Vor 20 Jahren: Abschied von der kultigen Kante

Vor 20 Jahren
Abschied von der kultigen Kante

Eine Ära im Autobau endete vor 20 Jahren. Nach 2,9 Millionen Einheiten in 19 Produktionsjahren lief 1993 bei Volvo der letzte 240 vom Band. Die Baureihe adelte die Kante zum Kult.
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KölnAls Volvo im August 1974 den 240 als Nachfolger und Weiterentwicklung des 140 vorstellte, hatte sich der schwedische Hersteller unter dem Label "Sicherheit aus Schwedenstahl" vor allem im deutschen Bildungs-Bürgertum fest etabliert. Studienräte, Architekten oder Steuerberater bildeten die Zielgruppe, für die Audi die "Marke der Hut-Fahrer", Mercedes die Metzger-Innung und BMW die gehobenen Handlungsreisenden repräsentierte.

Die 4,79 Meter lange Limousine aus Schweden signalisierte Solidität, Wertigkeit und ein Maß an sozialverträglicher Repräsentanz. Darüber hinaus bot das Mittelklassemodell zahlreiche innovative Techniklösungen, vor allem im Bereich Sicherheit. Das betont kantige Design überzeugte mit Zeitlosigkeit und Eigenständigkeit. Und schließlich war der 240 geräumig, praktisch und zuverlässig.

Wie schon beim 140 bot Volvo den 240 mit zwei oder vier Türen an. Weitere Varianten ergänzten die Reihe zur kompletten Modellfamilie. Der 260 erschien als luxuriösere Version der Limousine mit Sechszylinder-Motor und der Kombi 245 avancierte aus dem Stand zum Bestseller. 1977 folgte als Volvo 262 eine zweitürige Coupé-Variante.

Das italienische Designstudio Bertone hatte die Form mit dem abgesenkten Dach und die luxuriöse Innenausstattung entwickelt und fertigte die kleine Auflage. Die mangelhaft eingesetzten kleineren Front- und Heck-Scheiben der ersten Serie erforderten Nachbesserungen für jeweils rund 5 000 Mark.

Als Vorreiter für Standards in der passiven Sicherheit verhielt sich der Volvo 240 mustergültig. Bei Crashtests mit dem 240 und Wettbewerbern stellte die US-Sicherheitsbehörde NHTSA Mitte der Siebziger fest, dass der Volvo 244 mit Abstand den besten Insassenschutz bot. Die Ergebnisse dienten als Basis für die späteren US-Sicherheitsvorschriften, die festlegten, welche Standards in den USA verkaufte Autos erfüllen müssen.

Schon in den frühen Siebzigern arbeitete Volvo an der Abgasreinigung mittels eines Oxidationskatalysators, der die drei schädlichen Substanzen Kohlenwasserstoff (HC), Kohlenmonoxid (CO) und Stickoxid (NOX) deutlich reduzieren sollte. Um die Abgasreinigung durch Steuerung des Kraftstoff-Luft-Gemischs weiter zu verbessern, setzte Volvo im Jahr 1976 als erster Automobilhersteller die Lambda-Sonde ein. Damit konnte der Katalysator mehr als 90 Prozent dieser schädlichen Emissionen eliminieren.

Der Volvo 240 war der Konkurrenz in puncto Sicherheit und Umweltschutz dank stetiger Weiterentwicklung gerne einen Schritt voraus. Neue Techniken zogen unter der Haube ein: Turboaufladung und Dieselmotoren. 1979 stellte der Hersteller den 244 D6 als seinen ersten Diesel-Pkw vor. Der in Zusammenarbeit mit VW entwickelte Reihensechszylinder mit 2,4 Litern Hubraum und 60 kW/82 PS Leistung war zugleich der weltweit erste Sechszylinder-Diesel in einem Pkw.

1981 mutierte der Volvo 245 zum weltweit schnellsten Kombi. Dank Turboaufladung und 113 kw/154 PS und einer Beschleunigung von 8,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 konnte kein Konkurrent mithalten, bei den 15 Liter bis 20 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer auch nicht.

Der Zweitürer sorgte als "Flying Brick" ("Fliegender Ziegelstein") auf Europas Rennstrecken für Furore und holte 1985 zwei Meistertitel. Einmal die "Europäische Tourenwagen Meisterschaft" und die Fahrerwertung der "Deutschen Tourenwagen Meisterschaft" (DTM) ein.

1983, im zehnten Produktionsjahr, erlebte die 240er-Baureihe ihre Hochzeit mit einem Absatz von 234 300 Einheiten. Zum Ende seines Lebenszyklus bot Volvo den 240 ausschließlich als fünftürigen Kombi an. Am 5. Mai 1993 war jedoch Schluss: Nach 19 erfolgreichen Jahren mit mehr als 2,86 Millionen verkauften Fahrzeugen, darunter 177 402 Volvo 260, endete die Produktion des bislang erfolgreichsten Volvos aller Zeiten.

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