Vorschau auf den 79. Genfer Autosalon
Autobranche fährt auf Sicht

Dunkle Wolken hängen über Europas erster Autoschau in diesem Jahr. Im Überlebenskampf zahlreicher Autohersteller und Zulieferer sind die auf Hochglanz polierten Karossen von Alfa bis Zonda auf dem Genfer Autosalon in der kommenden Woche eher Nebensache. Im Blickpunkt steht die Zukunft der eng verzahnten Branche mit mehreren Millionen Beschäftigten bei Herstellern und Zulieferern.

HB STUTTGART/DÜSSELDORF. "Wir fahren auf Sicht" lautet derzeit das geflügelte Wort in der Autoindustrie. Doch nach Absatzeinbrüchen um 30 und mehr Prozent ist die Sicht trübe, weder die Autobauer noch die lange Kette ihrer Zulieferer trauen sich für dieses Jahr Prognosen zu. "Nur eines ist klar: das Jahr 2009 wird das schwärzeste Jahr in der Automobilgeschichte seit dem zweiten Weltkrieg", sagt Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöfer von der Uni Duisburg. "Es gibt bisher keinerlei Anzeichen, die uns hoffen lassen, dass im Frühjahr 2010 der bitterkalte Autowinter zu Ende sein wird." 2009 werde ein Jahr der Verluste, der Produktionskürzungen, der Entlassungen und Fabrikschließungen in der Autoindustrie, meint Dudenhöfer.

Autosalon kommt noch ohne Absagen davon

Der Autosalon in Genf, der ab Donnerstag (5. März) seine Türen öffnet, ist traditionell die erste Automesse des Jahres in Europa. Absagen prominenter Autobauer musste der Salon in diesem Jahr noch nicht hinnehmen - anders als die weltgrößte Autoschau IAA im September. Mit Continental zog bereits vergangene Woche ein wichtiger Aussteller aus Kostengründen die Reißleine und verzichtet auf den großen Auftritt in Frankfurt.

Im Rampenlicht des Genfer Salon steht ungewollt der Weltkonzern General Motors, dessen Europa-Zentrale ihren Sitz knapp 300 Kilometer nordöstlich in Zürich hat. Auf der "Hausmesse für GM" wird in diesem Jahr das Überleben von Traditionsmarken wie Opel, Saab, Chevrolet und Cadillac diskutiert, denen das Wasser bis zum Hals steht. Selbst Premiumhersteller wie Daimler schreiben derzeit rote Zahlen und verbrennen Milliarden Euro, obwohl die Preise für Energie und Rohmaterial längst in sich zusammengefallen sind.

Zu viel auf Halde produziert

Das Kernproblem sind die Fahrzeughalden. Allein die europäischen Fahrzeughersteller und Händler säßen auf unverkauften Fahrzeugen im Wert von etwa 100 Milliarden Euro, schätzt Engelbert Wimmer, Autoexperte bei der Unternehmensberatung PA Consulting Group. "Das sind rund 30 bis 40 Prozent mehr als im Normalfall." Eine gigantische Summe, die im Blutkreislauf der Branche mit ihrem feinen Geflecht zwischen Herstellern, Zulieferern und Sub-Zulieferern fehlt. Jeder hält derzeit das Geld zusammen, die Unsicherheit regiert.

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