Wildunfälle
Warum Autofahrer auf den Kosten sitzenbleiben

Es muss kein Schwein sein: Auch Begegnungen mit Kleinwild enden fatal, wenn Autofahrer vor Schreck ausweichen. Da Versicherungen ungern zahlen, sind die Richter gefragt.

Hase

Eine Hessin fuhr nachts mit Tempo 90 auf einer Bundesstraße. Plötzlich hoppelte von rechts ein Hase über die Straße. Die Frau zog das Steuer vor Schreck nach links. Meister Lampe entkam, das Auto landete im Straßengraben. Den Schaden von 6 000 Euro musste die Teilkaskoversicherung nicht zahlen. Wer bei 90 Stundenkilometern wegen eines kleinen Tieres den Lenker herumreiße, handele "grob fahrlässig". Auch die Berufung auf das Tierschutzgesetz half der Hasenretterin nicht. "Wer aus Tierliebe einem Hasen ausweicht, verdient Zustimmung", so die Richter. Schadensersatz von seinem Versicherer bekomme er deshalb aber nicht (Bundesgerichtshof, IV ZR 321/95).

Fuchs

Pech hatte auch ein Thüringer, der spätabends wegen eines Rotfuchses auf die Bremsen seines Renault Clio stieg, das Steuer zur Seite zog und deshalb in den Leitplanken landete. Die 7 000 Euro teure Reparatur musste er allein zahlen. Da der leichte Fuchs keinen hohen Schaden am Auto angerichtet hätte, sei seine Reaktion "unverhältnismäßig" gewesen (Bundesgerichtshof, IV ZR 276/02).

Rehe

Auch in Berlin gibt es Rehe. Das erfuhr ein Autofahrer, als er mit seinem Wagen ein die Straße überquerendes Rotwild streifte. Der Crash endete an einem Baum. An sich hätte die Kaskoversicherung zahlen müssen, schließlich war es erst zur Kollision und dann zur Richtungsänderung gekommen. Der Berliner hatte jedoch das Kleingedruckte im Versicherungsvertrag übersehen und nicht, wie bei einem "Wildschaden von mehr als 300 Euro" vorgeschrieben, sofort die Polizei verständigt. Er konnte sich auch nicht damit rausreden, dass die Formulierung für Laien unverständlich sei. Auch "durchschnittliche Versicherungsnehmer" wüssten, dass sich der Geldbetrag auf Schäden am Auto und nicht am Tier bezögen, so die Richter (Kammergericht Berlin, 6 U 62/06).

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