Nachrichten
Weltreise mit dem Eigenheim

Es gibt Leute, die den Luxus des Reisens auf der Straße suchen. Denn neben den bekannten Reisemobilen für den Familienurlaub existiert auch eine Oberklasse der Caravans. Diese Fahrzeuge kosten meist höhere sechsstellige Beträge.

dpa/gms BOHMTE/DETTENHEIM. Es gibt Leute, die den Luxus des Reisens auf der Straße suchen. Denn neben den bekannten Reisemobilen für den Familienurlaub existiert auch eine Oberklasse der Caravans. Diese Fahrzeuge kosten meist höhere sechsstellige Beträge.

Ihre schiere Größe stellt übliche Wohnmobile nicht nur sprichwörtlich in den Schatten: zwölf Meter Länge sind machbar. „Die Oberklasse des mobilen Reisens beginnt bei etwa 100 000 Euro“, erklärt Ralph Binder, Sprecher des Caravan Industrie Verbandes Deutschland (Civd) in Kriftel (Hessen). „Das teuerste Fahrzeug, das ich bisher gesehen habe, hat 1,24 Mill. Euro gekostet.“ Dass sich solche Mobile nicht in riesigen Stückzahlen verkaufen lassen, dürfte klar sein. „Im Jahr 2003 wurden in Deutschland 145 Reisemobile der Klasse über sieben Tonnen zugelassen, das entspricht einem Marktanteil von 0,8 Prozent.“ Trotzdem haben sich Unternehmen auf die Wünsche dieser kleinen, aber zahlungskräftigen Klientel spezialisiert.

„Wir fertigen 25 bis 30 Fahrzeuge im Jahr“, sagt Frank Mix, Geschäftsführer von Variomobil in Bohmte (Niedersachsen). Angeboten werden hier Reisemobile in den Preisklassen von 170 000 bis 700 000 Euro. Und das günstigste Angebot ist nicht unbedingt das beliebteste: „Oft bewegt es sich in dem Bereich zwischen 300 000 und 350 000 Euro.“

Bei solchen Preisen ist es nahe liegend, dass sich der Kundenstamm nicht vorrangig aus normalen Arbeitnehmern zusammensetzt. „Größtenteils handelt es sich um Menschen im Alter ab 60 Jahren aufwärts“, erklärt Mix. „In vielen Fällen sind es vormals Selbstständige, die zum Beispiel ihren Betrieb verkauft haben.“ Gerade bei diesen Menschen sei das Leben über lange Zeit von Arbeit ausgefüllt gewesen - und nun werde eben nach einer Möglichkeit gesucht, ausgedehnte Reisen zu machen. „Es gibt Leute, die starten mit dem Wagen im Herbst zum Überwintern am Mittelmeer und kommen dann erst nach Ostern wieder zurück.“

Doch es sind nicht nur die wirklich Wohlhabenden, die sich ein solches Nobel-Mobil leisten, sagt Thomas Ritter, Geschäftsführer des Herstellers Unicat in Dettenheim (Baden-Württemberg). „Wir wissen von Leuten, die sich vor zehn Jahren erstmals für unsere Fahrzeuge interessiert haben, und für die wir jetzt eines bauen.“ In der Zwischenzeit wurde für den Reise-Traum gespart.

Bei den angesprochenen Preisregionen versteht es sich fast schon von selbst, dass die Luxus-Reisemobile nicht nur durch schiere Größe beeindrucken - auch die Ausstattung ist entsprechend. „Über Dinge wie eine Lederausstattung reden wir schon gar nicht mehr“, beschreibt Jürgen Köhler die Situation. Er ist mit seiner Firma Köhler Caravan in Elkenroth (Rheinland-Pfalz) Generalimporteur der US-Nobelmarke Monaco für Europa.

Schließlich gehören auch Extras wie elektrisch bedienbare Gardinen oder die bei Sturm automatisch einfahrbare Markise zum Programm. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, die Wohnfläche bei Bedarf mit so genannten Slide Outs zu vergrößern. Hinter dem Begriff verbergen sich ausfahrbare Erker in den Seitenwänden des Mobils, die den Wohnbereich merklich vergrößern - vier solcher Erker sind möglich. In den größeren Modellen gibt es so bis zu 45 Quadratmeter Wohnfläche.

Auch ein anderes Extra setzt sich in der Oberklasse immer weiter durch: das Auto im Auto. „Was früher der Motorroller war, ist heute der Smart“, fasst Thomas Mix die Vorliebe der Kundschaft zusammen. Denn statt sich für Erkundungstouren auf das kleine Zweirad zu zwängen, lässt man heute im Heck des Reisemobils eine Garage einbauen. Die fasst meist einen Kleinwagen - aber auch ein Parkplatz für den Porsche ist möglich.

Doch es geht nicht immer nur um Komfort. So entstehen bei Unicat nach Angaben von Thomas Ritter Mobile, die auch abseits befestigter Wege sicher unterwegs sind und bei arktischen Temperaturen ebenso einsatzfähig bleiben wie in der Wüstenhitze. Mit solchen Reisemobilen werden dann ganze Kontinente erkundet. Auch das 1,24 Mill. Euro teure Fahrzeug ist hier entstanden - für eine Weltreise. Über schleppende Nachfrage nach den Gelände-Wohnmobilen kann man sich beim Hersteller nicht beklagen: „Wir haben zwei Jahre Lieferzeit“, sagt Ritter.

Und während in anderen Wirtschaftsbereichen über Kaufunlust geklagt wird, kommen bei den Nobel-Mobilen sogar neue Anbieter hinzu. Die Firma Offroad Homes in Versmold (Nordrhein-Westfalen) hat erst Ende 2003 mit ihrer Arbeit begonnen und nun erste Prototypen ihres ebenfalls geländegängigen Reisemobils gezeigt. Die Preise sollen nach Angaben von Inhaber Thomas Fressmann bei 170 000 Euro beginnen. „Wir haben vor, jährlich vier bis sechs Fahrzeuge zu bauen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%