Youngtimer mit Potenzial
Fiat Ritmo: Das seltsame Gesicht in der Menge

Autodesigner sind zuweilen seltsame Gesellen. Das fängt schon damit an, dass sie über jede Biegung im Blech schier unendlich lange Monologe halten können.
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dpa/tmn TURIN. Und obwohl es sich bei einem Auto um einen Gegenstand handelt, der möglichst viele Käufer überzeugen soll, formen sie manchmal rollende Extravaganzen, bei denen vermutet werden könnte, sie dienten allein der Abschreckung. Das gilt zum Beispiel für den Fiat Ritmo. Der wirkte so eigenartig, dass den wenigen verbliebenen Exemplaren allein das schon Liebhaber-Status sichert.

In den 70er Jahren war ein Fiat ein kantiges und schmuckloses Gefährt, bei dem die nach einem undurchschaubaren Muster gewählten Zahlenfolgen als Modellbezeichnung die Beliebigkeit noch verstärkten. Wer weiß heute noch, wie ein Fiat 127 aussah, was ihn vom Fiat 128 unterschied und wann es Modelle wie den 131 oder 132 gab?

Doch in den 70er Jahren muss bei Fiat jemand auf die Idee gekommen sein, dass die Durchnummerierung der Modelle nicht der Gipfel der Weisheit war. Der Name, den man sich ausgedacht hatte, lautete Ritmo - was an Rhythmus und an beschwingte Musik erinnern sollte. In Zeiten des Diskofiebers eigentlich keine schlechte Idee - jedenfalls wenn die Designer dazu auch eine schicke Karosserie entworfen hätten.

Wer den Ritmo allerdings bei seiner Präsentation 1978 erblickte, dürfte sich die Augen gerieben haben. Fiat hatte es tatsächlich geschafft, ein Auto zu bauen, das unverwechselbar war. Doch diese Unverwechselbarkeit drückte sich mitnichten durch italienischen Chic aus. Der Ritmo war ein Kompaktmodell, das Erfolgstypen wie dem VW Golf Konkurrenz machen sollte. Doch seine Designer müssen der Idee verfallen sein, man könne alles doch mal ganz anders versuchen. Anders bedeutete zum Beispiel, dass man den Kühlergrill verwarf. Beim Ritmo bestand die Frontpartie aus zwei Hälften: Die untere war durch eine Unmenge an Kunststoff geprägt, die den Stoßfänger darstellte. Die obere Hälfte bestand aus der Motorhaube. Außerdem hatte man es geschafft, zwei simple Rundscheinwerfer dazwischenzumontieren.

Und weil man schon dabei war, etwas Ungewöhnliches zu kreieren, beließ man es nicht bei der Front. Die Türgriffe erinnerten an Konservendosen-Deckel mit Abreiß-Lasche und hinten gab es ebenfalls einen wuchtigen schwarzen Stoßfänger. Fiat mühte sich dann auch, nicht das Design, sondern die tatsächlichen Vorteile der Kunststoffgebirge an Front und Heck in den Vordergrund zu stellen: "Sie sind unempfindlich gegen Korrosion, und sie vertragen leichtere Kollisionen ohne Schaden: Bis etwa sechs km/h bleiben am Ritmo keine Spuren zurück", teilte der Hersteller zur Markteinführung mit.

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