Weltgesundheitsorganisation
Weltweit 1,24 Millionen Verkehrstote

Während in hochtechnisierten Ländern wie Deutschland die Zahl der Verkehrsopfer 2012 auf ein historisches Tief sank, leben Verkehrsteilnehmer in Entwicklungsländern immer noch gefährlich.
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Genf / SchweizLaut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) starben 2012 auf den Straßen der Welt rund 1,24 Millionen Menschen. Während in hochtechnisierten Ländern wie Deutschland die Zahl der Verkehrsopfer auf ein historisches Tief sank, sind Verkehrsteilnehmer in Entwicklungsländern wesentlich stärker gefährdet. Laut Untersuchung der WHO leben Radfahrer und Fußgänger besonders gefährlich. Auf diese Gruppe entfallen 31 Prozent der Getöteten. Aus demografischer Sicht ist die Altersgruppe zwischen 15 Jahren und 44 Jahren am meisten bedroht. Auf diese Gruppe entfallen 54 Prozent aller Verkehrsopfer. Davon sind wiederum 75 Prozent Männer.

Lediglich in 88 Mitgliedstaaten der WHO sank 2012 die Zahl der Verkehrstoten, in den anderen 87 stieg sie dagegen an. Die gravierenden Unterschiede bei der Verkehrssicherheit zwischen Industrienationen und der Dritten Welt illustriert der Vergleich zwischen Deutschland und Angola. Während 2012 in der Bundesrepublik mit 82 Millionen Einwohnern 3 648 Menschen im Straßenverkehr starben, kamen in Angola mit 19 Millionen Einwohnern im gleichen Zeitraum 4 143 Verkehrsteilnehmer um. In den in puncto Straßenverkehr unsichersten Regionen Afrikas sterben jedes Jahr von 100 000 Einwohnern 24,1 Menschen bei Unfällen. In Europa, wo die Straßen statistisch am sichersten sind, kommen 10,3 Verkehrsteilnehmer pro 100 000 Einwohner bei Unfällen um.

Zwar hat die WHO Standards für die Verkehrssicherheit aufgestellt, jedoch erfüllen nur 28 von 182 untersuchten Staaten diesen Maßnahmenkatalog in vollem Umfang. Diese 28 Länder, in denen lediglich sieben Prozent der Weltbevölkerung leben, verfügen über gesetzliche Regelungen für die Sicherung von Kindern, die Gurtpflicht, eine Helmpflicht für Motorradfahrer oder Strafkataloge für Alkohol im Straßenverkehr oder Geschwindigkeitsübertretungen. In weiten Teilen von Afrika und Asien ist sogar die Gurtpflicht unbekannt. Die unterschiedlichen Sicherheitsstandards illustrieren folgende Zahlen. Nur 59 Länder mit 39 Prozent der Weltbevölkerung kennen eine Geschwindigkeitsbegrenzung in Städten auf 50 km/h oder weniger. Lediglich 89 Nationen, in denen 77 Prozent der Weltbevölkerung leben, kennen Gesetzte gegen Alkohol am Steuer und eine Obergrenze von maximal 0,5 Promille Blutalkoholgehalt. Gerade 32 Prozent der Menschheit lebt in Ländern (96), in denen die Sicherung von Kindern in Autos gesetzlich geregelt ist.

Angesichts des wachsenden Verkehrsaufkommens weltweit, befürchtet die WHO, dass die Zahl der weltweiten Toten im Straßenverkehr bis 2020 auf 1,9 Millionen steigen wird, wenn es nicht gelingt, wichtige Sicherheitsstandards und gesetzliche Regelungen auf breiter Front innerhalb der Mitgliedsländer zu etablieren. Dem soll ein umfangreiches Programm der WHO entgegenwirken, das bereits im Mai 2011 gestartet ist. Es sieht unter anderem ein verstärktes Engagement vor, für die Förderung des Sicherheitsmanagements in unterentwickelten Ländern zu sorgen, ebenso für die Entwicklung sicherer Straßen und Fahrzeuge. Dass dieses Engagement sich lohnt, zeigt die Entwicklung der Verkehrsopferzahlen in Europa. In 40 von 48 Mitgliedsstaaten der WHO in dieser Region sank die Zahl der Opfer des Straßenverkehrs innerhalb von drei Jahren um ein Viertel auf 92 000 Tote in 2012.

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