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Wie alte Reifen verwertet werden

Ausgediente Autoreifen können eine bewegte Zukunft haben. Die Industrie hat einen Verwertungskreislauf entwickelt, der pro Jahr rund 600 000 Tonnen Altreifen erfasst, so die Gesellschaft für Altgummi-Verwertungssysteme (Gavs) in Frankfurt.

dpa/gms FRANKFURT/MAIN. Ausgediente Autoreifen können eine bewegte Zukunft haben. Die Industrie hat einen Verwertungskreislauf entwickelt, der pro Jahr rund 600 000 Tonnen Altreifen erfasst, so die Gesellschaft für Altgummi-Verwertungssysteme (Gavs) in Frankfurt.

Auf die allermeisten wartet damit auch nach der Zeit auf der Felge eine nützliche Zukunft. Reif für die Verwertung sind Reifen nach Angaben des Herstellers Michelin in Karlsruhe immer dann, wenn das Profil zerschlissen oder die Gummimischung zu stark gealtert ist. „Der Gesetzgeber schreibt eine Mindesttiefe von 1,6 Millimetern vor“, sagt Michelin-Sprecher Jan Hennen. Doch empfohlen werden von den Reifenherstellern im Sommer mindestens 2,5 und im Winter 4,0 Millimeter.

Für das Höchstalter gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Reifenhandel und Vulkanisierhandwerk (BRV) in Bonn dagegen statt einer gesetzliche Regelung nur eine brancheneinheitliche Empfehlung. So verweist Michelin darauf, dass Reifen auch dann altern, wenn sie nicht oder wenig genutzt werden. Von einem gewissen Alter an sei mit erheblichen Sicherheitseinbußen zu rechnen, obwohl die Reifen in der Produktion mit einem speziellen Alterungsschutz versehen würden: „Experten empfehlen deshalb, unabhängig von der konkreten Belastung, keine Reifen mehr zu verwenden, die älter als acht Jahre sind“. Nicht vergessen werden sollte dabei der Ersatzreifen im Kofferraum.

Zu erkennen ist das Reifenalter laut BRV an der „DOT“-Nummer. Die letzten vier Stellen dieser auf der Flanke eingeprägten Ziffernkombination stehen für die Kalenderwoche und das Jahr der Produktion. So kann errechnet werden, wie alt der Reifen schon ist.

Wird der Reifen aus dem Verkehr gezogen, muss er nach Angaben des Wirtschaftsverbandes der deutschen Kautschukindustrie (WDK) mit Sitz in Frankfurt fachgerecht verwertet werden. „Bereits seit dem 16. Juli 2003 ist es in Deutschland verboten, Altreifen auf Deponien zu entsorgen“, sagt Helmut Hirsch aus der WDK-Geschäftsführung.

Die Händler nehmen laut einer BRV-Statistik im Mittel eine Gebühr von etwa zwei Euro pro Reifen und sorgen für ihre weitere Verwertung. Der größte Teil der Altreifen wird nach Angaben der Gavs „energetisch verwertet“ - was nichts anderes heißt, als dass die Pneus in den Öfen von Zementindustrie und Heizkraftwerken verbrannt werden. Altgummi sei „als Ersatzbrennstoff energiereicher und preiswerter als Kohle“. Zudem sei er in der Zusammensetzung homogener als Kohle und habe ein niedrigeres Schadstoff-Potenzial. Nach Angaben des BRV wurden auf diesem Wege in Deutschland im Jahr 2003 etwa 270 000 Tonnen Altreifen entsorgt. Weitere 40 000 Tonen wurden zu diesem Zweck exportiert.

Was die Industrie nicht verheizt, wird tatsächlich noch einmal verwendet. So übernehmen nach Angaben der Gavs die Runderneuerer pro Jahr etwa 65 000 Tonnen alte Reifen, um den Unterbau mit einer neuen Deckschicht und frischem Profil zu überziehen und so eine preiswerte Alternative zum Neureifen anbieten zu können. Viele Autoreifen finden somit ein zweites Mal auf die Straße.

„Altreifen mit besonders viel Restprofil fahren oft noch viele Jahre in klimatisch weniger rauen Regionen weiter“, heißt es bei der Gavs. Während in Deutschland regennasse Straßen und der Gesetzgeber zur Beachtung der Profiltiefe gemahnen, reichen vielen Fahrern im trockenen Afrika herunter gefahrene Reifen. Pro Jahr werden etwa 37 000 Tonnen dazu aus Deutschland ausgeführt. Ebenfalls auf der Straße bleiben laut Industrie die rund 110 000 Tonnen Altreifen, die als Granulat oder Gummimehl von der Bauindustrie verarbeitet und als Dämmstoff oder im Straßenbelag eingesetzt werden.

Nur etwa 7 000 Tonnen alte Reifen pro Saison werden völlig artfremd eingesetzt. Sie dienen als Stoßfänger in Hafenanlagen, beschweren große Planen über landwirtschaftlichen Vorräte, stützen Schirme in Biergärten - oder sie erfreuen Kinder als Schaukel auf Spielplätzen.

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