Verkehrssicherheit
Autoclubs: Navis lenken Autofahrer gefährlich ab

Wenn sie auf unbekannten Straßen unterwegs sind, lassen Autofahrer sich immer öfter von Navigationsgeräten leiten. Doch die kleinen satellitengestützten Zauberkisten lenken Verkehrsteilnehmer nicht immer ans gewünschte Ziel.

dpa GOSLAR. Wenn sie auf unbekannten Straßen unterwegs sind, lassen Autofahrer sich immer öfter von Navigationsgeräten leiten. Doch die kleinen satellitengestützten Zauberkisten lenken Verkehrsteilnehmer nicht immer ans gewünschte Ziel.

Offenbar lenken sie auch stärker ab als bisher bekannt war. „Moderne Navigationssysteme bergen eine ähnlich große Ablenkungsgefahr wie Handys am Steuer“, sagte ACE-Chefingenieur Gert Schleichert. Beim 46. Verkehrsgerichtstag (24. bis 26. Januar) in Goslar wurden bereits erste Rufe nach dem Gesetzgeber laut. Der Deutsche Anwalt Verein (DAV) zum Beispiel forderte, die Bedienung von Navigationsgeräten während der Fahrt zu verbieten.

„Navigationsgeräte lenken Autofahrer sogar noch mehr ab, als das Handy“, sagte DAV-Experte Michael Burmann. „Beim Telefonieren hat der Fahrer eine Hand am Ohr und hört zu, während er noch auf den Verkehr achten kann. Zur Eingabe beim Navigationsgerät müssen sich die Augen aber von der Straße abwenden und auf die Tasten schauen. Der Verkehr wird somit für eine gefährlich lange Zeit aus den Augen verloren“.

Doch während die Benutzung des Handys während der Fahrt verboten ist, wenn der Fahrer das Gerät in der Hand hält, gebe es für das Fernsehen, die Internetnutzung oder das Bedienen eines Navigationsgerätes bislang keine Regelung, sagte Tom Michael Gasser von der Bundesanstalt für Straßenwesen. Er sprach sich dafür aus, dass optische Unterhaltungsfunktionen beim Navi unterdrückt werden, wenn sich ein Fahrzeug bewegt. „Es steht fest, dass die Navis ablenken“, sagte auch Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Es habe aber keinen Sinn, ein Verbot gesetzlich zu verankern. „Es ist nämlich nicht zu kontrollieren“.

Gegen Verbote sprach sich auch der ADAC aus. „Autofahrer sollten ihr Navi aber immer vor der Fahrt programmieren“, sagte Sprecher Maximilian Maurer. „Das ist ein Appell an die Vernunft und das Verantwortungsbewusstsein.“ Die Hersteller forderte der ADAC auf, die Navi-Displays so einzubauen, dass sie „genau im Sichtfeld der Fahrer liegen“. Zudem müssten die Bedienungsfunktionen verbessert und erleichtert werden.

Der Automobilclub von Deutschland (AvD) hält ebenfalls nichts von strengeren Gesetzen. „Autofahrer sind ohnehin verpflichtet, ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Verkehr zu lenken“, sagte Sprecher Sven Janssen. Wichtiger sei es, an die Vernunft zu appellieren und die dramatischen Auswirkungen einer Ablenkung deutlich zu machen. Das Navi sollte immer vor der Fahrt programmiert werden, auch wenn dies eine Minute dauert. „Jeder Unfall kostet viel mehr Zeit und Geld.“

„Für die Unfallverhütung haben konzentrierte Blicke durch die Windschutzscheibe und in die Rückspiegel eindeutig Vorrang gegenüber dem Empfang beliebiger Botschaften aus dem Navi-Display“, sagte ACE-Ingenieur Gert Schleichert. Navis könnten „ihren guten Sinn und Zweck nur dann erfüllen, wenn sie während der Fahrt auf ihre Kernfunktion reduziert werden“. Deshalb sei es sinnvoll, während der Fahrt bestimmte Funktionen zu unterdrücken und automatische Eingabesperren zu aktivieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%