Verantwortliceh sehen noch Handlungsbedarf
Prüfender Blick in den Auspuff: 20 Jahre Abgasuntersuchung

Die Plätze sind verteilt: Auf dem hinteren Autokennzeichen prangt die runde Plakette mit dem Hinweis, wann die nächste Hauptuntersuchung ansteht. Vorne schiebt der Wagen dagegen ein Kennzeichen mit achteckiger Plakette vor sich her.

dpa/gms MüNCHEN/STUTTGART. Die Plätze sind verteilt: Auf dem hinteren Autokennzeichen prangt die runde Plakette mit dem Hinweis, wann die nächste Hauptuntersuchung ansteht. Vorne schiebt der Wagen dagegen ein Kennzeichen mit achteckiger Plakette vor sich her.

Die besagt, wann die Prüfer mal wieder sehen wollen, was an Abgasen den Auspuff verlässt. Während die runde Plakette seit den fünfziger Jahren an Bord ist, hat die Abgasuntersuchung eine vergleichsweise kurze Karriere hinter sich: Sie wird jetzt 20 Jahre alt, hat schon Änderungen erfahren - und in den kommenden Jahren stehen weitere an.

Der 1. April 1985 war laut dem TÜV Süddeutschland in München das Datum, an dem sich die Prüfer erstmals genauer um die Schadstoffe kümmerten. Damals hieß die Prüfung noch Abgassonderuntersuchung (ASU) und galt zunächst nur für Fahrzeuge mit Benzinmotor, die ohne Katalysator unterwegs waren. „Man hatte damals erkannt, dass Autos maßgeblich zur Schadstoffbelastung beitragen“, erinnert sich Hans Peter Neppel, Regionalleiter Oberbayern des TÜV Süddeutschland. Hinzu kam das Wissen, dass unerkannte Technikmängel den Spritverbrauch und damit auch die Schadstoffbelastungen in die Höhe treiben konnten.

Bei Diesel-Fahrzeugen und Autos mit Katalysator gab es zunächst keine Kontrolle. Die Prüfung selbst bezog sich außerdem nur auf das Kohlenmonoxid. Und so löblich die neue Untersuchung in Hinblick auf die Reinheit der Abgase auch war: Was tatsächlich den Autos entwich, entsprach in den Anfangsjahren nicht immer dem, was bei der Prüfung bescheinigt wurde. Der Dekra-Sachverständige Manfred Brinkwirth aus Bremen erinnert sich noch an eine damals nicht unübliche Praxis in den Autowerkstätten: „Erst wurde der Wagen so eingestellt, dass er die vorgeschriebenen Werte einhielt. Danach hat man ihn dann wieder so eingestellt, dass er richtig lief.“

Spätestens am 1. Dezember 1993 war es damit aber vorbei. Zu diesem Datum wurde die Schadstoffprüfung gründlich überarbeitet. Laut dem TÜV Süddeutschland müssen seitdem auch Autos mit Dieselmotoren zur Untersuchung. Gleiche gilt für Katalysator-Fahrzeuge. Außerdem wurde die Palette der beachteten Schadstoffwerte erweitert. Neben Kohlenmonoxid gerieten nun unverbrannte Kohlenwasserstoffe und Stickoxide ins Visier der Prüfer. Bei den Dieselmotoren ging es fortan vor allem um die Rußpartikel. Und weil Neues auch einen neuen Namen bekommen sollte, wurde aus der ASU die Abgasuntersuchung (AU).

Zum 1. April 2002 wurde die Sache erneut erweitert, indem Sonderregeln für Fahrzeuge mit On-Board-Diagnose (OBD) eingeführt wurden. Dieses System zur Selbstkontrolle ist bei Neufahrzeugen mit Benzinmotor seit 2001 Pflicht. Die Prüfung selbst hat mittlerweile kaum mehr etwas mit den Ursprüngen zu tun. „Das einzige, was noch identisch ist, ist die Tatsache, dass hinten die Abgase gemessen werden“, sagt Manfred Brinkwirth. Denn im Grunde tauscht sich heute die Mess-Elektronik mit dem elektronischen Innenleben des Autos aus.

„Bei Fahrzeugen mit On-Board-Diagnose gehört auch das Auslesen des Fehlerspeichers dieses Systems zum Prüfumfang“, erläutert Alf Menzel, stellvertretender Technischer Leiter der Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ) in Stuttgart. In diesem Speicher ist abgelegt, was die Technik in der Vergangenheit so alles an Problemen zu bewältigen hatte - vom Zündaussetzer bis zum kompletten Umschalten des Motors auf das Notprogramm. Bei der AU muss der Speicher leer sein, sonst steht ein Werkstattbesuch auf dem Programm.

Kontrolliert wird laut Menzel bei der AU aber noch mehr: „Unter anderem gibt es eine Prüfung von Einstellungen und auch eine Sichtprüfung.“ Dabei wird unter anderem nachgeschaut, ob in den Tankstutzen wirklich nur die Zapfpistole für bleifreien Kraftstoff passt oder ob der Katalysator sichtbare Schäden aufweist. Denn das Katalysator-Innenleben besteht meist aus Keramik und kann beschädigt werden - zum Beispiel wenn der Wagen mit dem Abgasreiniger aufsetzt.

Während die technische Seite der Abgasuntersuchung also schon weit fortgeschritten ist, sehen die Verantwortlichen an anderer Stelle noch Handlungsbedarf - daher sind schon im Jahr 2006 Änderungen zu erwarten. Dann soll die AU an die Hauptuntersuchung angepasst werden. „Bis jetzt kann ich im Prinzip im März zur Abgasuntersuchung und im August zur Hauptuntersuchung fahren“, beschreibt Hans Peter Neppel die Situation. Künftig erfolgen beide Prüfungen an einem Termin.

Im Jahr 2010 heißt es vermutlich Abschied nehmen von der achteckigen AU-Plakette. „Dann werden AU und HU zusammengefasst, es wird nur noch eine Plakette geben“, erklärt Alf Menzel. Die Zusammenfassung soll laut Menzel schon von 2006 an für die dann neu zugelassene Fahrzeuge mit OBD gelten. Jedoch bekommen die zunächst noch beide Plaketten: Unter anderem damit bei Verkehrskontrollen durch die nicht vorhandene AU-Plakette keine Verwirrung entsteht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%