ZDF testet Mercedes und BMW

Pluspunkt für 16 Prozent Mehrverbrauch

Das Duell zweier ikonischer Marken hatte das ZDF am Dienstagabend ins Programm gehoben. Doch statt eines aussagekräftigen BMW-Mercedes-Vergleichs kam ein Wischiwaschi-Beitrag inklusive Stars einer Dokusoap heraus.
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Bei der ZDF-Stichprobe verbrauchten die getesteten Mercedes und BMW deutlich mehr als vom Hersteller angegeben. Quelle: Screenshot

Bei der ZDF-Stichprobe verbrauchten die getesteten Mercedes und BMW deutlich mehr als vom Hersteller angegeben.

(Foto: Screenshot)

DüsseldorfVor einigen Monaten war es, da rüttelte der SWR mit einer Dokumentation am Image des Daimler-Konzerns. Ein Journalist hatte Undercover im Werk Untertürkheim an einem Band als Werkarbeiter gearbeitet und dabei zumindest zweifelhafte Beschäftigungsmethode aufgedeckt. Die 45 Minuten Dokumentation am Dienstagabend im ZDF – ebenfalls zu bester Sendezeit – dürfte dem Mercedes-Hersteller wesentlich besser gefallen haben.

Die Mainzer schickten Mercedes und BMW ins Duell. Eingeläutet wurde der Vergleich mit einem Wettrennen von zwei Spitzenmodellen der süddeutschen Autoersteller auf einer Rennstrecke. So stellt sich eine PR-Abteilung einen Beitrag im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vor. Brav nacheinander traten der 7er-BMW und die S-Klasse auf der Piste gegeneinander an. Einziges Kriterium für die Bewertung durch die Redaktion: Die Geschwindigkeit.

Damit war die Grundstimmung für den Vergleich der Marken gelegt. Der Grundtenor positiv, die PS-Zahlen regelmäßig dick eingeblendet und hübsche Außenaufnahmen der Fahrzeuge, teils sogar mit Kameradrohnen gefilmt. Frühere Firmenvergleiche, etwa den der Discounter Lidl und Aldi, übertraf die Sendung nicht.

Zur Punktevergabe schritten die Filmemacher auch, das ist Pflichtprogramm der Wirtschaftsdokumentationen dieser Machart. Die Kategorien blieben dabei völlig ungewichtet - die schnellste Rennrunde bringt BMW einen Punkt ein, das überschreiten des Normverbrauchs laut Prospekt um fast 16 Prozent bringt Mercedes einen Pluspunkt (!) ein – schließlich lag der BMW sogar 20 Prozent über dem Normverbrauch.

Mit dem Trick, die Motorhaube abzuschrauben durften dann die Ludolf-Brüder versuchen, die Norm doch noch zu erreichen. Die mit ihrer Schrottplatz-Doku bekannt gewordenen Bastler lagen mit diesem Kniff genauso daneben wie die Filmer, die in einer Szene des Markenduells sogar im Kindergarten die BMW- und Mercedes-Rutschautos auf Akzeptanz unter Kleinkindern testeten (immerhin ohne Punktevergabe).

Weder Fisch noch Fleisch
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24 Kommentare zu "ZDF testet Mercedes und BMW: Pluspunkt für 16 Prozent Mehrverbrauch"

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  • Eine Erkenntnis hat die Sendung gebracht: Es geht immer noch schlimmer mit dem Niveau des "Öffentlichen". Wer gibt solche Sendungen frei - fragt Elmarberg. An ihren Taten sollt ihr sie erkennen!

  • Einen solchen Unsinn kann man nur bedauern. Einen ebenso treffenden Kommentar habe ich auf automotive-opinion.com gelesen, der noch brutaler kritisiert. Auch noch die Ludolfs als Experten zu involvieren, ist absolut unseriös.

  • Wüsste jetzt nicht, das Mercedes oder BMW einen "Audi RS5" im Programm hätten...

  • Fremdschämen
    Als Mitarbeiter einer der im Vergleich "begutachteten" Fahrzeughersteller (des "Punktsiegers"...) kann ich mich für diesen Bericht zur Hauptsendezeit nur fremdschämen. Völlig willkürlich ausgesuchte Produkte, Kategorien, Messwerte, Einschätzungen von Kindergartenkindern und Ludolfs - selbst im Privatfernsehen wurde solch ein lieblos und sinnloser Beitrag noch nicht versendet. Wer gibt solch eine Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen frei?

  • Also, mir fehlte ein Audi RS 5 im Vergleich. Ich liebe auch PS-Monster und Spritvernichte, fahre sie total gerne. Wozu die Aufregung. Locker bleiben. Autos sind eine tolle Sache, machen Spass und können mehr, als Leute nur von A nach B bringen.

    Autos sind Lebensqualität und da wünsche ich mir viel mehr bolide breite flache schöne Autos, mit denen man viel Spass haben kann.

  • Fahre seit 2 Jahren u. a. einen Bugatti Veyron. Ein Hammerteil. Geht wie die Hölle.
    Was andere denken, geht mir am Arsch vorbei. Ich arbeite hart u. will meinen Spaß.

  • Niveauloser geht es nicht mehr. Schuld sind aber meiner Meinung dessen Vorgesetzte u. Marketingberater, die solch eine Sendung zulassen bzw. befürworten. "Das Beste oder nichts" passt aber genauso dazu. Schauen Sie sich das Cockpit der B / A und der zukünftigen C-Klasse an. Billiger geht es doch nicht mehr. Dieser Tom Tom - Look tut doch schon weh. Aber solange Rucksackmoderatoren über Prämienerzeugnisse berichten dürfen wird sich nichts ändern. Wenn man nun den Werbe - Spot von MB ernst nimmt, wird MB die Produktion ab der C-Klasse einstellen müssen. Oder besinnt man sich doch wieder auf Prämienqualität im unteren Segment?

  • Richtig: Das war ganz schwach! Wie so etwas im ZDF und auf diesem Sendeplatz landen konnte ... ? Für mich ein journalistischer Skandal! Auch als Gebührenzahler macht mich das zornig!

  • "Doch statt eines aussagekräftigen BMW-Mercedes-Vergleichs kam ein Wischiwaschi-Beitrag inklusive Stars einer Dokusoap heraus." Das ist Deutschland! Hauptsache der Schwachsinn wird vom Steuerzahler finanziert.

  • Es gibt Menschen, denen Autofahren Spaß macht. Der deutsche Durchschnittsnörgler mag das andres sehen, aber er kann ja gerne zum Dschungelcamp umschalten und U-Bahn fahren.
    Mich stört ein positiver Bericht, gerade über Autos und gerade über PS-Starke Autos nicht, ich hätte gerne mehr davon. Ich finde große, PS-starke Autos toll und fahre sie auch gerne - politisch total unkorrekt, mir aber egal!

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