Werkstätten-Test
ADAC: Sorgfalt in Autowerkstätten könnte besser sein

Viele Vertragswerkstätten deutscher Autohändler arbeiten nicht sorgfältig genug. Nach einer bundesweiten Stichprobe des ADAC in 75 Werkstätten fanden mehr als ein Viertel der Betriebe nicht alle Fehler.
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dpa/tmn MÜNCHEN. Besonders ärgerlich: Die Autofahrer mussten auch für Arbeiten bezahlen, die überhaupt nicht ausgeführt wurden, wie der ADAC am Dienstag mitteilte. Der Automobilclub kritisierte auch, dass Rechnungen nicht immer verständlich seien.

Der ADAC hatte von einem Sachverständigen in alle gewarteten Autos fünf simple Fehler einbauen lassen: Die Kennzeichenleuchte war defekt, zu wenig Kühlmittel im Auto, ein Scheinwerfer verstellt und der Auspuff ausgehängt. Zudem war der Druck im Reserverad zu niedrig oder das Pannenset fehlte. All das hätten die Mechaniker bemerken und beheben müssen, wenn sie sich an die vom Hersteller vorgeschriebene Wartungsliste gehalten hätten.

Dennoch schnitten beim aktuellen Werkstatt-Test knapp ein Drittel der 49 getesteten Betriebe mit der Note "sehr gut" ab. Vier Prozent kassierten dagegen nur ein "ausreichend" oder sogar ein "mangelhaft". Enttäuschend war den Angaben zufolge vor allem das Ergebnis der Vertragswerkstatt eines japanischen Autoherstellers, in der unter anderem vier von fünf Mängel unbeachtet blieben. Der ADAC nahm für seinen Check je fünf Betriebe der 15 absatzstärksten Automarken hierzulande unter die Lupe. Insgesamt am besten schnitten die fünf getesteten Mercedes-Werkstätten ab - sie erhielten alle ein "sehr gut".

Der Test sei zwar besser ausgefallen als im Vorjahr, sagte der ADAC-Verkehrsingenieur Markus Sippl. Dennoch gebe es weiter Kritikpunkte. "Die größten Probleme sehen wir darin, dass Werkstätten die einzelnen Prüfpunkte der Wartungsliste einfach abhaken, ohne sie auch konkret durchzuführen." Zumindest geschehe das bei einigen Werkstätten. Das sei auch die Hauptursache dafür, dass Mängel übersehen wurden.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Aber auch Laien können die Qualität ihrer Werkstatt überprüfen, sagte Christian Buric vom ADAC. Anhand der ausgehändigten Wartungsliste können Autofahrer kontrollieren, ob ihre Werkstatt sorgfältig gearbeitet oder geschlampt hat. Vertragswerkstätten müssen die Listen nach Herstellervorschrift abarbeiten - erledigte Posten werden dabei vom Monteur abgehakt. Jeder Kunde könnte so kontrollieren, ob diese Arbeiten tatsächlich erledigt wurden, sagte Buric. Dazu müssten sie kein Experte sein.

Wurde beispielsweise beim Punkt "Kühlwasserstand prüfen" ein Haken gesetzt, aber der entsprechende Behälter im Auto ist bei der Fahrzeugabholung gar nicht vollgefüllt, sollten Verbraucher argwöhnisch werden. Ähnlich schnell ist der auf der Liste abgehakte Punkt "Beleuchtung kontrollieren" überprüft - denn dann darf keine Leuchte am Auto mehr defekt sein. Den Wartungsposten "Reifendruck prüfen" haben Kunden ebenfalls leicht selbst kontrolliert.

Bei Unklarheiten nachhaken

"Bei Sachen, die der Laie nachprüfen kann, sollte er tatsächlich nachgucken", empfiehlt Buric. Denn wurden schon diese Dinge nicht ordnungsgemäß erledigt, kann das ein Indiz dafür sein, dass womöglich auch bei komplizierteren Wartungsarbeiten geschlampt wurde. Diese kann ein Laie in der Regel aber nicht selbst nachprüfen.

Buric rät zudem, in der Werkstatt immer als "mündiger Kunde" aufzutreten und bei unklaren Dingen nachzuhaken. So sollten Verbraucher Rechnungen nicht eher bezahlen, bis sie sämtliche darauf aufgelisteten Positionen nachvollziehen können. Bei Unklarheiten sollte der Meister ihnen die Rechnung erläutern. Eine ausgehändigte Wartungsliste, eine transparente Rechnung und ein insgesamt kundenfreundlicher Service zeichne eine gute Autowerkstatt aus.

Fahrzeughalter sollten Wartungsaufträge immer schriftlich erteilen und sich ihr Auto zuvor zusammen mit einem Serviceberater der Autowerkstatt anschauen, rät der Club.

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