Wie Raser ihre Wut rauslassen
Abreißen, demolieren, anzünden

In ihrer Wut kennen ertappte Raser kaum Grenzen: Sie sägen Radaranlagen ab, beschießen sie, bewerfen sie mit Steinen oder stecken sie in Brand. Mit einer für die Polizei bislang neuen Methode hat nun ein zuvor geblitzter Temposünder im Kreis Osterode am Harz (Niedersachsen) versucht, seiner Strafe zu entgehen.

HB OSTERODE. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, riss der Unbekannte in einer Tempo-70-Zone der Bundesstraße 243 alle Schilder raus, die auf das Tempolimit hinweisen. Beamte fanden die Schilder am Montag im Straßengraben.

„Vermutlich handelt es sich bei dem Täter um einen Raser, der zuvor von der fest installierten Radaranlage an der B 243 geblitzt wurde“, sagte ein Sprecher der Polizei. Das Schlimme: Möglicherweise werde der Unbekannte mit seiner rabiaten Aktion nicht nur selbst Erfolg haben, sondern auch gleich noch andere Temposünder vor Bußgeldern und Punkten in Flensburg oder sogar Fahrverboten bewahren. Denn die am Montag geblitzten Raser könnten sich darauf berufen, dass kein Schild auf Tempo 70 hingewiesen habe.

„Wir hoffen allerdings, dass wir den rabiaten Schilder-Schmeißer doch noch ermitteln können“, sagte der Beamte. Dem Täter drohe ebenso eine Verurteilung wie einem 75 Jahre alten Rentner, den das Amtsgericht Goslar zu einer Geldstrafe verdonnerte. Der Senior aus der Region Hannover, der früher schon einmal durch Schüsse auf eine Überwachungsanlage im Raum Fulda aufgefallen war, hatte im Harz einen Starenkasten mit Steinwürfen attackiert, nachdem dieser ihn geblitzt hatte.

Ein weiterer, allerdings unbekannt gebliebener Raser hatte im Harz zuvor bereits ein anderes Blitzgerät zerstört und angezündet. Auch im Landkreis Hildesheim war eine Anlage angesteckt worden. Diese Fälle blieben ebenso ungesühnt, wie die wiederholten Attacken Unbekannter auf Blitzanlagen im Landkreis Göttingen. Vor einigen Jahren war ein Verkehrssünder dort gleich „auf Nummer sicher“ gegangen. An einer Ampel montierte er die gesamte Rotlicht-Überwachungskamera ab und nahm die 20 000 Euro teure Anlage mit.

Mit einer Geldstrafe und einer Führerscheinsperre büßen musste ein 22-Jähriger im Kreis Peine, der stets mit verdeckten Kennzeichen und zu hohem Tempo durch die fest installierten Radarfallen fuhr und dabei den Mittelfinger zeigte. Erst nach einem Unfall kam ihm die Polizei auf die Schliche. Gleich mehrfach wurde eine Radarfalle auf der Autobahn A 44 bei Kassel Ziel von rabiaten Temposündern. Zunächst schafften Unbekannte die Anlage komplett weg. Das Nachfolgemodell wurde dann von einem 19-Jährigen mit Axtschlägen und einem Brandsatz zerstört. Die Polizei ermittelte ihn mit einem DNA-Test unter 140 Verdächtigen. Er hatte Blutspuren an der Anlage hinterlassen.

Für die Behörden sind die Radaranlagen ein einträgliches Geschäft: Mit der Radarfalle bei Kassel treibt das Land Hessen jährlich Bußgelder in Höhe von wenigstens einer Million Euro ein. Und für den Landkreis Hildesheim rentierte sich eine kürzlich an der Bundesstraße 1 bei Heyersum installierte Kamera schon nach kurzer Zeit. Binnen zwei Monaten blitze der 50 000 Euro teure Starenkasten mehr als 5 000 Raser und sorgte für die Einnahme von rund 45 000 Euro an Verwarnungsgeldern.

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