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Volltanken für weniger Geld dank Erdgasantrieb

Beim Volltanken an der Tankstelle sind Rechnungen von 50 bis 100 Euro keine Seltenheit mehr. Daher werden alternative Fahrzeugantriebe immer attraktiver. Erdgasfahrzeuge sind auch auf der IAA in Frankfurt ein großes Thema.

dpa/gms FRANKFURT/MAIN. Beim Volltanken an der Tankstelle sind Rechnungen von 50 bis 100 Euro keine Seltenheit mehr. Daher werden alternative Fahrzeugantriebe immer attraktiver. Erdgasfahrzeuge sind auch auf der IAA in Frankfurt ein großes Thema.

Die Technologie gilt als ausgereift und alltagstauglich, die Infrastruktur ist weitgehend vorhanden. Vor allem angesichts der bis zum Jahr 2020 festgeschriebenen Steuerbegünstigung beziffern Fahrzeughersteller die Kostenvorteile mit bis zu 1 000 Euro im Jahr. Laut Volkswagen kostet ein „Erdgaskilometer“ derzeit etwa die Hälfte eines Benzinkilometers. Zudem wird die Anschaffung eines solchen Fahrzeuges von vielen Kommunen und Energieversorgern bezuschusst.

Mit der steigenden Attraktivität wächst auch die Modellpalette: Nach Angaben des Trägerkreises Erdgasfahrzeuge in Berlin stehen in Deutschland bereits mehr als 30 Modelle vom PKW bis zum schweren Nutzfahrzeug mit Erdgasantrieb in den Preislisten. Und bei der IAA feiern gerade drei weitere PKW mit Gastank ihre Weltpremiere.

So präsentiert Volkswagen die Modelle Touran und Caddy als „Ecofuel“ mit einem 80 kW/109 PS starken Vierzylinder, der gleichermaßen mit Benzin oder Erdgas angetrieben werden kann und ab dem Frühjahr ausgeliefert wird. Der Touran bekommt vier Unterflur-Tanks für insgesamt 18 Kilogramm Treibstoff, was laut VW eine Reichweite von 310 Kilometern ermöglicht. Im Caddy liegt der Aktionsradius sogar bei 430 Kilometern. Zusätzlich haben beide Modelle noch einen kleinen Benzintank.

Eine weitere Weltpremiere in Frankfurt ist der Zafira CNG, mit dem Opel das Erdgasangebot ausweitet. Der Minivan behält seine sieben Sitze, bekommt aber trotzdem Tanks für 21 Kilogramm Erdgas. Zusammen mit der Reserve von 14 Litern Benzin kommt der Zafira damit laut Opel auf eine Reichweite von 540 Kilometern. Im Erdgasbetrieb verbraucht der 71 kW/97 PS starke 1,6-Liter laut Opel etwa 5,3 Kilo auf 100 Kilometer.

Beim ebenfalls mit Erdgasantrieb lieferbaren Combo hat Opel auf Basis einer jährlichen Fahrleistung von 20 000 Kilometern und einem Verbrauch von 4,9 Kilogramm damit einen Kostenvorteil von rund 1 000 Euro ermittelt. Außerdem gehen nach Angaben des Unternehmens die Schadstoffemissionen zurück: Der Ausstoß von C02 sinkt gegenüber dem Benziner um bis zu 25 Prozent, und gegenüber dem Diesel geht der Ausstoß an Stickoxiden um 80 Prozent zurück.

Ebenfalls neu ist der Ford Focus C-Max, der nach Angaben von Pressesprecher Isfried Hennen jetzt für Preise ab 24 775 Euro angeboten wird. Er fährt mit insgesamt 14,5 Kilogramm Erdgas, die eine zusätzliche Reichweite von etwa 250 Kilometern ermöglichen.

Dabei werben auch die Kölner vor allem mit den Kostenvorteilen: „Einen Ford Focus C-MAX CNG fahren heißt: Volltanken für weniger als die Hälfte“, sagt Klaus Bohn, Geschäftsführer der Ford-Tochter CNG-Technik, bei der die Autos umgerüstet werden. „Erdgas ist nicht nur ein umweltfreundlicher Kraftstoff, sondern auch ein preisgünstiger. Im Vergleich zu Benzin beträgt der Kostenvorteil über 50 Prozent, und selbst im Vergleich zu Diesel noch etwa ein Drittel. Das rechnet sich.“

Die drei Modelle werden nicht lange die einzigen Neuheiten bleiben. So hat Renault im Umfeld der IAA angekündigt, dass auch der frisch überarbeitete Kangoo demnächst mit Erdgasantrieb angeboten werden soll.

Angesichts der Vorteile steigen die Zulassungszahlen für Erdgasfahrzeuge nach Angaben des Trägerkreises um jährlich 40 Prozent. Nach einer Einschätzung der Bundesregierung sollen sie bis zum Jahr 2020 einen Marktanteil von vier Prozent erreichen.

„Dies ist ein Potenzial von rund zwei Mill. Erdgasfahrzeugen auf Deutschlands Straßen in den nächsten 15 Jahren“, erklärt Thomas Schlick, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Frankfurt. Mit dem wachsenden Fahrzeugpool wird auch Infrastruktur mit derzeit etwa 600 Tankstellen immer besser: „Durchschnittlich alle zwei Tage wird in Deutschland eine neue Erdgaszapfsäule eröffnet“, teilt der Trägerkreis mit.

Allerdings ist die Auswahl nicht auf die werkseitig ausgerüsteten Fahrzeuge beschränkt. „Im Grunde kann jedes Fahrzeug mit Benzin-Motor auf Gas-Antrieb umgestellt werden“, erklärt Albert Kobbe, Projektleiter beim Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft in Berlin.

Ob sich die Umstellung auf den Gasantrieb lohnt, ist nach seinen Angaben vor allem eine Rechenaufgabe. Denn eine Umrüstung kostet Geld: Für die Montage einer Erdgasanlage sind laut Kobbe etwa 2 500 bis 3 500 Euro kalkulieren. Für wen sich das unter Umständen rechnet, lässt sich mit einem speziellen Rechenprogramm auf der Internetseite www.erdgasfahrzeuge.de ermitteln.

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