Wenn selbst dem Verkäufer die Argumente ausgehen
Opel GT: Aus der Umlaufbahn katapultiert

Wo Opel GT draufsteht, steckt ein Saturn drin. Mit dieser Marke wollte sich General Motors vor mehr als 20 Jahren neu erfinden. Doch der Versuch ging schief. Die Geschichte eines gescheiterten Experiments.

DÜSSELDORF. Gerade hat er noch mit vielen Argumenten einer jungen Frau einen Opel Corsa verkauft. Wortreich hat er ihr auch den Agila und den Meriva angepriesen, die neben dem Corsa in dem grell ausgeleuchteten Showroom des Düsseldorfer Autohauses auf glänzendem Fliesenboden stehen. Aber zu diesem Ding hier, dem Opel GT, dazu fällt dem Mann nicht viel ein.

Lange Haube, kurzes Heck, ein 264 PS starker Motor vorn, hinten ein versenktes Verdeck, dazwischen zwei Ledersitze. „Man hat dem Auto zwar den Opel-Blitz verpasst“, sagt der Verkäufer und wischt eine Fluse von der Haube, „aber ansonsten hat er mit Opel, mit solider deutscher Ingenieurskunst nichts zu tun. Hier, sehen Sie sich die Lücken an.“ Er zeigt auf einen Spalt, der zwischen Karosserie und Stoßstange klafft. An einer Stelle kann man den kleinen Finger reinstecken, an einer anderen passt gerade mal der Fingernagel rein.

Am Heck genau dasselbe. „Hauptsache, die Stoßstange bleibt dran, hat sich der Monteur gedacht. Wie sie angebracht ist und wie das Ganze am Ende aussieht, ist egal“, murmelt der Verkäufer. Ihm fallen wirklich kaum Argumente ein, warum man diesen Wagen kaufen sollte.

Der Opel GT wird in Wilmington im US-Bundesstaat Delaware gebaut. Motor und Fahrwerk stammen aus dem Baukasten der maladen Opel-Mutter General Motors (GM) und sind in großen Teilen identisch mit anderen Modellen des Konzerns. Nun kämpft GM ums Überleben. Die Milliardenprobleme des Unternehmens bedrohen auch Opel und den Düsseldorfer Verkäufer. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum er sich schwertut, den GT an den Mann zu bringen. Er soll ein gescheitertes Experiment bewerben – eines, das beispielhaft zeigt, wie sich der einst größte Autohersteller der Welt in die Krise manövriert hat.

Wo Opel GT draufsteht, steckt eigentlich ein Saturn drin – jener GM-Ableger, der in den 80er-Jahren mit großen Hoffnungen an den Start ging. Der amerikanische Massenhersteller reagierte damit auf die japanische Konkurrenz, die ihm zusetzte. Mit Saturn wollte sich GM neu erfinden und der Welt zeigen: Wir in Detroit haben das Autobauen nicht verlernt.

Zunächst machte GM mit Saturn tatsächlich Boden in seiner Heimat gut. „Saturn war in den letzten 25 Jahren der einzige innovative Versuch von GM, sich auf die neuen Wettbewerbsbedingungen einzustellen“, sagt der Analyst einer New Yorker Bank. „GM hat aber nicht lange durchgehalten.“ Nach einigen Jahren ging auch Saturn im Detroiter Multimarkenkonzern auf. Wagen mit dem Saturn-Logo gehörten zu den Allerweltsmodellen, von denen GM schon so viele hatte – egal, ob sie Chevrolet, Pontiac, Oldsmobile, Buick, GMC oder Cadillac hießen.

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