Wie der Schrott auf den Gebrauchtwagenmarkt wandert
Altautos fahren in den Osten

Patrick Naß ist auf die Europäische Union gar nicht gut zu sprechen. Die neue Altfahrzeugrichtlinie hat seinen Betrieb viel Geld gekostet. Der Inhaber der Warne Recycling GmbH in Duisburg muss seit Jahresbeginn bei der Verwertung von Altautos einen hohen Anforderungskatalog erfüllen.

KÖLN. Warne ist nun ein Premium-Verwerter. Und doch finden immer weniger Rostlauben den Weg in sein Unternehmen. Mittlerweile macht die Auto-Verwertung nicht einmal mehr zehn Prozent des Umsatzes aus. Das Geschäft dominiert der Schrott- und Metallhandel: „Wenn wir vom Autorecycling leben müssten, hätte ich längst die weiße Fahne aus dem Fenster gehängt.“

In Deutschland gilt seit Jahresbeginn die Altfahrzeugverordnung, die Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie. Demnach müssen Fahrzeughersteller und -importeure alle Wagen ihrer Marken kostenfrei zurücknehmen und entsorgen. Den professionellen Autoverwertern sollte die Verordnung eigentlich neue Aufträge bescheren. Doch das Gegenteil ist eingetreten.

Die Fahrzeugrecycler mussten viel Geld investieren, um die neuen gesetzlichen Vorgaben für eine Zertifizierung zu erfüllen. Gleichzeitig bekommen sie immer weniger Nachschub für ihre Anlagen, weil schrottreife Autos statt in deutsche Schrottpressen in großem Stil ins Ausland gehen.

Das Problem: „In dem Moment, in dem ich einen Schrottwagen als Gebrauchtwagen definiere, kann ich ihn ungehindert exportieren. Der Gesetzgeber hat gehofft, dass die Marktteilnehmer sich an die Spielregeln halten. Aber das klappt nicht: Der Markt hat sich ein Ventil gesucht“, erklärt Ulrich Leuning, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV). Der weitaus größte Teil der Gebrauchtwagen gehe heute über die Grenzen. Viele Recyclingunternehmen hätten die Sparte Autoverwertung eingestellt, andere seien gar auf den Gebrauchtwagenhandel umgeschwenkt, sagt Leuning.

Die Altfahrzeugverordnung heizt den florierenden Export spürbar an. Vor allem in Osteuropa finden die deutschen Rostlauben dankbare Abnehmer. Seitdem viele der osteuropäischen Staaten EU-Mitgliedsländer geworden sind, haben sie Westafrika als bevorzugte Exportregion abgelöst.

Polen beispielsweise hat nach BDSV-Angaben noch im Jahr 2004 nicht einmal 50 000 ehemals in Deutschland zugelassene Fahrzeuge neu angemeldet. Nach der EU-Osterweiterung stieg dieser Wert sprunghaft auf über 600 000 an. Im vergangenen Jahr meldeten die Polen gar 665 000 Wagen neu an, die in Deutschland keiner haben wollte.

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