Verkehr
Beißer, Kratzer und Brummer: Wenn Tiere Autofahrer heimsuchen

HB HANNOVER. Spinnweben am Seitenspiegel, Tatzenspuren auf der Motorhaube - im Freien geparkte Autos sind ein Tummelplatz für Tiere. Doch während jene Hinterlassenschaften höchstens stören, können andere Tiere für Autofahrer durchaus gefährlich werden.

Bert Korporal vom TÜV Nord in Hannover nennt als Beispiel Marder, die bei „Laternenparkern“ zum Problem werden können. Die Raubtiere machen es sich in den noch warmen Motorräumen abgestellter Fahrzeuge gemütlich und lassen ihre Beißwut an den Fahrzeuginnereien aus. „Wenn man Glück hat, ist es nur irgendein Dämmschaden. Es kann aber auch etwas Gravierendes sein“, sagt der Sachverständige und verweist auf zerbissene Kühl- und Bremsschläuche sowie Zünd- und Elektrokabel.

Im günstigsten Fall fällt ein Marderschaden sofort auf - etwa wenn das Auto nicht mehr anspringt, weil ein Marder das Zündkabel zerfetzt hat. Heimtückischer sind jedoch Folgeschäden, die laut Korporal erst Wochen nach einem Marderverbiss auftreten können. So läuft womöglich durch einen beschädigten Kühlwasserschlauch und schleichenden Kühlmittelverlust auf einer längeren Fahrt der Motor heiß. Oder der Wagen bleibt einfach stehen, weil die Lichtmaschine wegen eines zerbissenen Kabels die Batterie nicht mehr auflädt. Schlimmstenfalls kommt es zum Bremsversagen infolge beschädigter Hydraulikschläuche.

Ähnliche Zerstörungswut ist von anderen Tieren nicht bekannt. Zwar sind Ratten und Mäuse als Allesfresser verschrien. Laut Korporal wagen sich die Nager aber nicht an die Kunststoff- und Gummischläuche geparkter Autos heran. „Marder sind eigentlich die Hauptübeltäter.“ Früher habe es noch Fälle gegeben, in denen Krähen bei VW Käfer-, Typ-3- und Typ-4-Modellen die Dichtungen der Stahlschiebedächer heraushackten. Seit andere Dichtungen und Dachkonstruktionen verwendet werden, habe sich das Problem jedoch erledigt.

Ärgerlich für empfindliche Fahrzeugbesitzer kann höchstens noch die Kletterlust der Katzen aus der Nachbarschaft werden. Sie können nach Angaben von Josef Usler, Lacksachverständiger der Dekra in Straubenhardt bei Pforzheim, oberflächliche Kratzer verursachen, wenn sie auf dem Blech herumturnen. Gravierende Lackschäden sind dabei aber nicht zu befürchten, hat die Dekra in Versuchen herausgefunden.

„Katzen sind sehr vorsichtig mit ihren Krallen. Sie ziehen sie sofort ein, wenn sie merken, dass sie sich nicht festhalten können“, erklärt Usler. Die Spuren seien allenfalls mit „Waschkratzern“ vergleichbar, die etwa entstehen, wenn ein stark versandetes Auto ohne Vorwäsche in die Waschanlage gefahren wird. „Die lassen sich in der Regel problemlos wegpolieren“, sagt Usler.

Richtig brenzlig werden kann dagegen ungebetener Insektenbesuch im Auto während der Fahrt. Wer findet es schon angenehm, wenn einem plötzlich eine Wespe um den Kopf schwirrt? Wer dann falsch reagiert, bringt sich und andere Verkehrsteilnehmer in große Gefahr.

„Die oberste Devise lautet: Ruhe bewahren und nicht in Panik verfallen“, sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Er warnt vor hektischen Abwehrbewegungen, die das Insekt nur noch aggressiver machen würden. Autofahrer sollten sich weiterhin auf den Verkehr konzentrieren und den Wagen an der nächsten sicheren Stelle anhalten, um das Insekt ins Freie zu lassen.

Auch Sven Janssen vom Automobilclub von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main weist auf die Unfallrisiken hin, wenn sich Autofahrer durch eingedrungene Insekten ablenken lassen. „Im Zweifel muss man es in Kauf nehmen, dass man gestochen wird“, meint der AvD-Sprecher. Im Vergleich zu einem möglichen Zusammenstoß wäre das das kleinere Risiko. Laut Janssen ist eine Wespe im Auto aber durchaus als Notsituation zu verstehen, die zum Beispiel auf der Autobahn das Anhalten auf dem Standstreifen rechtfertigt. „Der bedrängte Autofahrer stellt ja auch für den anderen Verkehr eine Gefahr da.“

Um es gar nicht erst zu solchen Situationen kommen zu lassen, rät DVR-Sprecher Rademacher dazu, im Sommer vor Fahrtbeginn immer genau nachzuschauen, ob Wespen oder andere Insekten ins Wageninnere gelangt sind. Zudem sollten Autos laut Janssen auch an heißen Tagen nicht mit geöffnetem Fenster oder offenem Schiebedach abgestellt werden. Das habe auch noch einen weiteren Vorteil: Wird der Wagen mit offenen Fenstern geklaut, sei in der Regel der Versicherungsschutz in Gefahr.

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