Vor 20 Jahren verunglückte Ayrton Senna Der ewige Held

Er war ein sensibler und emotionaler Formel-1-Pilot. Aber auch ein harter Hund, der Gegner von der Strecke drängte. Kein Rennfahrer wird mehr verehrt, als der am 1. Mai 1994 tödlich verunglückte Ayrton Senna.
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Archivfoto vom 1. Mai 1994: Ayrton Senna vor dem Start zum Großen Preis von San Marino in Imola. Quelle: dpa

Archivfoto vom 1. Mai 1994: Ayrton Senna vor dem Start zum Großen Preis von San Marino in Imola.

(Foto: dpa)

DüsseldorfUm 14:17 Uhr scheint am 1. Mai 1994 die Welt plötzlich für einen Moment stillzustehen. Ayrton Senna, eine der charismatischsten Kultfiguren der Formel 1, ist mit seinem Williams Renault mit über 210 km/h fast frontal in die Begrenzungsmauer der Tamburello-Kurve in Imola gecrasht. Zunächst weiß niemand genau, was passiert ist. Aber viele spüren, dass sie in diesem Bruchteil einer Sekunde einen der besten Rennfahrer aller Zeiten verloren haben.

Es ist das schlimmste Wochenende, das die Formel 1 je erlebte. Zuerst verunglückt Sennas Landsmann, der junge Rubens Barrichello, an jenem Freitag schwer, dann stirbt der Österreicher Roland Ratzenberger nach einem Unfall am Samstag. Einer, der sich am stärksten betroffen fühlt, ist der dreimalige Weltmeister Senna, Überfigur der Formel 1, ein sehr emotionaler Mensch.

Senna fährt zu Ratzenbergers Unfallstelle. Als der 34-Jährige zurückkommt, ist er völlig erschüttert. Aber einen Tag später steigt er wieder ins Cockpit seines Williams. Senna, der mit der Balance seines neuen Wagens schwer zu kämpfen hat, wirkt vor dem Start des Großen Preis von San Marino in sich gekehrt, sein Blick an der Box geht ins Leere. Und dann, kurz nach Beginn der siebten Runde, der Aufprall, die Rote Flagge, Stille.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte der Brasilianer die Königsklasse fast zehn Jahre lang geprägt. Wie sehr Senna ein knallharter Pilot war, gegen die Konkurrenz und vor allem gegen sich selbst, bewies das Rennen 1991 in Interlagos. Wegen eines Getriebeschadens konnte er die letzten sieben Runden nur im sechsten Gang fahren.

Die körperliche Anstrengung forderte ihren Tribut: Noch im Auto nach der Zieldurchfahrt wurde Senna ohnmächtig. Helfer lösen dem Entkräfteten die völlig verkrampften Finger vom Lenkrad. Später ist er erst nicht in der Lage ist, den Siegerpokal zu heben. Mit schmerzverzerrtem Gesicht stemmt er ihn dann doch.

Doch die Härte und Kompromisslosigkeit, die er im Zweikampf mit anderen Weltklasse-Piloten während seiner über 20-jährigen Karriere gerne zeigte, wich im Privaten einer großen Sensibilität, Nachdenklichkeit und Menschlichkeit. Diese außergewöhnliche Kombination von Charaktereigenschaften machte ihn zu einer Ausnahmeerscheinung, nicht nur im Formel-1-Zirkus.

„In menschlichen Dingen war Ayrton sehr mitfühlend, er hatte da nie diese Härte, die viele andere Männer zeigen“, sagt Ron Dennis, sein früherer Teamchef bei McLaren. In Filmdokumentationen sieht man ihn weinen, wenn Konkurrenten verunglücken.

Für viele war er der Beste

Und Senna war ein Volksheld, ein Hoffnungsträger Brasiliens. Eine von seiner Schwester geführte Stiftung kümmert sich bis heute um unterprivilegierte Kinder und Jugendliche. Und bis heute sagen viele Formel-1-Fahrer, er sei für sie das größte Vorbild, und der „kompletteste“ und schnellste Motorsportler. Der brasilianische Nationalheld sei „a driver's driver“, hieß es im britischen Auto-TV-Magazin „Top Gear“.

Diese Fahrer ließen in der Formel 1 ihr Leben
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Wolfgang Graf Berghe von Trips

Bis heute ist der Unfall von Wolfgang Graf Berghe von Trips als „schwarze Stunde der Formel 1“ bekannt. Als WM-Führender kam der aus einem deutschen Adelsgeschlecht stammende Ferrari-Pilot im September 1961 nach Monza. Um den WM-Titel endgültig einzufahren, fehlte dem 33-Jährigen nur noch ein Sieg.

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Bereits in der zweiten Runde kollidierte Graf Berghe von Trips bei der Anfahrt zur Parabolika-Kurve mit Jim Clark. Der Ferrari des Berghe von Trips schleuderte auf den seitlichen Erdwall der Geraden vor der Kurve und prallte gegen die Drahtabzäunung vor den Zuschauern. So starben auch 15 Zuschauer, 60 weitere Menschen wurden verletzt. Durch den Unfall wurde Graf Berghe von Trips aus dem Auto geschleudert, durch einen Genickbruch war er sofort tot. Teamkollege Phil Hill gewann das Rennen und wurde später Weltmeister mit 34 Punkten – vor Berghe von Trips mit 33 Punkten, der so posthum noch Vize-Weltmeister wurde.

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Jim Clark

Bei der Kollision mit Wolfgang Graf Berghe von Trips kam Jim Clark (hier im August 1966 am Nürburgring) noch glimpflich davon, sechseinhalb Jahre später hatte er sein Glück dann aufgebraucht. Mittlerweile waren die Rennwagen durch die Tabak-Werbung zu fahrenden Litfaß-Säulen geworden. Um Geld zu verdienen, trat der zweimalige Weltmeister zwischendurch auch in Formel-2-Rennen an. Im April 1968 wurde Clarks F2-Wagen in Barcelona leicht beschädigt, aufgrund mangelnder Ersatzteile trat er eine Woche später mit demselben Auto auch auf dem Hockenheimring an.

Quelle: Spurzem

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Auf der Waldgeraden nach dem Motodrom kam der Schotte plötzlich von der Strecke ab. Auf dem Waldboden versuchte er noch mit Maximaldrehzahl das Fahrzeug in eine andere Richtung zu steuern, doch durch die Vielzahl der Bäume fehlte der Platz. So schleuderte Clark seitlich gegen einen Baum. Unmittelbare Augenzeugen gab es nicht, da an dieser Stelle der Strecke keine Zuschauer standen. So sind die genauen Umstände seines Unfalls bis heute ungeklärt. Vermutet wird aber, dass sich ein schleichender Plattfuße zu einem Reifenschaden entwickelt hat, wodurch Clark die Kontrolle über sein Auto verlor.

Jim Clarks Tod erschütterte die Formel 1, in seinem Nachruf schrieb die Ferrari-Legende Juan Manuel Fangio: „Er war besser als ich.“ Für Fangio war Clark der „mit Abstand beste Fahrer aller Zeiten“.

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Jochen Rindt

Jochen Rindt wuchs als Waise mit deutscher Staatsangehörigkeit bei seinen Großeltern in Graz auf, seine Rennen fuhr er ausschließlich für Österreich. Vor dem Rennen am 5. September 1970 in Monza hatte Rindt durch fünf Siege bereits 45 Punkte auf dem WM-Konto. Im Abschlusstraining überholte der 28-Jährige mit voller Geschwindigkeit Denis Hulme, bevor er im Bremsbereich der Parabolika-Kurve herunterschaltete. Daraufhin brach wahrscheinlich die vordere rechte Bremswelle seines Lotus-Boliden. Der Wagen prallte links in die Leitplanken, drehte sich einige Male und touchierte noch mehrmals die Begrenzung, ehe er etwa fünf Meter neben der Leitplanke liegen blieb.

Quelle: Dirk Herbert

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Den Zuschauern boten sich schreckliche Bilder: Durch die Wucht des Unfalls zerbrach der Lotus, Rindts Beine ragten aus dem Wrack. Auf dem Weg in die Mailänder Universitätsklinik verstarb er an den Folgen des Unfalls. Seine Luftröhre war zerrissen, sein Brustkorb eingedrückt. Jochen Rindt hatte offensichtlich vor dem Rennen Angst vor den zu der Zeit häufigen Feuerunfällen, da er seinen Rettungsgurt nicht korrekt anlegte. So wollte er im Notfall schneller sein Auto verlassen können. Dadurch rutschte er aber bei dem Unfall durch die Gurte, was die Quetschungen erklärt.

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Nach Monza standen noch vier weitere Rennen auf dem Plan. Fünf Kandidaten hatten nach noch Chancen auf den WM-Titel. In den folgenden Rennen reduzierten sich die Anwärter aber der Reihe nach – am Ende war nur noch Jacky Ickx übrig. Beim vorletzten Lauf in Watkins Glen verpasste der Belgier allerdings durch eine defekte Benzinpumpe den Sieg. So wurde Jochen Rindt am Ende der Saison der erste und bis heute einzige Formel-1-Weltmeister, der der Titel posthum gewann.

Wegen seiner überlegenen Fahrweise bei Regen, bekam Senna bei Lotus den Spitznamen „The Magic“. Für Nikki Lauda war er der beste Rennfahrer, der je gelebt hat, für David Coulthard, war „Senna Gott, ich der Lehrjunge“, und Gerhard Berger sagte: „Wenn ich alle Rennfahrer vergleiche, die ich kennengelernt habe, dann war Senna der charismatischste und der beste. Mit Abstand. Keiner war so schlau, so ehrgeizig, so konzentriert.“

„Inteam“-Feindschaft mit Alain Prost
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2 Kommentare zu "Vor 20 Jahren verunglückte Ayrton Senna: Der ewige Held"

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  • ..."zum Glück war es Beton", um die deutsche Betonindustrie mal auf eine ihrer Werbekampagnen aufmerksam zu machen, wie es weiland das Spottblatt Titanic bereits getan hatte.

    heute muss das natürlich anders heißen und die Baustoffindustrie hat ganz gewiss auch dafür etwas impetto:

    Neues Bauen: früher Zerfall und später Tod: wir bleiben was wir sind: Ihre Bauindustrie.

  • Entweder man mochte ihn oder man mochte ihn nicht. Dazwischen lag fast nichts.
    Unbestritten ist aber, dass Ayrton Senna neben seinen sehr guten fahrerischen Fähigkeiten vor allem zwei Dinge hatte. Charisma und Mut!!! Mut auf allen Ebenen der Formel 1. Legendär sein Fahreraufstand gegen den als Diktator bekannten F1 Präsidenten Jean-Marie Balestre der als Franzose natürlich Prost bevorzugte.
    Für mich ist er mit Schumacher auf eine Stufe zu stellen. Man bedenke es war damals auch eine andere Zeit. Die F1 war lebensgefährlich. Erst nach Sennas Tod hat vor allem Schumi mit für die Sicherheit der heutigen F1 gesorgt.

    Sein Tod hat mich damals am Fernseher wirklich berührt. Man konnte es irgendwie nicht glauben.

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