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Wenn Autos mit der Bahn in Urlaub fahren

Seit 75 Jahren nimmt die Bahn in Deutschland Autos mit in den Urlaub. Am 1. April 1930 wurden die ersten Personenwagen mit einem Eilgüterzug auf den Weg von Hamburg nach Basel geschickt.

dpa DORTMUND. Seit 75 Jahren nimmt die Bahn in Deutschland Autos mit in den Urlaub. Am 1. April 1930 wurden die ersten Personenwagen mit einem Eilgüterzug auf den Weg von Hamburg nach Basel geschickt.

Einen richtigen Boom erlebte das luxuriöse Angebot dann in den 60er Jahren. Nach einer heftigen Krise setzt die 1996 gegründete Bahntochter DB Autozug Gmbh mit Sitz in Dortmund auf ein kleineres, aber besser ausgelastetes Netz. Hauptproblem der Bahn- Touristiker ist die extrem schwankende Nachfrage.

Von Hamburg nach Basel waren 1930 die von der Reichsbahn einzeln verladenen Autos 33 Stunden lang unterwegs, getrennt von ihren Besitzern. Heute dauert die nur unwesentlich kürzere Strecke ins alemannische Lörrach weniger als acht Stunden. Der Geschäftsführer der DB Autozug, Winfried Czilwa, sieht sein Unternehmen auf einem guten Weg: „Als wir 1996 das Geschäft übernommen haben, um es zu sanieren, fuhren wir nicht-klimatisierte Liegewagen und alte Schlafwagen. Das ist inzwischen passé. Wir haben mittlerweile einen top-modernen Standard.“

Der zum richtigen Zeitpunkt sehr gut nachgefragt wird. „Die Ski- Züge zu den Osterferien sind meist eine Stunde nach Buchungseröffnung ausgebucht“, berichtet Unternehmenssprecher Stefan Karpenstein. Die Stammkunden fiebern dem ersten Buchungstag entgegen, zumal es seit Neuestem auch Schnäppchenpreise gibt. So wird an nachfrageschwachen Terminen das Auto auch auf langen Strecken für 9,90 Euro mitgenommen. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 54 Mill. Euro (2003) will so das Problem angehen, dass zu bestimmten Zeiten so gut wie niemand von den 16 Terminals im Inland und den 13 im Ausland fahren möchte. Selbst in der Hauptsaison schwankt die Nachfrage stark, vor allem wegen des in vielen Feriengebieten üblichen Wechseltermins am Samstag.

Günstige Beispiele können auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Autozug-Preise auf viele potenzielle Kunden abschreckend wirken. Ein Trip noch in der Vorsaison von Frankfurt ins französische Avignon und zurück kostet für eine vierköpfige Familie an die 1 000 Euro. „Die Preiswahrnehmung ist natürlich schon ein Problem für uns. Man darf aber für eine 1 600-Kilometer-Strecke wie Hamburg-Narbonne auch nicht nur drei Tankfüllungen gegenrechnen, sondern muss die Vollkosten beachten“, meint Karpenstein. „Ich spare eine Übernachtung und komme entspannt an“, sagt eine Alleinfahrerin und Autozugkundin aus Wiesbaden, die allerdings in der Vergangenheit einigen Komfort vermisst und sich über von der Sonne aufgeheizte Züge geärgert hat.

Eine wichtige Kundengruppe sind neben den Oldtimer-und Cabriobesitzern die Motorradfahrer, die die Mühsal langer und langweiliger Autobahnfahrten scheuen. Im vergangenen Jahr standen so rund 40 000 Kräder neben 127 000 Autos auf den Laderampen. In den 90ern waren auch schon mal über 200 000 Plätze verkauft worden.

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