Verbände rufen nach „Benzingipfel“
Neue Preisrekorde an den Zapfsäulen

Nach der dritten Preisrunde innerhalb einer Woche sind die Preise für Benzin und Diesel auf neue absolute Höchststände geklettert. Die Autofahrer mussten am Donnerstag im bundesweiten Durchschnitt an Markentankstellen 1,35 Euro für einen Liter Dieselkraftstoff und 1,47 Euro für Superbenzin bezahlen, teilten Sprecher aus der Mineralölbranche in Hamburg und Bochum mit.

dpa HAMBURG. Damit wurden alle bisherigen Preisrekorde gebrochen. Seit Jahresbeginn hat sich der Preis für Diesel um etwa 27 Cent je Liter erhöht und für Superbenzin um 24 Cent je Liter, davon allein fast zehn Cent in den vergangenen vier Tagen.

Ursache seien die steigenden Notierungen für Rohöl und am europäischen Großmarkt für Ölprodukte in Rotterdam, hieß es aus der Branche. In der Nordsee schlossen die Ölkonzerne BP und ConocoPhillips wegen eines Orkans Bohrplattformen, womit laut Finanzagentur Bloomberg täglich 220 000 Barrel Öl ausfallen.

Am Donnerstagnachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der US- Ölsorte WTI mit Auslieferung im Dezember 97,15 Dollar und damit 78 US-Cent mehr als zum Handelsschluss am Vortag. Auch der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent legte zu und stieg um 1,03 Dollar auf 94,27 Dollar. Die Richtung der Ölpreise sei weiter aufwärts gerichtet, sagten Ölhändler. Die Marke von 100 Dollar pro Barrel stehe weiterhin im Blick der Märkte.

Die EU-Kommission sei „besorgt“ über die Preisschwankungen an den Öl- und Devisenmärkten, sagte eine Sprecherin der Kommission in Brüssel. Wenngleich die Eurostärke die ökonomischen Auswirkungen des Ölpreisanstiegs auf die Eurozone etwas gedämpft habe, werde die Kommission die weitere Entwicklung genau beobachten. US-Notenbankchef Ben Bernanke sagte vor dem US-Kongress, die Ölpreise führten nach seiner Einscshätzung zu einer höheren Inflation. Neben dem Ölpreis schaffe auch der schwache Dollar Inflationsrisiken.

Marktführer Aral verteidigte die Serie von Preiserhöhungen mit Hinblick auf die hohen Kosten für die Beschaffung des Treibstoffs. „Die deutschen Benzinpreise ohne Steuern gehören zu den günstigsten in Europa“, sagte Unternehmenssprecher Ulrich Winkler. Zudem sei der deutsche Benzinmarkt wettbewerbsintensiv wie noch nie. Die Preiserhöhung vom Donnerstag sei bereits die 107. im laufenden Jahr, so dass bis zum Jahresende etwa 120 bis 130 Preisrunden erreicht würden. An den Tagen dazwischen sinken die Preise. Das lebhafte auf und ab an den Tankstellen sei auf den intensiven Wettbewerb zurückzuführen.

Verbände rufen nach „Benzingipfel“

Automobil- und Wirtschaftsverbände haben wegen der rekordhohen Benzinpreise Preiskontrollen, Steuersenkungen und einen „Benzingipfel“ verlangt. Der Präsident des Automobilverbands AvD, Wolfgang-Ernst Fürst zu Ysenburg, sagte der „Bild“-Zeitung (Freitagausgabe): „Wir fordern einen Auto-Energie-Gipfel mit den maßgeblichen Größen aus Politik, Wirtschaft, Verkehr und Verbrauchern.“ Er sprach sich für eine Preisregulierung aus. „Bei dem Treffen muss es auch um die bessere Lenkung und Kontrolle des Energiemarktes gehen. Denkbar ist etwa die Gründung einer staatlichen Energieagentur, die preisregulierend wirken könnte“, sagte von Ysenburg.

Der Präsident des ADAC, Peter Meyer, sagte, „um den Autofahrer zu entlasten, wäre es jetzt an der Zeit, die Mineralölsteuer in Deutschland auf das niedrigere Niveau in den Nachbarländern abzusenken oder die Ökosteuer auszusetzen“, sagte Meyer der Zeitung.

Der Präsident des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV), Michael Kubenz, verlangte Steuersenkungen für die Transport- und Speditionsbranche. „Beim Benzingipfel müssen wir klären, wie die Politik die Spediteure steuerlich entlasten kann“, sagte Kubenz. Die Unternehmen in Deutschland seien gegenüber der ausländischen Konkurrenz vor allem wegen der hohen Spritpreise eindeutig im Nachteil.

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