Versicherungsbetrug wird bei Russlands Autofahrern zum Volkssport
Verbeulte Autos bringen Gewinn

"Lieferwagen für Haftpflicht“ – Uneingeweihten sagt diese Anzeige in einem kostenlosen Moskauer Anzeigenblatt nichts. Den Kriminalisten schon. Dahinter versteckt sich eine neue Form des Versicherungsbetrugs.

HB MOSKAU. Ein Fall passierte neulich in Petropawlowsk-Kamtschatskij, der russischen Halbinsel im Pazifik. Zwei Polizisten in ihren hellblauen Hemden, im Volksmund „Gaischniki“ genannt als Mitarbeiter der Staatlichen Autoinspektion (GAI), laufen mit Maßband um zwei zusammengestoßene und heftig verbeulte Autos. Anschließend schreiben sie ein Protokoll über den Unfall.

Doch als der Geschädigte mit diesem Polizeipapier zu seiner Versicherung geht, um 54 000 Rubel (umgerechnet 1536 Euro) zu kassieren, klicken die Handschellen: Die Kriminalpolizei war der Betrügerbande auf die Spur gekommen. Zwei Verbrecher hatten zusammen mit zwei Verkehrspolizisten angebliche Verkehrsunfälle provoziert und den Schaden gleich bei verschiedenen Versicherungen geltend gemacht. Die beiden Betrüger sitzen seither in Untersuchungshaft, ein Polizist ist vom Dienst suspendiert und muss sich einmal in der Woche auf seinem Revier melden bis zum Prozess. Sein Kollege hat den Dienst quittiert und ist untergetaucht.

Das ist nur der jüngste Fall des Kfz-Haftpflichtbetrugs, der nach Angaben der Moskauer Kriminalpolizei allein im ersten Versicherungsjahr 2004 einen Schaden von mindestens 150 Mill. Dollar angerichtet hat. Dabei entwickelt sich der Versicherungsbetrug per Auto immer mehr zum Volkssport. Möglich ist dieser Betrug in Russland erst seit zwei Jahren – seit die noch immer verhasste Kfz-Haftpflichtversicherung zwischen Kaliningrad und Kamtschatka eingeführt wurde.

„Lieferwagen für Haftpflicht“ – diese Zeitungsannonce bedeutet, dass jemand seinen stark beschädigten Laster zur Verfügung stellt zum Versicherungsbetrug. Und das geht so: Ein angetrunkener Autofahrer hat seinen Wagen an die Laterne gesetzt. Um den Schaden von der Versicherung ersetzt zu bekommen, muss ein veritabler Unfall her. Also werden ein geschmierter Polizist und der Lastwagen aus der Anzeige geholt und ein angeblicher Unfall konstruiert – für den muss dann die Versicherung zahlen.

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