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Wichtiger Beobachter mit Schwächen

Das Erlebte ist für Verkehrsunfallopfer meist schon schlimm. Doch wenn nach einem Crash der Verursacher seine Schuld bestreitet, kann es für sie richtig unangenehm werden: Schlimmstenfalls müssen sie für den Schaden mit aufkommen.

dpa/gms MECKENHEIM/MÜNCHEN. Bei Unfällen mit strittiger Schuldfrage ist es für Geschädigte daher von Vorteil, wenn sie Zeugen benennen können. „Zeugen sind ein sehr wichtiges Beweismittel“, sagt Adac-Jurist Michael Ludovisy in München. Ihre Aussagen könnten „fallentscheidend“ sein. Jemand, „der zuverlässig das Entstehen eines Unfalls beobachtet hat“, sei bei der Aufklärung „eine ganz wichtige Figur“, bestätigt Rainer Hessel von der Deutschen Verkehrswacht (DVW) in Meckenheim bei Bonn. „Es kann unter Umständen nur von seiner Aussage abhängen, wie das Verfahren ausgeht.“

Darum rät der Adac, sich nach einem Crash Zeugen „zu sichern“. Geschädigte sollten laut Pressesprecher Maximilian Maurer Namen, Adresse und Telefonnummern von Zeugen aufschreiben - bevor sich diese vom Unfallort entfernen. Auch der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin rät, sich die Daten von Zeugen zu notieren.

Aber Zeuge ist nicht gleich Zeuge: So genannte Knallzeugen sind laut Rainer Hessel für die Klärung der Schuldfrage wertlos. Als „Knallzeugen“ werden Personen beschrieben, die erst durch den beim Zusammenstoß erzeugten Knall aufmerksam werden, vom eigentlichen Unfallhergang aber nichts mitbekommen haben. Auch bei „übereifrigen“ Zeugen, die am Unfallort ihre Hilfe aufdrängen wollen, sei Vorsicht angebracht. Es könnte sich um Betrug handeln, warnt Hessel.

Doch selbst die Glaubwürdigkeit seriöser Unfallzeugen stellten manche Experten in Frage, sagt Adac-Sprecher Maurer. Es gebe Studien, wonach auch viele ihrer Aussagen nicht stimmen. „Man glaubt, man hat etwas so oder so gesehen, aber das Gehirn spielt einem einen Streich“, erklärt Maurer. Bei hohen Geschwindigkeiten, die bei Verkehrsunfällen oft im Spiel sind, könne die Zeitwahrnehmung trügen.

Daraus ergebe sich der Umstand, dass Zeugenaussagen zu Unfällen trotz ihrer grundsätzlichen Bedeutung sehr ungewisse Beweise sind, so Adac-Jurist Ludovisy. Wie glaubwürdig eine Aussage letztlich ist, stelle sich oft erst im Verfahren heraus - nicht zuletzt deshalb, weil Richter nach der freien Beweiswürdigung entscheiden. Zudem komme es darauf an, ob die Gegenseite ebenfalls Zeugen benennt. Allerdings haben in einem Verfahren auch die Gutachter ein wichtiges Wort mitzureden, sagt Adac-Sprecher Maurer: „Diese können Zeugenaussagen wieder gerade rücken.“

Bleibt es beim Bagatellschaden, kommt es nicht so sehr auf Zeugen an. Zwar könnten sie im Zweifelsfall helfen, räumt GDV-Sprecher Klaus Brandenstein ein. Ob sich aber der für die Regulierung zuständige Sachbearbeiter die Aussagen in jedem Fall anschaue, sei fraglich. Schließlich sei bei über 90 % aller Schadensfälle die Schuld unstrittig: „Wenn sich zwei einig sind, braucht man keine Zeugen.“

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