Vorerst kaum chinesische Autos für Deutschland
Crash-Debakel belastet Chinas Autobauer

HB GELSENKIRCHEN. In Peking findet derzeit die Messe „Auto China“ statt. Doch bis chinesische Autos in nennenswertem Umfang auch in Deutschland zu haben sein werden, wird es noch Jahre dauern, meint der Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer in Gelsenkirchen.

„Die Hersteller müssen erstmal Händlernetze aufbauen“, erklärt der Experte von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Außerdem sei es dem potenziellen Käufer wichtig zu wissen, dass er auch für sein chinesisches Auto Ersatzteile bekommt. Auch müsse es notfalls eine Werkstatt geben, die das Fahrzeug reparieren kann.

Noch in diesem Jahr will der chinesische Hersteller Landwind nach seinem Geländewagen den Minivan CV neun als zweites Modell auf den deutschen Markt bringen. Die Hersteller Chery und Geely werden Dudenhöffer zufolge wohl frühestens im Jahr 2008 folgen.

Brilliance will als erstes Auto seinen Zhonghua bis Ende dieses Jahres nach Deutschland bringen. Doch allzu viele Chancen auf einen guten Verkauf räumt Dudenhöffer der Limousine nicht ein: „Das Fahrzeug tritt in der Mittelklasse an. Dort spielt das Image für den Käufer eine wichtige Rolle.“ Und der Ruf chinesischer Autos sei nach den katastrophalen Crash-Test-Ergebnissen des Geländewagens Landwind vor eineinhalb Jahren nicht der beste.

Unterdessen profitieren deutsche Autobauer von „neureichen“ Chinesen. Für die Ingolstädter VW-Tochter Audi soll China in spätestens zwei Jahren zum zweitgrößten Absatzmarkt werden. „China ist unser viertgrößter Markt nach Deutschland, den USA und Großbritannien, aber die Reihenfolge wird sich in ein oder zwei Jahren ändern“, sagte Audi-Vertriebsvorstand Ralph Weyler Reuters am Wochenende am Rande der Automobilmesse in Peking.

Immer mehr reiche Chinesen greifen zu der in China seit 1988 etablierten Luxusmarke, die lange vor allem Favorit der höheren Regierungsbeamten war. Im laufenden Jahr will Weyler dort 80 000 Audi verkaufen, das wären 50 bis 55 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit stünde das aufstrebende Riesenreich für fast neun Prozent des weltweiten Audi-Absatzes. In den ersten zehn Monaten verkaufte Audi 65 634 Autos in China, 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Insgesamt soll der chinesische Automarkt in diesem Jahr um 18 Prozent auf 4,7 Mill. Fahrzeuge wachsen.

Auch die deutsche Konkurrenz in der Oberklasse hält mit Audi mit: BMW verkaufte von Januar bis September mit 26 438 Fahrzeugen 56 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum und bereits mehr als im gesamten Jahr 2005. Mercedes kam in den ersten neun Monaten auf ein Plus von 47 Prozent. Michael Dunne, China-Experte des Forschungsinstituts J.D. Power, sieht die Deutschen im Vorteil gegenüber der Konkurrenz aus Japan und den USA. GM versucht derzeit seine Luxusmarke Cadillac in China zu etablieren. „Wir glauben, dass der Markt für uns alle groß genug ist“, sagt Kevin Wale, der China-Chef von General Motors.

Doch auf einen Heimvorteil könne keiner bauen, warnt Ashvin Chotai von Global Insight. „Das kann sich alles schnell wieder drehen.“

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