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Warten auf den Partikelfilter

Der Partikelfilter für Diesel-Autos ist noch immer ein Thema mit Fragezeichen: Es gibt ihn, aber nicht überall. Er soll gefördert werden, fragt sich nur, wann es losgeht. Kunden und Autohersteller stehen vor einem anderen Problem.

dpa/gms STUTTGART. Der Partikelfilter für Diesel-Autos ist noch immer ein Thema mit Fragezeichen: Es gibt ihn, aber nicht überall. Er soll gefördert werden, fragt sich nur, wann es losgeht. Kunden und Autohersteller stehen vor einem anderen Problem.

Es gibt derzeit kaum genügend Filter, um alle Neu-Fahrzeuge auszurüsten. Umgekehrt sieht es bei der Nachrüstung älterer Fahrzeuge aus. Hier herrscht Kaufzurückhaltung, auch wegen Unklarheiten über mögliche Förderungen. Der Grund für die teils zögerliche Einführung von Neuwagen mit Filtern ist Experten zufolge eindeutig: „Die Autohersteller sind lange Zeit zu vorsichtig an das Thema herangegangen. Nun geht die Nachfrage hoch, und die Zulieferer sind damit überfordert“, sagt der Automobilforscher Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen.

Nicht selten gibt es jedoch Schwierigkeiten beim Zulieferer des Zulieferers: „Wir haben keine Engpässe was unseren Teil der Produkte betrifft“, sagt Klaus Teubner vom Filter-Hersteller Eberspächer in Esslingen bei Stuttgart. Doch zur Fertigung brauche man spezielle Filterelemente aus Keramik - und bei diesen gebe es Engpässe.

Eine Folge der schlechten Verfügbarkeit der Filter - und auch der späten Entscheidung für ihren Einsatz - ist, dass es viele Modelle bis heute nicht mit dem Abgasreiniger gibt. Wann sich das ändert, ist in einigen Fällen unklar. So kündigt Volkswagen-Sprecher Hans-Gerd Bode in Wolfsburg entsprechende Ausrüstungen des Golf vage für die zweite Jahreshälfte an.

Dass sich mögliche Käufer wegen der langen Wartezeiten in größerer Menge abwenden, glaubt Bode nicht. Das heißt jedoch nicht, dass die Kunden kein Interesse haben: Laut Opel-Sprecher Manfred Daun ordern 40 Prozent der Käufer des Astra mit 1,9-Liter-Diesel auch den gegen Aufpreis erhältlichen Partikelfilter.

Entlastung ist wohl spätestens dann zu erwarten, wenn auch Bosch in Stuttgart groß in die Lieferung einsteigt. „Nach Stand der Dinge werden die Diesel-Partikelfilter bei uns 2006 in Serie gehen“, sagt Sprecher Richard Backhaus. Probleme mit Nachschub an Keramikteilen dürfte es nicht geben: Bosch hat eine Technik des Herstellers HJS in Menden in Nordrhein-Westfalen lizenziert und weiter entwickelt. Statt Keramik kommt dabei Sintermetall zum Einsatz.

HJS selbst will künftig Nachrüst-Programme für verschiedene Marken anbieten. „Die Filter sind noch nicht im Verkauf, wir arbeiten aber mit Hochdruck daran“, sagt Sprecher Christian Renfordt. „Der Preis unserer City-Filter wird bei etwa 650 Euro inklusive Einbau liegen.“ Dass HJS mit dem Verkauf noch wartet, könnte sinnvoll sein: Bei Twin-Tec in Königswinter in Nordrhein-Westfalen bietet man schon Nachrüstungen an, stellt aber geringe Nachfrage fest.

Doch während Nachrüst-Kandidaten noch grübeln, ob sie zum Filter greifen sollen, ist die Qual der Wahl bei Neuwagen keine, meint jedenfalls Daniel Kluge vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin. „Man kann nur dringend abraten, jetzt noch einen Diesel ohne Filter zu kaufen - zum einen in Hinblick auf die Umwelt, aber auch wegen des vermutlich höheren Wertverlustes für Fahrzeuge ohne Partikelfilter.“

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