Viele Kunden greifen unverändert zu schweren Autos
Spritschlucker umkurven die Klimadebatte

Sie sind durstig, sie sind tonnenschwer, und sie sind im Flachland meist so nötig wie ein Steigeisen beim Spaziergang. Doch dem Klimawandel zum Trotz – Geländewagen sind in Deutschland so gefragt wie nie. Ungeachtet von Protestaktionen von Umweltorganisationen und der anhaltenden CO2-Debatte gilt in der Autoindustrie das Segment der sportlichen Geländewagen weiterhin als wichtiger Zukunftsmarkt.

FRANKFURT. Es sind allerdings nicht mehr die spritfressenden XXL-Monster, denen die Zukunft gilt. Die Diskussion um den Klimawandel wird den Markt dramatisch verändern, erwartet Autoexperte Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft. Die Nachfrage werde sich hin zu kleineren SUVs verlagern. Die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, auf der heute die Hersteller mit ihren Präsentationen beginnen, gibt darauf bereits einen Ausblick.

Kleine Kraxler sind damit im Schatten der Klimadebatte bei den Herstellern schwer im Kommen. Die Autobauer ziehen in ihrer Modellpalette so die Konsequenzen daraus, dass die schweren Offroader zwar massiv in der Kritik stehen, aber nach wie vor äußerst erfolgreich am Markt sind. So zeigen die Zulassungszahlen für die sogenannten SUVs, also Sport Utility Vehicles, in Deutschland ungeachtet der Klimadebatte als einziges großes Fahrzeugsegment weiter nach oben.

Obwohl der deutsche Automarkt in den ersten acht Monaten ein dickes Minus von acht Prozent einfuhr, legten die Zulassungen der SUVs nach Daten des Kraftfahrtbundesamtes bis August um 4,9 Prozent zu.

Es seien allerdings nicht mehr die großen und schweren Allradler, die jetzt im Fokus der Käufergunst stünden, sagte Nick Margetts vom Marktforschungsinstitut Jato Dynamics. „Jetzt werden wieder kleinere Brötchen gebacken.“ Auf die Maße der Kompaktklasse geschrumpft, gingen nicht nur Verbrauch, Schadstoffausstoß und Platzbedarf zurück. „Die Fahrzeuge werden auch wieder sozialverträglicher und rollen aus der Kritik.“

Ursprünglich waren kleine Geländewagen eine Domäne der japanischen Anbieter. Toyota mit dem RAV4 und Honda mit dem CR-V machten das Rennen lange unter sich aus, bis BMW mit dem X3, der 2004 erstmals auf den Markt kam, einen überraschenden Markterfolg einfuhr. Die übrigen deutschen Hersteller vernachlässigten dagegen jahrelang das Segment der kompakten Geländewagen.

Außer dem BMW X3 gab es nur großräumige Geländewagen wie den BMW X5, den VW Touareg und den Porsche Cayenne sowie die Mercedes M- und neuerdings die GL-Klasse. Doch nun erreicht der Boom der Geländewagen auch die Kompaktklasse. Befeuert von der Klimadebatte, drängen fast alle großen Autobauer mit Macht auch in diese Lücke.

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