VWs hartnäckigste Konkurrenten
Dreikampf um Europas Auto-Krone

Während Europas Marktführer VW bescheidene Wachstumsziele ausgibt, tritt Toyota aufs Gas beim Angriff auf die Weltmarktführerschaft. Derweil wächst Hyundai schneller als alle anderen. Momentaufnahmen eines Dreikampfs.
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Paris/DüsseldorfSo sieht also Selbstbewusstsein aus. Während die europäische Konkurrenz über die schwierige Marktsituation klagt, legt Toyota-Europachef Didier Leroy einen rundherum optimistisch gestimmten Auftritt hin. "Toyota in Europa wächst wieder". 10.000 Auto mehr als im Vorjahr wolle man in Europa verkaufen und damit den Vorjahresabsatz von 822.000 erneut übertreffen. Bis 2015 peilen die Japaner sogar die magische Zahl von einer Million verkaufter Autos in Europa an. Weltweit wollen die Japaner den Absatz um 23 Prozent auf 9,58 Millionen Fahrzeuge steigern.

 

Im Rennen um die Weltmarktführerschaft nach Absatz melden sich die Japaner in Paris eindrucksvoll zurück. In Nordamerika, Asien und Japan ist Toyota bereits stärker- nun attackieren die Japaner VW auch noch auf dem Heimatmarkt. Weltweit stieg der Umsatz im zweiten Quartal um 60 Prozent auf 54,3 Milliarden Euro. Damit sind die Japaner schon längst wieder der größte Autohersteller der Welt. Nur beim Absatz liegen Volkswagen und General Motors noch vorne.

Das Duell der zwei Volumenhersteller auf der größten europäischen Automesse des Jahres wirkt wie ein Rennen zwischen Hase und Igel. Wenige Minuten vor der Volkswagen-Präsentation enthüllen die Japaner einen der härtesten Golf-Gegner, den Auris – und erlauben sich sogar einen kleinen Seitenhieb auf die Wolfsburger. „Einige unserer Konkurrenten präsentieren heute ihr erstes Hybrid-Modell hier in Paris“, sagt Toyotas Europachef Dider Leroy.

Er betonte, Toyota wolle auf dem Kontinent nur profitabel seinen Marktanteil von momentan 4,5 Prozent auf 5 Prozent in 2013 erhöhen. Im Gegensatz zum europäischen Wettbewerb habe Toyota keine Probleme mit Überkapazitäten. Größter Wachstumstreiber sei Osteuropa.

Direkt gegenüber will Volkswagen wenige Minuten später den neuen Golf mit Bluemotion-Hybrid-Technologie auf die Bühne rollen.  Und als wäre das kleine japanische Störfeuer nicht genug, wird auch dieser Auftritt durch die Umweltschützer von Greenpeace gestört: als Markenvorstand Ulrich Hackenberg anhebt, um die Vorteile des neuen Öko-Golfs vorzustellen, enthüllen  sie ein Transparent „Volkswagen. Nous enfumes! Volkswagen – wir rauchen!“.

Nur Hackenberg bleibt zunächst ahnungslos, in seinem Rücken kann er das Greenpeace-Plakat nicht sehen. Erst ein Pressesprecher rettet die Situation, indem er die „Freunde von Greenpeace“ begrüßt und sich freut, dass sie zur Premiere des neuen Öko-Golf kommen. Doch der große Auftritt des wichtigsten Volkswagen-Modells ist dahin.

 

Dass Konkurrent Toyota von den Umweltschützern verschont wird, hat seine Gründe. Die Japaner gelten als Vorreiter der Hybridtechnologie. In Europa sind 15 Prozent aller verkauften Toyotas Hybride. Weltweit verkaufen sie jeden Monat 100.000 Fahrzeuge mit Hybridantrieb, drei Millionen Stück waren es weltweit bis zum Jahr 2011. Volkswagen hat Nachholbedarf. Nicht umsonst kündigte VW-Chef Winterkorn auf dem Markenabend des Konzerns ein Sieben-Milliarden-Euro-schweres Investitionsprogramm in die Hybridtechnik an.

Der neue Antrieb soll ab 2013 auch für den Golf erhältlich sein. Im lukrativen Geschäft in der Kompaktklasse ist Konkurrent  Toyota dann schon längst hybrid unterwegs. Die Wettbewerber erhöhen damit den Druck in Volkswagens lukrativstem Segment.

Die Kompaktklasse ist für die Hersteller zum Schlüssel zur Weltmarktführerschaft geworden. Kein Volkswagen-Modell verkauft sich so gut. Allein im vergangenen Jahr wurde der Golf 827.000 Mal verkauft. In seiner Klasse ist der Golf damit unangefochtener Marktführer.

Diese Spitzenposition will VW mit dem neuen Golf halten. Doch um 2018 die Spitze der Autohersteller zu übernehmen, muss Volkswagen auch stärker wachsen als die Konkurrenz. Volkswagens sonst so selbstbewusster Konzernchef Martin Winterkorn zeigt sich aber zum Auftakt des Autosalons eher nachdenklich. Auf Fragen nach der Autokrise in Europa wusste er nur zu sagen, es „gibt keine einfachen Antworten“. Er bestätigte aber die Unternehmensziele für 2012, mehr Absatz und Umsatz sowie ein operativer Gewinn auf dem Rekordniveau von 11,3 Milliarden Euro des Vorjahrs.

Doch derzeit geben die Japaner in der Kompaktklasse das Tempo vor: Allein die Verkäufe des Kompaktwagens Yaris zogen im ersten Halbjahr um 25 Prozent an. Und in Paris legt Toyota gleich noch einmal nach: Der Auris Hybrid Touring Sports wird als Weltpremiere gezeigt. Der Kombi ist mit 4,56 Meter knapp 30 Zentimeter länger als die ebenfalls erneuerte Schrägheckversion, die im Januar zu den Händlern kommt.

Auch dieses Auris-Hybridmodelle fährt mit dem bewährten Antrieb aus dem Prius, bei dem ein Benziner mit 1,8 Litern Hubraum gemeinsam mit einem Elektromotor für Vortrieb sorgt. Als kombinierten Verbrauch gibt Toyota 3,8 Liter und einen CO2-Ausstoß von 89 Gramm pro Kilometer an.

Egal, was Volkswagen derzeit versucht, momentan scheinen die Japaner ihnen immer eine Nasenlänge voraus zu sein. Und dann sind da noch die Koreaner ...

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  • Re: Vancouver

    Hyundai und Kia sind absolut kein Wegwerfmodell, haben allerdings nicht das Renommee der "deutschen grossen 3".
    Ich wohne auf Vancouver Island und fahre seit langem Toyota und Lexus. Frau faehrt 2003 Kia Sorento und, nach 205,000km nur Wartung, keine einzige Reparatur! Ich fuhr Toyota Cressida bis 418,000km, Gesamtreparaturen etwa $4,200. Leider haben Volkswagen Haendler hier keinen guten Ruf, Mercedes Ersatzteile sind sehr teuer, Lexus' dagegen kaum teurer als Toyota und die Verarbeitung kann sich durchaus mit den besten deutschen messen, was ja auch schon in deutschen Zeitungen festgestellt wurde.
    Nebenbei gesagt, der Hyundai Genesis ist toll, und man erhaelt viel Auto fuers Geld.

  • ja das thema garantie - egal ob nun gewährlesitung oder garantie - ist ein gewichtiges argument. kaufe ich einen koreaner, dann habe ich fünf jahre keine sorge, dass mich ein aggregatausfahl belastet - und das unabhängig von der laufleistung !!! bei den deutschen bettel ich nach 30 monaten um kulanz, wenn nach 50 Tkm die wasserpumpe ausfällt und ernte nur schulterzucken oder ich erinnere mal an die Pumpe-Düse-Probleme bei VW - nach 90 Tkm Rep.kosten von 3000 € und die arroganten VWler heben die Schultern - obwohl das Problem bei jedem zweiten Fahrzeug auftritt ....

  • dann lies mal genau was in der Garantie ausgeschlossen und inbegriffen ist.

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