücktreten könne.

 
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Jürgen Rees
Jürgen Rees
WirtschaftsWoche / Redakteur Technik & Wissen

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