Yamaha MT-09
Der emotionale Mittelklasse-Angriff aus Japan

Japanische Mittelklasse-Motorräder haben einen guten, aber langweiligen Reihen-Vierzylinder – bisher. Der Drilling in der neuen MT-09 will den Gegenbeweis antreten – und mit einem Kampfpreis der Konkurrenz einheizen.
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DüsseldorfYamaha wird im Oktober 2013 als komplette Neuentwicklung die MT-09 auf den Markt bringen. Das Dreizylinder-Naked-Bike schöpft aus 850 Kubikzentimetern Hubraum eine Leistung von 115 PS bei 10.500 Umdrehungen in der Minute. Das Drehmomentmaximum beträgt 86 Newtonmeter, die bei 8.500 Touren anliegen. Als Getriebe kommt eine ebenfalls neu entwickelte Sechs-Gang-Schaltung zum Einsatz.

Yamaha verspricht für die MT-09 ein Leergewicht von rund 188 Kilogramm (mit ABS 191 Kilogramm), womit das neue Modell leichter wäre als der Supersportler YZF-R6. Ein 14-Liter-Tank mit Einbuchtungen für die Knie, eine einteilige 3-in-1-Auspuff-Anlage und 17-Zoll-Räder sind weitere Merkmale. Die MT-09 soll Schräglagen bis 51 Grad erlauben. ABS wird allerdings Aufpreis kosten.

Die MT-09 soll die neue Generation der MT-Modellreihe einleiten. Laut Yamaha läutet sie sogar „eine neue Evolutionsstufe bei Sportmotorrädern ein“. In der Tat verfolgt die MT-09 bei dem selben Grundkonzept mit einem aggressiven Naked-Bike-Look und aufrechter, nach vorne geneigter Sitzposition eine neue Richtung: Der komplett neu entwickelte Dreizylinder soll mit hohem Drehmoment und guter Fahrbarkeit den Kunden auch im Alltag Fahrspaß bieten. Die bisherigen MT-Modelle MT-03 mit einem 48 PS starken Einzylinder und die MT-01 mit einem drehmomentstarken 1,7-Liter-V2 (90 PS) waren eher auf eine spezielle Zielgruppe ausgerichtet.

Der Dreizylinder soll für diejenigen interessant sein, die entweder aus der 600-er Klasse aufsteigen oder aus der Ein-Liter-Klasse zurückgehen. In die Entwicklung des neuen Triebwerks sind auch die Erfahrungen aus der MotoGP eingeflossen: So hält Yamaha auch bei dem Drilling an dem Crossplane-Prinzip fest, das ursprünglich aus der M1 von Valentino Rossi und Weltmeister Jorge Lorenzo stammt. Der Hubzapfenversatz von 120 Grad und die regelmäßige Zündfolge (0 Grad, 240 Grad, 480 Grad) sollen für eine besonders gleichförmige Entfaltung von Leistung und Drehmoment sorgen.

Da der Motor kleiner und leichter ist als der ähnlich starke Vierzylinder aus der Yamaha FZ8, konnten die Ingenieure dementsprechend den Rahmen aus Alu-Druckguss kompakter bauen – das sorgt neben den 10 Kilogramm Gewichtsersparnis beim Motor für weitere 10 Kilogramm weniger auf der Waage. Die Diät geht auch bei der Abgasanlage weiter: Das System sitzt schwerpunktgünstig unter dem Motor, das Endrohr ist vor dem Hinterrad versteckt. Die gut aussehenden, aber schweren Trompeten unter dem Sozius-Sitz der MT-01gehören damit der Vergangenheit an.

Zeitgleich mit der MT-09 wird Yamaha auch speziell angepasstes Zubehör auf den Markt bringen. So soll sich jeder Kunde den sportlichen Allrounder an seine persönlichen Bedürfnisse anpassen können – in Richtung Sport mit Hochleistungs-Anbauteilen oder in Richtung Touring mit Koffern. Weitere Angaben zum Zubehör macht Yamaha derzeit nicht.

Mit der in vier Farben erhältlichen MT-09 zielt Yamaha auf den aktuellen Serien-Testsieger Triumph Street Triple ab, die 106 PS aus einem etwas hubraumschwächeren Dreizylinder schöpft. Das zeigt sich auch beim Preis: Mit 7.495 € – beziehungsweise 7.995 € für die ABS-Variante – unterbietet die MT-09 das britische Naked Bike um einige Hundert Euro (8.090 € / ABS: 8.490 €). Ob die neue Yamaha der Triumph gefährlich werden kann, müssen dann Vergleichstests zeigen – und der Erfolg in der Zulassungsstatistik.

Sebastian Schaal
Sebastian Schaal
Handelsblatt Online / Redakteur

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