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Verkehrsmeldungen richtig interpretieren

Reisezeit ist Stauzeit: Viele Autofahrer würden auf das Festsitzen bei der Fahrt in die Ferien liebend gerne verzichten. Die Frage ist nur, wie? Denn eine optimale Strategie zur Stauumgehung können auch Verkehrsexperten nicht empfehlen.

dpa/gms STUTTGART/DUISBURG. Reisezeit ist Stauzeit: Viele Autofahrer würden auf das Festsitzen bei der Fahrt in die Ferien liebend gerne verzichten. Die Frage ist nur, wie? Denn eine optimale Strategie zur Stauumgehung können auch Verkehrsexperten nicht empfehlen.

„Eine Anti-Stau-Garantie gibt es nicht“, erklärt Rainer Hillgärtner, Sprecher beim Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart. Vieles am Verkehrsgeschehen sei unkalkulierbar. So ließen sich Unfälle oder kurzfristig eingerichtete Baustellen nicht vorhersagen. Dazu kommt nach Angaben von Adac-Sprecher Maximilian Maurer in München das Problem, dass Verkehrsdurchsagen im Rundfunk nie ganz zuverlässig sind, weil sie zeitlich verzögert erfolgen.

Der Autofahrer, der sich entscheiden muss, eine Umleitung zu nehmen, oder auf der Strecke zu bleiben, kann dadurch nicht wissen, welche Alternative die bessere ist. Selbst ein Navigationssystem mit dynamischer Routenführung, das Staumeldungen empfängt und automatisch Alternativstrecken wählt, ist dabei nicht immer eine Hilfe.

So kann es laut ACE-Sprecher Hillgärtner durchaus vorkommen, dass das „Navi“ den Fahrer bei einem Unfall auf eine Ausweichroute lotst. Weil das bei vielen anderen Verkehrsteilnehmern ebenfalls passiert, kann ein Stau auf der Umleitung die Folge sein - während der Verkehr auf der ursprünglichen Strecke möglicherweise noch fließt.

Trotzdem können Verkehrsdurchsagen Anhaltspunkte geben: „Man muss die Meldungen nur interpretieren“, rät Maurer. So sei es ein Unterschied, ob bei einer dreispurigen Autobahn eine Bahn blockiert ist - wodurch sich die Behinderungen in Grenzen halten -, oder ob sie gesperrt ist, weil ein Rettungshubschrauber landet.

Auch Rainer Hillgärtner empfiehlt, bei Durchsagen gut zuzuhören und abzuschätzen, ob sich das Abfahren lohnt. So mache es eher Sinn, von der Autobahn zu fahren, wenn sich ein Unfall gerade erst ereignet hat, sagt Maurer. Wurde die Unfallstelle dagegen geräumt, könne man in den Stau hineinfahren, weil sich dieser ohnehin bald auflöst.

Die Entscheidung, abzufahren oder nicht, muss jeder Autofahrer selbst treffen. Wie er sich entscheidet, hängt auch damit zusammen, welcher Typ er ist, wie ein Forschungsprojekt an der Universität Duisburg-Essen ergab. Bei dem Laborexperiment mit Berufspendlern wurde untersucht, wie diese auf Verkehrsinformationen reagieren.

Dabei machten die Wissenschaftler drei Grundtypen aus: Am häufigsten (44 Prozent) sind demnach die „Direkten“. Sie reagieren sensibel auf eine Verschlechterung ihrer Fahrzeit und wechseln sofort die Route. Eher selten sind die „Gegenläufigen“ (14 Prozent). Sie taktieren und ändern ihre Route in der Annahme, dass ihre bislang gewählte erfolgreiche Alternativstrecke auch viele andere anlockt und sich dadurch die Autobahnen füllen. Die übrigen 42 Prozent sind die „Stoisch-Konservativen“, die Erfahrungswerte weitgehend ignorieren.

Weil sich Staus nur schwer umgehen lassen und Autofahrer nicht immer vernünftig reagieren, empfehlen die Autoclubs, das Problem von vornherein zu umgehen: „Wer nicht in einen Stau geraten will, sollte sich die Strecken aussuchen, die nicht in Mitleidenschaft gezogen werden - nämlich Nebenstrecken“, rät Rainer Hillgärtner vom ACE.

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