Wertewandel
Nur noch jeder Fünfte macht den Führerschein mit 17

Der Führerschein hat seine Attraktivität bei vielen Jugendlichen verloren. Junge Erwachsene priorisieren anderes: Sie wollen lieber ein Smartphone oder einen Kurztrip ins Ausland. Fahrschulen sehen den Trend gelassen.
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Stuttgart/BerlinImmer weniger junge Menschen machen ihren Führerschein so früh wie möglich. Der Trend weg vom frühen Führerschein hält laut Experten an - habe sich zuletzt sogar verfestigt.

In Großstädten wie Berlin legt nach Angaben der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BFV) nur noch etwa jeder fünfte Jugendliche die Fahrprüfung gleich mit 17 Jahren ab. Inzwischen werde die Abdeckung mit 90 Prozent pro Jahrgang bis zu sechs Jahren später und somit erst im Alter von 23 oder 24 erreicht. Ähnliche Beobachtungen machen der Bundesverband Deutscher Fahrschulunternehmen (BDFU) und das Kraftfahrtbundesamt.

Mit 15 Jahren der Mofa-Führerschein, mit 16 der fürs Moped, mit 17 dann fürs Auto - dieses Ziel habe heute eigentlich nur noch die Jugend auf dem Land, sagte BDFU-Chef Rainer Zeltwanger der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.

Beziehungsweise überall dort, wo man mit Bahnen oder mit dem Fahrrad nicht so einfach unterwegs ist wie in der Großstadt. Der Wunsch nach dem frühen Führerschein sei nur noch dort vorhanden, „wo man sonst aufs Taxi Mama angewiesen ist“.

Fahrlehrer und Fahrschulunternehmen machen einen grundsätzlichen Wertewandel bei der Jugend aus. Das Auto - „breiter, tiefer, schneller“ - habe als Status- oder „Männlichkeitssymbol“, wie Zeltwanger es nennt, bei der Jugend ausgedient.

Was laut BFV jedoch nichts mit den Kosten von durchschnittlich „1500 Euro plus-minus 400“ zu tun habe. „Das Geld wird heute für andere Sachen ausgegeben“, sagte BFV-Chef Gerhard von Bressensdorf: das besondere Smartphone, das schicke Kleid, ein teures Rennrad.

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Die politische Botschaft hinter dem Trend

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  • @ Hr. Narrog

    Das die Politik die Autos aus den Großstädten möglichst verdrängen möchte und die Bürger zum öffentlichen Nahverkehr drängt ist kein Geheimnis. Damit wird der Smog, Feinstaub etc. aus der Stadt ferngehalten. Finde ich bis zu einem gewissen Grad auch sinnvoll.

    Was allerdings die Gemeinden auf dem Land z.T. veranstalten grenzt an Wegelagerei. Manche Geschwindigkeitsbegrenzungen sind reine Schikane oder nur dazu da, um das Stadtsäckle zu füllen.

    Klar, wenn überall nurnoch Fahrradgeschwindigkeit gefahren wird,gibt es praktisch keine Verkehrstoten mehr. Damit lässt sich alles begründen/rechtfertigen. Mit der gleichen Begründung müsste man aber auch den Alkohol, die Zigaretten, Vergnügungsparks und was es sonst noch so gibt im Leben abschaffen.

  • Zu meiner Jugendzeit 70 - 80 er Jahre waren Motorräder und Autos Symbole der Freiheit und Statussymbole. Sie ermöglichten individuelle Mobilität mit Spassfaktor.

    Wesentliche Unterschiede sind heute die ständigen, häufig abwegigen Geschwindigkeitsbeschränkungen die dann mit einer Unzahl Radarfallen überwacht werden und die überall anzutreffenden Parkverbote und Parkgebühren.

    Wenn man auf den Hauptverkehrsstrassen z.B. in Friedrichshafen (ökomarxistische Landesregierung in BaWü)nur mehr 30 fahren soll, alle 200m eine Radarfalle, ist das Auto nur mehr ein Verkehrsmittel. Es bedarf dann auch keines PS-starken Deutschen Autos mehr.

    In manchen Städten kann man den Eindruck haben, dass man das Auto mittels Parkplatzbewirtschaftung abschaffen möchte.

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