Wiedeking wagt mit gefüllter Kasse einen Kraftakt
„Panamera“ soll Porsche auf Touren halten

Porsche hat die langjährigen Spekulationen um eine vierte Baureihe beendet. Konzern-Chef Wendelin Wiedeking hat am Mittwoch die Katze aus dem Sack gelassen.

HB STUTTGART. Wiedeking rechnete gemeinsam mit dem Aufsichtsrat noch einmal in der Stuttgarter Konzernzentrale alle Zahlen durch, dann hoben die Kontrolleure des profitabelsten Autobauers der Welt den Daumen: Das neue viertürige Sportcoupé „Panamera“ wird gebaut und soll in den kommenden Jahren den Gewinnmotor der Stuttgarter weiter auf hohen Touren halten.

Das Luxusauto, das ab 2009 verkauft wird, ist auch als Angriff von Porsche auf seine süddeutschen Oberklasse-Konkurrenten BMW, Mercedes- Benz und Audi zu verstehen. Aus Branchenkreisen war zu hören, dass der „Panamera“ als exklusive Alternative zur Mercedes-S-Klasse, zum BMW-Siebener oder dem Audi A8 Käufer anlocken soll. Im für Porsche wichtigsten Markt USA werde der „Panamera“ zudem beweisen müssen, ob er sich gegen Toyotas Luxusmarke Lexus behaupten könne, sagt Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer.

Seit langem wurde in der Branche über die vierte Baureihe gerätselt. Als Wiedeking sich seinerzeit für den Geländewagen Cayenne entschied, löste er mit dem Satz „Nach drei kommt vier“ bei Anlegern und Analysten eine nachhaltige Euphorie aus, die den Aktienkurs des Konzerns inzwischen auf knapp 660 € katapultiert hat. Wiedeking setzt konsequent seine Strategie der vergangenen Jahre fort. Als er 1992 das Ruder übernahm, stand die legendäre Sportwagenschmiede am Abgrund. Der Manager krempelte das Unternehmen um, belebte den Mythos 911 neu und punktete mit dem Erfolgsroadster Boxster. Vor zweieinhalb Jahren brachte Porsche den Geländewagen Cayenne auf den Markt und verkauft in diesem lukrativen Segment noch immer 40 000 Fahrzeuge.

Bei der vierten Baureihe hatte Wiedeking lange Zeit gezögert. Stets betonte der bodenständige Vorstandschef, das neue Modell müsse sich auch bei anhaltender Dollarschwäche rechnen, für ein Kostenabenteuer sei er nicht zu haben. Beim Cayenne holte er sich deshalb VW als Partner ins Boot, der Wagen teilt sich mit dem Touareg die in Bratislava gebaute Plattform. Porsche wird den „Panamera“ nun allein entwickeln, die Karosserie könnte beim Zulieferer Magna Steyr in Graz zusammengeschweißt werden. Unterschrieben ist der Vertrag aber noch nicht. Anschließend soll das Fahrzeug im Porsche-Werk Leipzig, wo 600 neue Jobs entstehen, montiert werden. Auch hier werden noch abschließende Gespräche mit dem Betriebsrat geführt.

Porsche, bis 2008 gegen Kursverluste voll abgesichert, kann finanziell in die Vollen gehen. Denn die Gewinnrücklagen betragen fast zwei Mrd. €. Gut verdienen dürften die Stuttgarter weiter. So sagt Analyst Robert Heberger von der Privatbank Merck Finck: „Porsche hat eine der überzeugendsten langfristigen Strategien in der Autobranche.“ Die ohnehin schon weltweit einzigartige operative Gewinnmarge von 17,1 % könne bis 2006/2007 auf 19,3 % anziehen.

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