Viele Motorrad-„Youngtimer“ fahren noch

Nachrichten
Viele Motorrad-„Youngtimer“ fahren noch

„Youngtimer“ oder Oldtimer - diese Begriffe stehen für motorisierte Veteranen auf vier Rädern. Doch während bei Autos Glück und Zufall nötig sind, um ein gutes Exemplar zu ergattern, ist dies bei Zweirädern eher die Regel als die Ausnahme.

dpa/gms MüNCHEN/MAINZ. „Youngtimer“ oder Oldtimer - diese Begriffe stehen für motorisierte Veteranen auf vier Rädern. Doch während bei Autos Glück und Zufall nötig sind, um ein gutes Exemplar zu ergattern, ist dies bei Zweirädern eher die Regel als die Ausnahme.

Knapp 700 000 der in Deutschland zugelassenen rund 3,7 Mill. Motorräder sind nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg älter als 20 Jahre. Mehr als 500 000 stammen aus den „Youngtimer“-Jahrgängen 1976 bis 1985. Ein Großteil der Maschinen hat den Status des günstigen Gebrauchtfahrzeugs längst hinter sich gelassen. Sie werden sorgfältig gepflegt und - wenn überhaupt - nur zu Liebhaberpreisen verkauft.

„Es ist sicher so, dass Motorradfahrer mehr an ihren Maschinen hängen als Autofahrer an ihren Fahrzeugen. Auch weil sie damit viele schöne Erlebnisse verbinden“, sagt Michael Lenzen, Sprecher des Bundesverbandes der Motorradfahrer (Bvdm) in Mainz. Diese Erlebnisse haben auch damit zu tun, dass Motorräder vor allem Freizeitfahrzeuge sind. Das wiederum führt dazu, dass sie nicht so viele Material aufreibende Einsätze ertragen müssen wie ein Durchschnittsauto.

„Vom Gros der Fahrer werden Motorräder als Saisonfahrzeug genutzt“, sagt Helmut Klein vom Adac-Technikzentrum in Landsberg (Bayern). Die Saison beschränkt sich in der Regel auf die warme Jahreszeit, so dass unter anderem Streusalz keine Gelegenheit hat, seine schädlichen Wirkungen am Material zu zeigen. „Der Einsatz als Freizeit- und Hobby-Fahrzeug hat auch zur Folge, dass die Motorräder in der Regel viel niedrigere Laufleistungen hinter sich haben als ein gleich altes Auto“, erläutert der Motorrad-Fachmann.

BMW-Sprecher Jürgen Stoffregen in München hat noch eine andere Erklärung für die Langlebigkeit parat: Auch die Konstruktion habe daran ihren Anteil. „Motorräder erleiden so gut wie nie den Rosttod. Es passiert höchst selten, dass ein Rahmen durchrostet.“ Dieses wohl wichtigste Element eines Motorrades besteht bei den älteren Maschinen in der Regel aus dickwandigen Stahlrohren, denen leichter Rostfraß zunächst wenig ausmacht.

Hinzu kommt, dass die Liebe der Besitzer zu ihrem Gefährt weiteres Fortschreiten des „Gilbs“ meist verhindert. „Viele schrauben Tage und Nächte an ihren Fahrzeugen“, sagt Rainer Hillgärtner, Sprecher des Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart und selbst Motorradfahrer. Hillgärtner hat aber noch einen weiteren Grund dafür entdeckt, dass Motorräder länger im Besitz bleiben als manche automobile „Jugendsünde“: „Sie nehmen in der Garage nicht so viel Platz weg, wie beispielsweise ein Oldtimer auf vier Rädern.“ Die Zweiräder stören also weniger, auch wenn sie einige Jahre lang kaum benutzt werden.

Die Motorradhersteller selbst haben sich längst auf die hohe Zahl älterer Motorräder eingerichtet und bieten auch für Jahrzehnte alte Fahrzeuge Ersatzteile an. „Teile für alte Motorräder sind in der Regel noch erhältlich. Wenn es sie hier nicht mehr ab Lager gibt, werden sie direkt beim Hersteller in Japan bestellt“, sagt Christiane Urban, Kawasaki-Sprecherin in Friedrichsdorf (Hessen). Allerdings suchen laut Urban viele Klassiker-Besitzer vor allem bei freien Gebrauchtteile-Händlern nach Ersatz: „Das liegt möglicherweise an der Unwissenheit, dass es auch bei uns die Teile noch gibt. Sicher wird so aber auch versucht, möglichst günstig an die Teile zu kommen.“

BMW kümmert sich auf zwei Ebenen um die Teileversorgung. „Zum einen gibt es eine ganze Menge der Teile noch normal über die Händler“, sagt Stoffregen. „Auf der anderen Seite gibt es bei BMW die Sparte Mobile Tradition, die sich um Traditionspflege und die Mobilhaltung von Fahrzeugen kümmert.“ So werden zum Teil mit Hilfe von BMW Teile bei externen Firmen nachgefertigt. Für die „richtigen“ Oldtimer unter den Zweirädern gibt es sogar spezielle Teilekataloge.

Die Liebe zu den alten Eisen hat aber auch dazu geführt, dass manches Modell Kultstatus genießt und für hohe Preise gehandelt wird. Dazu gehören unter anderem die fast legendären Kawasaki-Vierzylinder Z 900 und Z 1 000 der frühen siebziger Jahre, gepflegte Exemplare der Yamaha-Enduro XT 500 und der davon abgeleiteten Straßenversion SR 500. „Für eine 900er Kawasaki aus den Jahren 1974 bis 1976 muss man heute etwa 6 000 Euro zahlen“, beobachtet Rolf Surmann vom Marktbeobachtungs-Unternehmen Classic Data in Castrop-Rauxel.

Eine gut erhaltene frühe Yamaha XT 500 hat mit ihrem heutigen Marktwert von 3 600 Euro den ursprünglichen Neupreis längst übertroffen. Auch die einst futuristisch wirkenden Katana-Modelle von Suzuki sind nicht mehr für kleines Geld zu bekommen. Laut Surmann werden für eine 1100er Katana aus dem Jahr 1983 heute 6 300 Euro gezahlt. Die steigenden Preise dürften auch dazu führen, dass die Zahl der alten Zweiräder kaum mehr abnimmt: Was teuer bezahlt werden muss, wird in der Regel auch in allen Ehren gehalten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%