VW überarbeitet den Touareg
Chrombepackte Alternative zu Cayenne und Q7

VW hat die zweite Generation des großen SUV Touareg fit für seine zweite Lebenshälfte gemacht. Dabei wurde an Chrom und anderen edlen Materialien nicht gespart. Sparsamer sind aber auch die großen Dieselmotoren geworden.
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Es gibt etwa eine Million Tuaregs. Viele Mitglieder des Wüstenstammes sind heute noch Nomaden. Sie gelten als stolz, lieben ihre Freiheit und tragen seit Hunderten von Jahren selbstbewusst ihr Stammeszeichen, das berühmte geschwungene Kreuz von Agadez. Fast 800.000 weitere Touaregs – allerdings mit „ou“ - kamen seit 2002 dazu, mit  dem VW-Emblem als Erkennungsmerkmal.

Volkswagen hatte vor zwölf Jahren den Namen des Berber-Volkes wohl mit Bedacht gewählt, um den Edel-SUV mit Begriffen wie Unabhängigkeit, Robustheit und Überlebenskunst zu schmücken. Auch wenn sich kaum einer seiner Nutzer jemals abseits fester Straßen wagte und nur zehn Prozent der bisherigen Käufer das Offroad-Paket fürs grobe Terrain orderte.

Das wird sich auch mit der Neuauflage des Geländeriesen gewiss nicht ändern. Die Bühne des Touareg ist der Boulevard, der Autozug nach Sylt oder der Parkplatz des Golfclubs. Am Haken hängen Pferdeanhänger oder Bootstrailer. Um ihn für diesen Auftritt noch standesgemäßer zu rüsten, wurde der nach dem glücklosen Phaeton zweitteuerste VW ins Kosmetikstudio geschickt.

Neu gestaltete Leuchten, die die Straße serienmäßig mit Bi-Xenon erhellen, begrenzen das leicht veränderte Kühlergesicht. Dessen jetzt vier Chromrippen wiederholen sich unter dem Stoßfänger, sind dort auf die gesamte Wagenbreite gestreckt. Diesen Trick für ein satteres Erscheinungsbild haben die Designer schon beim demnächst erscheinenden neuen VW Passat angewandt.

Der derart geschönte Touareg trägt seine von den betuchten Kunden offensichtlich gewünschte Eleganz vor allem durch großzügig eingesetzten Chrom zur Schau. Ob rund um die Fenster oder als Taille um das Blechkleid – je nach Version blitzt und funkelt der Neuling wie ein Juwelierladen. Kein Wunder also, dass seine Besitzer einen großen Bogen um Matsch und Schlamm machen. Auch im Innenraum glänzt es dank verchromten Umrandungen der Drehknöpfe, der Lufteinlässe oder der Türgriffe allerorten silbern. Dazu kommen je nach Geldbeutel edle Holzapplikationen, sündhaft weiches Leder und andere feine Materialien. Sieht nicht nur teuer aus, sondern ist es auch.

Natürlich beschränkt sich die Generalüberholung nicht auf die geedelte Optik. Auch technisch fährt der Touareg jetzt auf Augenhöhe mit den anderen großen SUV. Da diese Gattung von Autos nicht nur wegen ihrer Maße, sondern vor allem wegen ihres Gewichts und ihres Verbrauchs ins Gerede kommt, galt es, den Durst des Wüstensohnes zu zügeln. Zum einen ist kein „klassischer" Benziner im Programm, wenn man vom Spitzenmodell Touareg Hybrid absieht. Interessenten haben die Wahl zwischen einem Acht- und zwei Sechszylinder-Dieseln, deren Konsum trotz höherer Leistung um rund fünf Prozent sank.

Beispiel ist der 193 kW/262 PS (17 mehr als bisher) starke V6 Diesel, der auch in unserem Test-SUV Dienst tat. Dank neuem Katalysator-System, Start-Stopp-Automatik (bei Geschwindigkeiten unter 7 km/h) und anderen Maßnahmen braucht er nach Norm 6,6 Liter auf 100 Kilometer. Hilfreich ist auch, dass seine Ingenieure ihm das Segeln lehrten.

Damit ist gemeint, dass der Motor bis Tempo 160 beim Gaswegnahmen und anschließendem Rollen in den Freilauf versetzt wird. Der Motor koppelt sich dabei vom Getriebe ab. Das gab es bisher nur für die erwähnte Hybridversion, bei der ein 333 PS starker Benziner mit einem 46 PS-Elektromotor zusammenarbeitet. Nur zwei Kilometer rein elektrisches Fahren sind möglich. Der Normverbrauch 8,8 Liter/100 km ist in der Praxis jedoch nicht erreichbar.

Beim dieselnden Testobjekt dagegen schon eher. Denn dank der bulligen Durchzugskraft kann die serienmäßige Achtgangautomatik schnell in höhere Gefilde schalten und somit mit recht niedrigen Drehzahlen flott unterwegs sein. Nach einer Tour mit leichtem Gasfuß zeigte der Bordcomputer einen Wert knapp unter zehn Litern. Für ein 2,1 Tonnen-Schiff ganz manierlich. Wenn Termine drängen, schafft der 4,80 Meter lange Touareg aber auch locker 225 km/h und bedient sich entsprechend genussvoll aus dem Dieseltank.

Unverändert blieb das souveräne Fahrgefühl, die gute Übersicht dank hoher Sitzposition und das Platzangebot auf allen Sitzen als dickes Plus im Test-Telegramm. Die Bedienung ist unkompliziert wie in jedem VW. Die bekannten Assistenzsysteme wie Abstandsradar, City-Notbremsfunktion und manches mehr sind reichlich vorhanden, kosten aber im Paket mindestens 3.545 Euro extra. Wer noch eine Luftfederung (3.140 Euro), eine Rundumkamera samt Einparkhilfe (1.970 Euro) oder das Navigationssystem (2.345 Euro) bestellt, hat zwar noch mehr Spaß am Riesen-Volkswagen, aber auch längere Gespräche mit seinem Bankberater.

Der hat ohnehin Euro-Zeichen in den Augen, wenn er den Kreditwunsch seines Kunden vernimmt. Der 262-PS-Touareg kostet stolze 55.625 Euro, hat manches Unverzichtbare in Serie und Vieles als mehr oder weniger teure Extras. So muss man für eine in dieser Klasse wohl übliche Lederausstattung mindestens 4.000 Euro ausgeben.

Kein Problem also, die Kosten für die Sonderwünsche um den Preis eines VW Polo (ca. 15.000 Euro) zu steigern. Deshalb sind die wichtigsten Märkte für den VW die USA, Russland und natürlich China. Die wohlhabenden SUV-Jünger dortzulande bekommen dann auch die bärenstarken, durstigen Benzinmotoren, die der Riesenkonzern seinen Landsleuten wohlweislich vorenthält.

Technische Daten
Fünftüriges, fünfsitziges SUV, Länge: 4,80 Meter, Breite: 1,94 Meter, Höhe: 1,71 Meter, Kofferraumvolumen: 433 - 1.670 Liter. Motor: 3,0-Liter-Sechszylinder-Turbodiesel, Achtgangautomatik, 193 kW/262 PS, maximales Drehmoment: 580 Nm bei 1.750 - 2.500 U/min, Vmax: 225 km/h, Beschleunigung: 0 - 100 km/h: 7,3 sek., Normverbrauch: 6,6 l/100 km, CO2-Ausstoß: 174 g/km, Euro 6. Preis ab: 55.625 Euro (204-PS-Diesel ab 52.125 Euro, 340-PS-V8-Diesel ab 74.725 Euro, Hybrid-Modell ab 77.525 Euro)

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